In nur einer von 38 Regionen der Schweiz ist es nicht trocken – und es wird noch schlimmer
Die Schweiz ächzt gerade unter einer massiven Hitzewelle. Weil diese auf eine Phase folgt, in der bereits weite Teile der Schweiz unter Trockenheit litten, hat sich die Situation noch weiter verschärft. Die nationale Trockenheitsplattform des Bundes meldet aktuell für 13 von 38 Regionen «extreme Trockenheit».
Dieser Trockenheitsindex zeigt: Was wir aktuell erleben, ist aussergewöhnlich. «Wir sind in einer relativ trockenen Situation», sagt auch Fabia Hüsler, Programmleiterin der nationalen Trockenheitsplattform, im SRF. Und weiter:
Diese Regionen sind betroffen
Extreme Trockenheit, wie sie laut der nationalen Plattform nur alle 20 bis 30 Jahre auftritt, wird aktuell für den Norden der Schweiz, in Bern sowie in Teilen des Kantons Wallis festgestellt. Hier fielen laut des letzten Trockenheitsbulletins in den letzten 90 Tagen nur gerade 35 bis 65 Prozent des Niederschlages, der im Normalfall zusammenkommt.
In der Zentral- und in der Westschweiz ist die Trockenheit zwar etwas weniger ausgeprägt, doch auch hier sind die Pegel der Fliessgewässer sowie der Seen historisch tief. In nur einer von 38 Regionen – dem Oberengadin – ist es «nicht trocken».
So funktioniert der Hitzeindex
Der kombinierte Trockenheitsindex (CDI) zeigt, in welchen Regionen der Schweiz aussergewöhnliche Trockenheit herrscht. Er besteht aus mehreren verschiedenen Messwerten wie beispielsweise Niederschlagssummen, Bodenfeuchte und Wasserständen. Dieser Index sagt also nur bedingt etwas über die Wasserknappheit aus.
Auch über die Auswirkungen von Trockenheit sagt der Index selbst nicht viel aus. «Wie stark sich Trockenheit auf die verschiedenen Sektoren auswirkt, ist ebenfalls stark von der Jahreszeit abhängig», schreibt der Bund zur Plattform. Und weiter: «Der Wert spiegelt in erster Linie die Häufigkeit eines Ereignisses wider und nicht das eigentliche Wasserdefizit.»
Die Auswirkungen von Trockenheit
Die anhaltende Trockenheit hat denn auch Folgen für die betroffenen Gebiete. Der Kanton Thurgau hat bei Oberflächengewässern die Entnahme von Wasser bereits letzte Woche eingeschränkt, am Dienstag ergriff der Kanton St.Gallen die gleiche Massnahme.
Zudem hat die anhaltende Hitze Auswirkungen auf die Waldbrandgefahr. Fast in der ganzen Schweiz gilt laut Bund die Gefahrenstufe 3 («erhebliche Gefahr»), für manche Teile des Wallis wurde gar die Stufe 4 («grosse Gefahr») ausgerufen. Der Kanton Appenzell-Ausserrhoden hat deshalb am Dienstag bereits ein bedingtes Feuerverbot verhängt. Im Wald und in Waldesnähe ist Feuermachen also verboten.
Doch die anhaltende Trockenheit stellt die Schweiz nicht nur kurz-, sondern auch langfristig vor Probleme: «Das Wasserschlossbild wird zunehmend relativiert, weil sich der hydrologische Kreislauf verschiebt. Im Winter werden wir mehr Niederschlag haben, der direkt abfliesst und nicht in Form von Schnee zwischengespeichert wird. Das heisst, dass im Sommer weniger nutzbares Wasser vorhanden ist», sagt Fabia Hüsler im SRF. Und weiter:
Die verschiedenen Arten von Trockenheit
In der Meteorologie wird zwischen vier Arten von Trockenheit unterschieden:
Meteorologische Trockenheit
Das Niederschlagsdefizit gibt an, wie wenig Nierderschlag in einer Region über einen bestimmten Zeitraum im Vergleich zu vergangenen Perioden gefallen ist.
Landwirtschaftliche Trockenheit
Bleibt der Niederschlag über längere Zeit aus, trocknet der Boden immer weiter aus. Pflanzen haben so immer weniger Wasser zur Verfügung. Dann spricht man vom Bodenfeuchtedefizit.
Hydrologische Trockenheit
Weiter hat eine langanhaltende Trockenheit einen Einfluss auf den Wasserstand von Flüssen, Seen und im Grundwasser. Wird hier vermehrt Wasser entnommen oder es verdunstet, spricht man vom Abflussdefizit.
Sozio-ökonomische Trockenheit
Führen alle oberen Faktoren dazu, dass eine Gesellschaft mehr Wasser benötigt, als sie zur Verfügung hat, spricht man von einem Angebotsdefizit.
Kein Ende in Sicht
Wer einen Blick in die Wetterapp seines Vertrauens riskiert, wird feststellen: Der Höhepunkt der Hitzewelle steht erst noch bevor. Laut Meteonews dürften die Maximaltemperaturen in der ganzen Schweiz bis Samstag nochmals steigen. Für Basel sind 39, für Aarau und Zürich 38 und für St.Gallen 34 Grad angesagt.
Niederschläge und Gewitter folgen demnach erst ab Anfang nächster Woche. Doch auch hier relativiert sich das Bild: Niederschläge infolge von Sommergewittern konzentrieren sich sehr lokal und können kaum das Defizit von mehreren Wochen Trockenheit aufwiegen.
«Es sieht nicht nach nennenswerten Niederschlägen aus. Die Hitze wird uns ebenfalls länger begleiten, was zu einer noch stärkeren Austrocknung der Böden führen kann», sagt auch Fabia Hüsler. Sie meint sogar:
(leo)
