Wasserpegel am Bodensee auf historisch tiefem Niveau
Volle Ufer, überfüllte Badis und reger Betrieb an Flüssen: Die Hitzewelle treibt die Menschen ans Wasser. Doch während Seen und Flüsse für Abkühlung sorgen, setzen ihnen die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen zunehmend zu. Ein Blick auf die Wasserstände der zehn grössten Seen in der Schweiz zeigt, acht von zehn Seen weisen einen unterdurchschnittlichen Pegelstand für diese Zeit des Jahres auf.
Während die aktuelle Hitzewelle die Trockenheit in diversen Gewässern noch verstärke, haben vor allem die längere Trockenperiode seit dem Frühling und zudem der schneearme Winter und somit der ausbleibende Zufluss von Schmelzwasser im Frühling zu den tiefen Pegelständen geführt, sagt Edith Oosenburg vom Bundesamt für Umwelt (BAFU). Besonders tief ist aktuell der Wasserpegel am Bodensee. An der Messstation beim Untersee liegt dieser heute 93 cm unter dem durchschnittlichen Wert für diesen Tag.
Pegel am Bodensee auf Tiefststand
Der aktuelle Pegelstand markiert den tiefsten Wert der Referenzperiode zwischen 1991 und 2020. Nachdem der Bodensee im vergangenen Jahr den niedrigsten durchschnittlichen Wasserstand für den Monat Juni seit Messbeginn 1930 verzeichnet hat, deuten die aktuellen Daten darauf hin, dass dieser Negativrekord 2026 erneut unterboten werden könnte.
Neben dem Bodensee, dem Zugersee und vielen kleineren Seen zeigt sich auch beim Walensee ein deutlich niedrigerer Wasserpegel als durchschnittlich. So ist dieser heute 76 Zentimeter tiefer als durchschnittlich zu dieser Jahreszeit. Dies habe auch damit zu tun, dass die beiden Seen, Walensee wie auch Bodensee, im Gegensatz zu den meisten grösseren Seen in der Schweiz über keine Regulierung der Wasserstände durch Wehre verfügten, so Edith Oosenbrug vom BAFU.
Die seichten Uferbereiche seien Rückzugsorte für Wasserlebewesen; dadurch, dass diese Uferbereiche nun trockengelegt wurden, würden diese Rückzugsmöglichkeiten nun fehlen, sagt Oosenburg. Die Auswirkungen auf die Tierwelt und das Ökosystem seien in den Flüssen jedoch um ein Vielfaches problematischer als in den Seen, in denen sich die Fische in tiefere und kältere Zonen zurückziehen könnten.
Kantone reagieren mit ersten Massnahmen
Denn in kleineren Flüssen mit geringer Tiefe steige die Wassertemperatur rasant, aktuell würden sich die Wassertemperaturen in diversen Flüssen der Schweiz bereits in einem kritischen Bereich bewegen. «Wir erwarten, dass sich die Lage in dieser Woche noch einmal zuspitzt», sagt die Expertin vom BAFU. In einzelnen Kantonen, beispielsweise im Kanton Fribourg, hätten Fachleute bereits begonnen, Fische aus kleineren Flüssen zu entnehmen, um sie vor dem Hitzetod zu retten.
Während einige Gemeinden Fische dem See entnehmen, verbieten andere aktuell die Entnahme von Wasser zu landwirtschaftlichen Zwecken aus Gewässern, die von der Trockenheit stark betroffen sind. So verbieten etwa der Kanton Thurgau sowie die Kantone Aargau und Fribourg die Wasserentnahme aus einem Grossteil der betroffenen Flüsse und Seen. (jul)
