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Zölle Trump Schweiz: schweizer Politik reagiert

USA Donald Trump
Kampfjet-Verträge kündigen, bilaterale Verträge vorantreiben oder Gianni Infantino ins Boot holen: Die Schweizer Politik hat unterschiedliche Ideen, wie mit den Zöllen von Donald Trump umzuspringen ist.Bild: watson/Julia Schwamborn

F-35 kündigen oder Infantino schicken: So reagiert die Politik auf Trumps Zölle

Seit heute Morgen gilt ein neuer Zollsatz für Schweizer Exportgüter: 12,5 Prozent. Während die Linken die Rüstungsverträge mit den USA kündigen wollen, bringt die SVP Gianni Infantino ins Spiel.
24.07.2026, 13:4024.07.2026, 15:26

Nun also 12,5 Prozent: Das ist der neue Zollsatz, der für Schweizer Unternehmen gilt, die ihre Produkte in die USA exportieren wollen.

Die neuen Zölle sind heute Morgen in Kraft getreten und gelten für 60 Staaten, darunter auch die Schweiz. Für die EU-Staaten gilt ein tieferer Zollsatz: 10 Prozent.

Die neuen Zölle waren nötig geworden, weil der Supreme Court, das oberste Gericht der USA, Trump zurückgepfiffen hatte. Die von ihm vor knapp einem Jahr erstmals verhängten Zölle seien unrechtmässig, urteilten die Richter.

Deshalb hat Trump die neuen Zölle auf eine neue Grundlage stellen müssen. Rechtlich argumentiert er nun mit Zwangsarbeit. Die Staaten, für die die Zölle gelten, würden zu wenig dagegen unternehmen, diese in den Produkten, die sie in die USA exportieren, zu verhindern.

Ein Vorwurf, den die bürgerlichen Parteien und die Wirtschaftsverbände nicht gelten lassen, auf der linken Seite aber durchaus Gehör findet. Das sind die Reaktionen aus der Politik:

Franziska Roth (SP): Paroli bieten

«Erneut zeigt sich, dass der Autokrat mit uns verfährt, wie er will», sagt Franziska Roth, SP-Ständerätin aus dem Kanton Solothurn. Die Schweiz sei damit sogar noch schlechter gestellt als die EU. «Die zum Teil absurden Ausnahmen zeigen, wie wirr Trump regiert.»

Für Roth gibt es deswegen nur ein Rezept: den USA Paroli bieten.

«Es wäre Gegendruck mit dem Ausstieg aus den Rüstungsgeschäften nötig. Dass der Bundesrat nicht handelt, schwächt unsere Wirtschaft weiter.»
Franziska Roth, SP-Ständerätin

Die Schweiz hat mit den USA Verträge über F-35-Kampfjets und ein Raketenabwehrsystem abgeschlossen. Die Flugzeuge werden viel teurer als ursprünglich abgemacht; bei der Raketenabwehr des Typs Patriot wird es zu langen Lieferverzögerungen kommen.

Die SP fordert in beiden Fällen, dass die Schweiz aus den Verträgen aussteigt.

Staenderaetin Franziska Roth, SP-SO, spricht an einer Medienkonferenz des Komitees gegen die Ernaehrungsinitiative, , am Donnerstag, 18. Juni 2026 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
SP-Ständerätin Franziska Roth macht sich dafür stark, dass die Schweiz den USA mehr die Stirn bietet – und den Vertrag über die F-35-Flugzeuge aufkündigt.Bild: keystone

In einem Punkt hingegen gibt Roth dem US-Präsidenten sogar recht: Die Schweiz müsse sich in Sachen Zwangsarbeit mehr bewegen. «Mindestens in Handelsabkommen müsste die Schweiz sicherstellen, dass Produkte sowie Rohstoffe, die auf den Schweizer Markt gebracht werden oder für den Export bestimmt sind, nicht aus Zwangsarbeit stammen», sagt Roth, die im Parlament einen entsprechenden Vorstoss eingereicht hat.

Langfristig fordert Roth, dass dies in einem Aussenwirtschaftsgesetz verbindlich geregelt wird.

Roland Rino Büchel (SVP): Infantino einspannen

Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat aus dem Kanton St.Gallen, hat den Zollsatz von 12,5 Prozent vorhergesagt. Für ihn zeigt das: «Wenn man die Dinge richtig analysiert, ist die US-Politik unter Donald Trump gar nicht so unberechenbar.» In Jubelstürme ausbrechen mag Büchel deswegen trotzdem nicht: «Dieses Ergebnis ist nicht brillant, aber okay.»

Nationalrat Roland Rino Buechel, SVP-SG, spricht an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 15. September 2025, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Roland Rino Büchel (SVP/SG) hat den Zollsatz von 12,5 Prozent korrekt vorhergesagt.Bild: KEYSTONE

Das Gelärme der Wirtschaftsverbände, die beklagen, dass die Schweiz schlechtere Zollsätze und grössere Unsicherheit hat als die EU-Staaten, ärgert Büchel: «Diese 2,5 Prozentpunkte Unterschied sind verkraftbar. Damit kann unsere Wirtschaft leben. Mit den neuen EU-Verträgen nach dem Gusto der Wirtschaftsfunktionäre und der linken Parteien würden wir unsere urschweizerische DNA aufgeben.»

