Schweizer sprayte mit Banksy in London: «Wir haben recht viel gekifft»
TSA*, wie kam es dazu, dass Sie mit Banksy die Tiefgarage der Schweizer Botschaft in London besprayen durften?
TSA: Ich habe als Teenager angefangen zu sprayen und wurde ein paarmal von der Polizei erwischt. Mein Vater hat das einem Freund erzählt, dem damaligen Kulturattaché in London, Wolfgang Amadeus Brülhart. Da entstand die Idee, dass die Botschaft Graffitikünstler einladen könnte, um legal Kunstwerke anzufertigen.
Wie ging es weiter?
Als die offizielle Anfrage kam, fühlte ich mich sehr geehrt. Ich war ja erst 17 Jahre alt. Zuvor waren meine Werke meist unter Zeitdruck entstanden, im Schutz der Dunkelheit und im Wissen, jederzeit erwischt werden zu können. Ein Vorgehen wie das in der Schweizer Botschaft kannte ich bisher gar nicht.
Wie muss man sich die gemeinsame Arbeit in der Garage vorstellen?
Wir konnten nur nachts arbeiten, da die Garage tagsüber voller Autos war. Am Anfang merkten wir, dass die Botschaft die Wände und Säulen hatte beschichten lassen, damit man die Farbe einfach wieder entfernen konnte. Das war ziemlich mühsam. Wir mussten sie zuerst silbern grundieren, bevor wir unsere Werke anbringen konnten. Zum Glück hatte uns die Botschaft eine riesige Palette mit Spraydosen bezahlt – wobei der Vorrat nicht ausreichte.
Wie halfen Sie sich weiter?
Wir konnten zum Glück auf Kosten der Botschaft Nachschub besorgen. Da ich nur sechs Dosen im Flugzeug in die Schweiz mitnehmen durfte, verteilten wir den Rest an die britischen Künstler. Einige der berühmtesten Kunstwerke von Banksy aus den Folgejahren hat er mit diesen Dosen geschaffen.
Wie war die Stimmung untereinander und wie war der Austausch mit Banksy?
Wir hatten eine sehr gute Zeit. Die Botschaft stellte uns Kaffee und Bier zur Verfügung. Wir haben auch recht viel gekifft. Wir haben viel miteinander geredet, uns ausgetauscht und gleichzeitig sehr konzentriert gearbeitet. Banksy habe ich als ruhigen, zurückhaltenden Typen erlebt. So sind viele Street-Artists drauf: Man ist sich gewohnt, dass das Kunstwerk im Vordergrund steht, nicht der Künstler.
Reut es Sie manchmal, dass nicht mehr Leute die Werke zu sehen bekommen?
Nein, überhaupt nicht. Die allermeisten Graffitis werden «gebufft» – also übermalt oder entfernt. Ich habe in meiner Karriere wohl rund 1000 Graffitis angefertigt, 80 Prozent davon existieren nicht mehr. Wenn man einen Zug ansprayt, ist das Werk nach maximal drei Tagen wieder weg. Von daher empfinde ich es als riesige Wertschätzung, dass die Kunstwerke in der Tiefgarage auch nach 26 Jahren noch bestehen und die Medien immer wieder darüber berichten.
* Der 42-jährige Schweizer ist seit fast 30 Jahren als Graffitikünstler unter den Kürzeln TSA und GOSB auf mehreren Kontinenten aktiv. Er möchte anonym bleiben. (schweizheute.ch)

