Schweizer Landwirtschaft leidet unter Trockenheit: Diese Massnahmen ergreift der Bund
Wegen der weiterhin anhaltenden Hitze und auf absehbare Zeit fehlender Niederschläge gilt für die gesamte Schweiz die höchste Gefahrenstufe für Trockenheit. Betroffen sind davon auch die landwirtschaftlichen Betriebe. «Die Trockenheit trifft die Schweizer Landwirtschaft hart», sagt Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, an einem Medienanlass vom Freitag. Und weiter: «Immer mehr Landwirtschafts-, aber auch Alpwirtschafts-Betriebe sind von dieser Situation betroffen.»
Nun greift der Bund den Schweizer Bauern unter die Arme. «Im Amt haben wir uns auf diesen Sommer vorbereitet», hält Hofer fest. So wurden bereits Unterstützungen geleistet: Die Betriebe erhalten die vollen Direktzahlungen – selbst bei nicht vollständiger Erfüllung von Vorgaben. Weiter sind die Zölle für Heu-Importe auf den 1. August aufgehoben worden.
Zudem ist zur weiteren Linderung der Futtermittelknappheit eine Senkung der Einfuhrzölle auf Futtermais per 15. August 2026 in Vorbereitung, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Mittwoch auf seiner Homepage mitteilte. Betriebe, die wegen der Trockenheit in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, können zudem zur Überbrückung zinsfreie Betriebsdarlehen beantragen.
Was kostet das alles? «Diese Massnahmen sind budgetiert. Wir haben einen Fonds dafür», sagt Hofer. Es komme bisher also nicht zu Mehrausgaben durch den Bund.
Die konkreten Auswirkungen der Trockenheit
Auf vielen Betrieben werde das Futter knapp, und die Ernteerträge bei den Ackerkulturen fielen tiefer aus, schreibt das BLW. «Es muss bereits auf Futter der Winterfütterung zurückgegriffen oder zugekauft werden», sagt Hofer am Freitag. Auch die Situation auf den Alpen sei vielerorts angespannt, weil die Tiere zu wenig Weidefutter oder Wasser hätten.
Zürcher Bauern haben die Maisernte teilweise in die Nacht verlegt. Sie wollen damit die Qualität des Winterfutters für ihre Tiere sichern. Nach einer historisch schlechten Ernteprognose für Süddeutschland zeichnet sich auch in der Schweiz eine schwache Zuckerrübensaison ab. Trockenheit, Hitzewellen und Schädlinge setzten den Beständen zuletzt stark zu.
Rund 1100 Landwirtschaftsbetriebe haben bisher bei der Schweizer Hagel Schäden wegen Trockenheit angemeldet. Die Nachfrage nach entsprechenden Versicherungen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen.
Immerhin: Schweizer Winzerinnen und Winzer erwarten dafür ein gutes Weinjahr.
Helikopter und Notschlachtungen
Doch auch die Landwirtinnen und Landwirte selbst reagieren auf die Auswirkungen der Trockenheit. In der Schweiz sind im Juni und Juli in diesem Zusammenhang rund 15 Prozent mehr Rinder geschlachtet worden als im Vorjahreszeitraum. Bei Kühen betrug der Anstieg fast ein Drittel.
Weiter fliegt die Armee zwar weiterhin Einsätze in die Alpen, um diese per Helikopter mit Trinkwasser zu versorgen, die Landwirte haben sich aber selbst bereits gut auf solche Trockenheitsperioden vorbereitet.
«Sie [die Schweizer Armee, a.d.R.] fliegen auf Bestellung der Kantone. Trotz der ausserordentlichen Hitze waren dieses Jahr aber weniger Flüge notwendig als in früheren Hitzeperioden. Weil die Älpler aufgerüstet haben, indem sie Wasserspeicher oder neue Wasserversorgungen bauten», sagt der für Umweltfragen zuständige Bundesrat Albert Rösti in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger am Donnerstag.
Ihm macht der Klimawandel vor allem mit Blick auf die Landwirtschaft Sorgen: «Entscheidend ist, ob es uns gelingt, uns anzupassen.» (leo mit Material der sda)