Büchel wählt dafür eine Allegorie aus der Seefahrt:

«Lieber sind wir das kleine, wendige Schiff, das eigenständig navigieren kann, als Passagier auf einem schwerfälligen Supertanker, der auf alle anderen Rücksicht nehmen muss.»
Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat

Im weiteren Umgang mit dem US-Präsidenten hat Büchel einen unkonventionellen Vorschlag: «Spannen wir doch Gianni Infantino mehr ein. Er hat einen sehr guten Draht zu Donald Trump.»

Er habe das schon vor einem Jahr gefordert: «Gianni Infantino kann der Schweiz Türen öffnen, verhandeln müssen aber selbstverständlich weiterhin Guy Parmelin und seine Leute.»

Andri Silberschmidt (FDP): Hausaufgaben machen

Der neue Zollentscheid führt in der Politik auch zu einer gewissen Resignation: «Was will man da als Schweiz noch gross tun?», fragt sich Andri Silberschmidt, FDP-Nationalrat aus dem Kanton Zürich.

«Das ist erneut ein total willkürlicher Entscheid. Es ist eine Illusion, dass es unter der Präsidentschaft Trump Rechtssicherheit gibt.»

Andri Silberschmidt, FDP-ZH, beantwortet eine Frage, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 3. Juni 2026 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Andri Silberschmidt (FDP/ZH) sorgt sich um den Wirtschaftsstandort Schweiz.Bild: KEYSTONE

Bis dahin müsse es für die Schweiz darum gehen, die eigenen Hausaufgaben zu machen. Und das bedeute: den Schweizer Exportunternehmen zu helfen, indem man weitere Absatzmärkte erschliesst, wie zum Beispiel mit dem Mercosur-Abkommen oder dem Freihandelsabkommen mit Malaysia.

Und: «Die Schweiz darf nicht immer teurer werden zum Produzieren», sagt Silberschmidt. «Wir müssen verhindern, dass Lohnabgaben oder Mehrwertsteuer in die Höhe schnellen. Das ist in den letzten Jahren schon zu oft geschehen.»

«Wir müssen jetzt die Zeit überbrücken, bis es an der Spitze der Vereinigten Staaten einen Wechsel gibt.»
Andri Silberschmidt, FDP-Nationalrat

Zudem müsse die Schweiz die bilateralen Verträge mit der EU festigen: «Da liegt ein Vertragspaket auf dem Tisch. Wenn wir dieses ausschlagen, haben wir auch dort keine Rechtssicherheit mehr», sagt Silberschmidt.

Elisabeth Schneider-Schneiter (Die Mitte): Bilaterale festigen

«Die Zeit der privilegierten Schweiz ist vorbei»: So wertet Elisabeth Schneider-Schneiter den neuen Zollentscheid der USA. Die Basler Mitte-Nationalrätin sitzt in der Aussenpolitischen Kommission. Offensichtlich sei es für die Schweiz in der Gegenwart nicht mehr möglich, eigenständig bessere Deals zu erreichen als ihre Mitwettbewerber, sagt Schneider-Schneiter.

Nationalraetin Elisabeth Schneider-Schneiter, Mitte-BL, spricht an einer Medienkonferenz von der Allianz fuer die Umsetzung der OECD-Mindeststeuer, am Donnerstag, 11. Mai 2023 in Bern. (KEYSTONE/Antho ...
Elisabeth Schneider-Schneiter betont die Wichtigkeit des bilateralen Wegs.Bild: keystone

Zwei Dinge würden die Schweizer Exportwirtschaft nun besonders belasten: «Die extreme Unsicherheit nimmt kein Ende. Und die Spiesse mit der EU sind nicht gleich lang», sagt Schneider-Schneiter. Für die EU gilt ein Zollsatz von 10 Prozent.

Bei der Unsicherheit könne man nicht viel machen, da man hier von der Willkür Trumps abhänge. Was die Ungleichbehandlung mit der EU anbelangt, fordert Schneider-Schneiter aber klar:

«Wir müssen vorwärtsmachen bei den Bilateralen III. Denn der EU-Markt ist für uns sicher und verlässlich, und dem müssen wir Sorge tragen.»
Elisabeth Schneider-Schneiter, Mitte-Nationalrätin

Gegner und Gegnerinnen des Vertragspakets könnten sie da noch lange als «EU-Turbo» bezeichnen: «Es ist der wichtigste Absatzmarkt für unsere Unternehmen. Fällt der auch noch weg, wird es ganz schwierig.»

Schneider-Schneiter glaubt nicht, dass man im Umgang mit den USA und Donald Trump gross etwas anders hätte machen können. «Allerdings frage ich mich schon auch, wie lange wir uns noch erpressen lassen wollen.»

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Die beliebtesten Kommentare
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Snowy
24.07.2026 13:42registriert April 2016
«Spannen wir doch Infantino ein»

War genau auch mein erster Gedanke.... und zeigt wie unglaublich tief "wir" gefallen sind.
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H.P. Liebling
24.07.2026 13:46registriert September 2018
«Spannen wir doch Infantino ein»

Die SVP liebt Korruption. Wie alle Rechtspopulisten.
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Amadeus
24.07.2026 13:49registriert September 2015
Die SVP redet es gerade schön. dass die Schweiz einen höheren Zoll hat als die EU. Sonst müsste sie ja den eigenen Bundesrat kritisieren.
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