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Der Wasserpegel des Untersees ist historisch tief

Video: watson/hanna dedial

Historisches Pegeltief am Bodensee – man riecht den See, bevor man ihn sieht

Es ist der Sommer mit dem tiefsten Pegelstand seit Messbeginn im Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees. Was löst die Seedürre bei der Bevölkerung am beliebten Badesee aus? Ein Augenschein vor Ort.
05.08.2026, 06:0705.08.2026, 06:07

Die Luft, die einem dieser Tage bei Ermatingen TG am Untersee entgegenschlägt, erinnert an das zweifelhafte Vergnügen, das einen ereilt, wenn man draussen an einer Klimaanlage vorbeigeht.

Die Luft ist stickig-warm – und sie stinkt.

Moderig und algig riecht es in der Nähe des Ufers, das gerade mehr Ähnlichkeiten mit dem Wattenmeer als mit einem Schweizer Gewässer aufweist. Statt kleiner Krabben hüpfen hier aber Dutzende kleine Fröschlein aus dem Weg, wenn man über den schlickigen Grund geht, wo normalerweise Wasser wäre.

Der See zieht sich zurück

Ein Paar, das diesen heissen August-Nachmittag dennoch in der Badi in Ermatingen verbringt, lässt sich trotzdem nicht vom Baden abhalten. Schliesslich seien sie extra aus dem Kanton Zürich in den Thurgau gezogen, um nah am See zu sein. Doch in den zwei Jahren, welche die beiden schon in Seenähe leben, zieht sich dieser im Sommer immer wieder weit vom Ufer zurück. «Der See vertrocknet», sagt die Frau.

Die Zahlen stützen das Gefühl, das die beiden haben: Der Pegelstand des Untersees war noch in keinem Sommer so tief wie in diesem. Aktuell steht der Pegelstand bei der BAFU-Messstation in Berlingen etwas westlich von Ermatingen bei deutlich unter 394,5 m ü.M. Normalerweise liegt der Seespiegel Anfang August rund 1,2 Meter höher.

Nicht alle stören sich am rekordträchtigen Niedrigwasser: Die zwei Dutzend Badegäste, die an diesem Nachmittag im Schatten der Trauerweiden liegen, waten stoisch durch eine dicke Schicht Schlick oder behelfen sich mit Stand-up-Paddles, um schnell ins Tiefe zu kommen. Baden geht auch so.

«Abkühlen kann man sich trotzdem wunderbar», sagt eine Badi-Besucherin, die die Aufregung um die Seedürre nicht ganz nachvollziehen kann.

Schwierige Situation für Bootsfahrer

«Es ist Jammern auf hohem Niveau», nimmt ein Herr am Bootssteg von Ermatingen zwinkernd vorweg. Trotzdem ist es Tatsache: Mit dem Boot rauszufahren macht diesen Sommer nicht so viel Spass wie sonst. Bis zu den Knien sinkt er im Uferschlamm ein, wenn er sein Boot losmachen möchte. Es ist nach dem Steg an einer Boje weiter draussen befestigt, weil die Boote in Ufernähe inzwischen auf dem Trockenen liegen.

Untersee bei Ermatingen TG
Viele Boote sind schon auf dem Trockenen.Bild: watson

«Wenn es so zu liegen kommt, bringt man es nicht mehr weg», sagt er. Dann müsse man warten, bis das Wasser zurückkommt und die Boote anhebt.

Auf das Wasser warten nicht nur geknickte Wassersportfans, sondern die ganze Region. Aber bis nächste Woche sind für die Gegend weiter hohe Temperaturen und wenn, dann nur geringe Niederschlagsmengen prognostiziert. So wird das Kinderbecken in der Badi Ermatingen wohl noch etwas länger leer bleiben, denn die Pumpe, die es normalerweise mit Seewasser befüllt, liegt schon längst im Trockenen.

Video: watson/hanna dedial

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