Swisscom lagert erneut Stellen ins Ausland aus
Die Swisscom feiert sich in ihrer Mitteilung zu ihren Halbjahreszahlen für eine «gute Performance und beste Kundenerlebnisse». Für IT-Mitarbeitende der wichtigsten Einheit Swisscom Schweiz aber kommt es ein paar Absätze weiter unten knüppeldick. Der staatlich kontrollierte Telekom-Konzern verlagert nämlich weitere Stellen ins Ausland.
Bereits vor knapp einem Jahr machte «Schweiz heute» publik, dass Hunderte Mitarbeitende in sogenannten Devops-Teams, die im Bereich Software-Entwicklung tätig sind, von den Auslands-Plänen betroffen sind. Damals stand der Aufbau von Stellen in den Swisscom-Niederlasssungen im niederländischen Rotterdam und im lettischen Riga im Fokus. Nun eröffnet Swisscom einen weiteren Standort in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.
Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit einer «langfristigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit». Der neue Standort solle «ausgewählte Technologie- und Unternehmensdienstleistungen erbringen in den Bereichen IT, Softwareentwicklung und Finanzen». Vorgesehen sei, 2027 mit etwa 40 Mitarbeitenden zu starten und mittelfristig auf rund 200 Mitarbeitende zu wachsen.
Swisscom verliert Marktanteile
Als die Swisscom die Niederlassungen in Rotterdam und Riga 2019 und 2020 eröffnet hatte, betonte sie noch, dass dies «nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen in der Schweiz» gehe. Das hat sich nun geändert. Bereits bei der letzten Auslagerungswelle gab der Telekom-Konzern offiziell Kostengründe an. Mitarbeitende in der Schweiz sind teurer als jene im Ausland.
Die Gewerkschaft Syndicom sieht diese Strategie kritisch. «Ob die kurzfristigen Einsparungen durch niedrigere Löhne dann effektiv die höheren Koordinationskosten wiedergutmachen, kann man bezweifeln», schreibt sie in einer Mitteilung. Für die Gewerkschaft stelle sich die Frage, welche Verantwortung Swisscom als bundesnaher Betrieb gegenüber dem Schweizer Werkplatz wahrnehme, wenn gleichzeitigt Arbeitsplätze und Kompetenzen zunehmend ins Ausland verlagert würden.
Ähnlich wie die Swisscom geht die Post vor, ein weiterer staatlich kontrolierter Betrieb. Im Jahr 2022 versprach sie noch, dass mit der Eröffnung eines Ablegers für die IT-Entwicklung in Lissabon keine Stellen ins Ausland verlagert würden. Vor wenigen Monaten machte «Schweiz heute» dann publik, dass dieses Versprechen Makulatur ist und mindestens 140 Stellen nach Portugal verschoben werden.
Beiden Konzernen ist gemein, dass sie mit einem schrumpfenden Umsatz in ihrem Kerngeschäft zu kämpfen haben. Der Post brechen die Erlöse im Brief- und Schaltergeschäft ein, die Swisscom verliert bei den Handy- und TV-Abos Marktanteile und Umsätze. Sie versucht mit Preiserhöhungen gegenzusteuern. Dennoch resultierte im ersten Halbjahr ein Rückgang des Gruppenumsatzes um 3,0 Prozent auf 7,22 Milliarden Franken.
Auch in Italien schrumpfen Umsätze
Das bereinigte Ergebnis konnte hingegen um 3,3 Prozent auf 2,56 Milliarden Franken gesteigert werden, der Reingewinn stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 6,9 Prozent auf 668 Millionen Franken. Damals war der Gewinn allerdings eingebrochen, auch wegen hohen Kosten für die Integration von Vodafone Italia.
Im Segment Schweiz ging der Umsatz im ersten Halbjahr um 0,7 Prozent zurück auf 3,87 Milliarden Franken, der Umsatz mit Telekomdiensten verringerte sich um 2,1 Prozent auf 2,53 Milliarden Franken. Dank «substanzieller Kosteneinsparungen» habe aber mehr als die Hälfte der Auswirkungen des rückläufigen Telekom-Geschäfts auf Ergebnis-Ebene kompensiert werden können.
Rückläufig war der Umsatz im ersten Halbjahr auch in Italien. Er ging um 3,3 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro zurück. Beim Umsatz mit Telekomdiensten resultierte in Italien ein Minus von 3,6 Prozent auf 2,39 Milliarden Euro, der Umsatz mit IT-Dienstleistungen für Geschäftskunden reduzierte sich dort um 1,6 Prozent auf 395 Millionen Euro. Immerhin habe sich der Rückgang der Telekom-Umsätze «weiter verlangsamt». Der Integrationsprozess verlaufe planmässig.
Für das Geschäftsjahr erwartet Swisscom unverändert einen Umsatz von 14,7 bis 14,9 Milliarden Franken und will die Dividende von 26 auf 27 Franken pro Aktie erhöhen. (schweizheute.ch)

