Dieser Satellitenbilder-Vergleich zeigt, wie trocken die Schweiz ist
Der Sommer 2026 schreibt Klimageschichte – leider nicht im positiven Sinn. Seit Beginn der Messungen 1985 war kein Sommerhalbjahr so trocken wie das laufende. Beinahe 50 Prozent beträgt das Niederschlagsdefizit im bisherigen Sommer. Wenig Niederschlag und Schnee im Winter und Frühling sowie die überdurchschnittliche Sommerhitze mit grosser Verdunstung haben die Schweiz in den letzten Wochen und Monaten regelrecht austrocknen lassen.
Das lässt sich sogar aus dem Weltraum beobachten. Satellitenbilder von Sentinel-2 des europäischen Copernicus-Programms zeigen braune statt grüne Landschaften, trockengelegte Seeuferbereiche sowie schneefreie Gletscher und Berge. Die folgenden Vorher-Nachher-Bilder führen durch zehn Regionen der Schweiz und machen sichtbar wie unterschiedlich die Schweiz sich am 8. August 2026 im Vergleich zum selben Tag im Vorjahr derzeit präsentiert.
Konstanz und Untersee
Kaum eine Region zeigt die Trockenheit so eindrücklich wie der Untersee bei Konstanz. Bereits im April lagen dort Bootsstege trocken auf dem Grund. Der aktuelle Pegelstand markiert den tiefsten Wert der Referenzperiode zwischen 1991 und 2020. Auf den Satellitenbildern lässt sich das an den breiten, hellen Uferstreifen erkennen, wo normalerweise Wasser steht.
Flughafen Zürich
Auch das intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiet rund um den Flughafen Zürich zeigt im Bildvergleich deutliche Veränderungen. Wo im Vorjahr saftig grüne Felder zu sehen waren, dominieren nun braune und beige Flächen – besonders gut zu sehen an den unbewässerten Wiesen rund um die Landepisten.
Wälder bei Brugg AG
Auch die Wälder haben unter der Trockenheit gelitten, was sich in den Satellitenbildern rund um die Stadt Brugg AG zeigt. Wo normalerweise sattes Grün vorherrscht, sind nun braune und lichte Baumkronen zu sehen. Die Rotbuche, nach der Fichte der zweithäufigste Baum der Schweiz, ist von der Dürre besonders betroffen. Der akute Trockenstress hat das Laub an exponierten Stellen bereits gelb, orange und braun verfärbt, teilweise haben es die Bäume sogar bereits abgeworfen.
Oberer Zürichsee
Besonders wenig Niederschlag fiel in den letzten Wochen am oberen Zürichsee. Immer wieder deutete das Wetterradar auf das eine oder andere Gewitter hin, doch oft blieb der erhoffte Niederschlag dann grösstenteils oder gar ganz aus. Die Folge: Vertrocknete Wiesen und braune Felder.
Wil SG mit Umland
Auch im Gebiet um Wil SG zeichnet der Satellitenvergleich ein deutliches Bild der Trockenheit. Die hügelige Landschaft mit ihren zahlreichen kleinen Bächen und Weideflächen zeigt sich heuer merklich brauner als im Vorjahr. Kleinere Fliessgewässer reagieren besonders empfindlich auf Niederschlagsdefizite, weil ihnen im Gegensatz zu grossen Seen kein Puffer zur Verfügung steht.
Vierwaldstättersee
Etwas weniger braun präsentiert sich die Landschaft rund um den Vierwaldstättersee. Zwar sind auch hier viele Wiesen und Felder vertrocknet, allerdings sorgten lokale Gewitter immer wieder für etwas Entlastung. Besonders an den bewaldeten Hanglagen rund um Rigi und Pilatus ist das satte Grün deshalb noch an einigen Stellen erhalten geblieben.
Neuenburger- und Murtensee
Die Region rund um Neuenburger- und Murtensee gehört zum sogenannten Drei-Seen-Land, einem der wichtigsten Gemüsebaugebiete der Schweiz. Auch hier zeigen sich deutlich hellere und braune Flecken zwischen den bewirtschafteten Parzellen. Die Jurarandregion gehört laut dem neusten Trockenheitsbulletin für die Schweiz zu den Regionen, die am meisten unter dem diesjährigen Bodenfeuchtedefizit leiden.
Interlaken BE
Rund um Interlaken im Berner Oberland ist die Trockenheit im Satellitenbilder-Vergleich auf den ersten Blick deutlich weniger spürbar als im Mittelland. Ein Grund dafür ist, dass Bergbäche und Flüsse aufgrund der aktuell starken Gletscherschmelze vergleichsweise hohe Wassermengen führen. Auch lokale Gewitter haben hier immer wieder für etwas Feuchtigkeit gesorgt. In den südlichen Hanglagen sind die Wiesen aber auch deutlich trockener und die Wälder lichter als im Vorjahr.
Grosser Aletschgletscher
Das Gebiet rund um den Aletschgletscher – von den Hängen bei Bettmeralp und Fiescheralp bis zum Eismeer selbst – zeigt im Satellitenvergleich eine der markantesten Veränderungen. Nach einem erneut schneearmen Winter liess die früh einsetzende Sommerhitze die schützende Schneedecke auf dem Gletscher bereits Ende Juni verschwinden, deutlich früher als im langjährigen Mittel. Sichtbar wird das auf den Bildern durch eine markant grössere Fläche aus dunklem, blankem Gletschereis anstelle von hellem Altschnee. Auch auf den umliegenden Berggipfeln liegt derzeit deutlich weniger Schnee als noch im Vorjahr.
Die komplette Schweiz
Das grossflächige Vergleichsbild stammt vom 24. Juli 2026, weil am 8. August 2026 keine flächendeckende, wolkenfreie Sentinel-2-Aufnahme der ganzen Schweiz vorlag. An der Kernaussage der Bilder ändert das wenig: Bereits Ende Juli zog sich ein braun-gelber Gürtel durch weite Teile des Landes – satte Wiesen und Felder aus dem Vorjahr sind nun vielerorts sichtbar vertrocknet, besonders im Mittelland und im Jura.
Schnelle Entlastung ist in den nächsten Tagen nicht in Sicht. Derzeit rollt eine weitere Hitzewelle auf die Schweiz zu. Erst am kommenden Wochenende könnte es nach aktuellen Modellberechnungen verbreitet etwas Niederschlag geben.
