SVP-Bauer will Klimaprobleme mit Jeeps in den Alpen lösen
Herr Wandfluh, wie geht es Ihren Kühen?
Gut. Sie weiden auf rund 2000 Metern über Meer, wo die Temperaturen etwas tiefer sind. Dort ist das Gras auch noch grün. Und die Tiere haben genug zu trinken. Auf unserer Alp ist seit einigen Jahren eine Quelle mit einem System erschlossen, das Wasser in die Viehtröge leitet. Aber die Erträge sind momentan geringer. An heissen Tagen fressen Kühe weniger und geben auch weniger Milch. Das habe ich in früheren Hitzesommern schon oft erlebt.
Ist die Situation auf anderen Bergbetrieben ähnlich entspannt?
Nein. Viele Bergbauern haben ihre Tiere zurück ins Tal gebracht, weil die Bäche ausgetrocknet sind oder ihre Weideflächen dürr sind. Im Mittelland, zum Beispiel um Bern herum, ist die Situation deutlich ernster. Da greifen einige Bauern seit Wochen auf Heuvorräte für den Winter zurück. Dazu verschärft das neue Virus die Situation für sie, weil es die Tierarztkosten in die Höhe treibt. Manchen Betrieben stehen grosse finanzielle Einbussen bevor. Gerade in Kombination mit dem Milchpreis, der schon lange tief ist. Das bereitet Kummer.
Mehr und mehr Bauern lassen unter diesen Bedingungen ihre Tiere schlachten, aus finanziellen Gründen. Der richtige Weg?
Ich kann die Verzweiflung nachvollziehen. Es gilt aber, Ruhe zu bewahren. Wenn jetzt alle ihre Kühe schlachten, droht ein Überangebot und damit noch tiefere Fleischpreise für die Bauern. Das Problem wäre also noch grösser. Der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband und der Bauernverband unternehmen derzeit alles, um Futter-Importe zuzulassen.
Sie haben den Bundesrat aufgefordert, das Ausrufen einer ausserordentlichen Lage zu prüfen. Wie soll das helfen?
Damit könnte der Bundesrat schnell und unkompliziert den Import von Mais oder Dörrfutter ermöglichen, um die aktuelle Situation zu überbrücken. Das würde viele Tiere vor der Schlachtbank retten. In einer ausserordentlichen Lage wären auch Armeeeinsätze leichter möglich. Für Wassertransporte in abgelegenen Gebieten zum Beispiel. Man muss sehen, dass die Trockenheit den Bauernbetrieben nun schon sehr lange zu schaffen macht und die Hilfe wirklich dringend ist. Ich hoffe, der Bundesrat handelt.
Eine ausserordentliche Lage schafft nur kurzfristig Abhilfe. Warum fordern Sie keine Massnahmen, um den Klimawandel zu bremsen?
Ernst Wandfluh: Der Klimawandel ist ein globales Problem. Die Schweiz stösst im Vergleich zu anderen Ländern wenig CO2 aus. Schon heute fördert der Staat energetische Sanierungen von Gebäuden, dazu gelten bereits zahlreiche Verbote. Viel wichtiger ist, dass wir uns jetzt dem Klimawandel anpassen. Auf den Alpen sind Investitionen in Regenwassersysteme angesagt. Und wir müssen dem Landschaftsschutz weniger Gewicht geben, damit wir die Alpen für Fahrzeuge zugänglich machen. Nur so sind wir künftig für Hitzesommer gewappnet.
Es ist Klimawandel und Ihre Lösung sind neue Verkehrswege in den Alpen. Das müssen Sie erklären.
Wir haben in der Schweiz immer noch grosse Alpengebiete, die für Fahrzeuge kaum erreichbar sind. Neue Betriebswege wären für den Transport von Vieh und Wasser aber wichtig. Gerade dieser Sommer hat gezeigt, wie wichtig gut angeschlossene Alpengebiete sind. Viele Bauern in den Tälern haben aus Futternot einen Alpplatz für ihre Tiere gesucht, doch nicht immer war der Transport einfach. Mit neuen Betriebswegen wären auch weniger Helikopter-Einsätze nötig, das spart Kosten für Einsätze. Wohlgemerkt: Ich fordere hier keine geteerten Ferrari-Pisten, sondern unbefestigte Strassen, die mit einem Jeep befahrbar wären.
Ihre Argumente gegen mehr Klimaschutz hört man immer wieder aus der SVP. Müssten Sie und Ihre Partei nicht langsam umdenken? Noch heissere Sommer kann die Landwirtschaft kaum verkraften.
Schauen Sie, ich bin im Berner Oberland daheim, unweit des Flugplatzes in Belp. Wenn Sie dort ab morgen eine Flugticketabgabe erheben und von mir aus das Gleiche am Flughafen Zürich machen, fliegen die Leute einfach ab Mailand. Mehr politische Massnahmen in der Schweiz bringen aus meiner Sicht wenig, solange die USA, China und Russland so viel CO2 ausstossen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn die Leute ihr Verhalten etwas ändern würden. Man könnte sicherlich häufiger in der Schweiz Ferien machen und lokale Produkte kaufen.
Sie wollen einfach Ihren Bergkäse verkaufen!
Natürlich, das ist ein Superfood! Nichts ist gesünder als ein gutes Stück Bergkäse. (lacht)
SVP-Parteipräsident Marcel Dettling hat mal gesagt, der Klimawandel sei nicht schlecht für die Bauern. Gehen Sie da noch mit?
Die Aussage ist differenziert zu betrachten. Es kann durchaus Vorteile für die Landwirtschaft haben, wenn das Gras wegen höherer Temperaturen früher zu wachsen beginnt und sich die Vegetationszeit verlängert. Aber Niederschläge braucht es schon auch. Am besten wären vier sonnige und drei regnerische Tage pro Woche.
