Schweiz
Konsum - Detailhandel

24-Stunden-Migros in Herisau wird am Sonntag überrannt

24-Stunden-Migros Herisau
Die Schlange vor den Kassen der Migros an der Alpsteinstrasse in Herisau erstreckte sich teilweise durch die halbe Filiale.Bild: Ramona Koller / ch media

«So viele Leute hatte es noch nie»: Erste 24-Stunden-Migros der Schweiz wird überrannt

Seit Donnerstagabend ist die Migros an der Alpsteinstrasse in Herisau rund um die Uhr geöffnet. Der Andrang am Sonntagnachmittag war gross. Leergekaufte Regale, eine Schlange, die durch den ganzen Laden reichte, und technische Herausforderungen prägten das Bild.
06.07.2026, 09:4906.07.2026, 09:49
Ramona Koller / ch media

Es ist Sonntagnachmittag, kurz nach halb vier. Vor der Migros an der Alpsteinstrasse in Herisau stehen Menschen Schlange. Hier kann seit Donnerstagabend rund um die Uhr eingekauft werden. Wer ausserhalb der bedienten Öffnungszeiten in die Filiale will, muss sich am neuen Zugangsterminal verifizieren.

Manche zücken routiniert ihr Smartphone, andere bleiben unsicher davor stehen. Eine Mitarbeiterin der Firma, die das System installiert hat, erklärt geduldig, wie der Zutritt funktioniert, während sich immer mehr Menschen in die Schlange stellen.

24-Stunden-Migros Herisau
Die Leute standen vor der Migros Schlange, um Zutritt zur Filiale zu erhalten.Bild: Ramona Koller / ch media

Dass der erste Sonntag nach der Umstellung einen solchen Ansturm bringen würde, damit hat offenbar niemand gerechnet. Die Regale wurden am Samstag nach dem bedienten Ladenschluss aufgefüllt. Am Sonntagnachmittag sind sie teilweise leer.

Die Schlange vor den beiden Self-Checkout-Kassen reicht durch die halbe Filiale. Was die Leute kaufen, ist ganz unterschiedlich. Vom einzelnen Produkt im Korb bis zum randvollen Einkaufswagen ist alles zu finden. Die Kundschaft ist bunt gemischt. Junge Erwachsene, Familien mit Kindern, Senioren.

Gelassene Stimmung trotz leerer Regale und blockierter Kassen

Eine 35-jährige Herisauerin, die anonym bleiben möchte, nutzt den Sonntag für eine kurze Auszeit vom Familienalltag. Eine Stunde Me-Time, während ihr Mann mit dem gemeinsamen Kind auf dem Spielplatz ist, wie sie sagt. Eigentlich sei sie nur zufällig vorbeigefahren. Nun wolle sie das neue Angebot ausprobieren.

Um die lange Schlange an den Kassen zu umgehen, wollte sie mit Subito-Go einkaufen, dem Self-Scanning-Angebot der Migros. Mit einem Scanner ging sie durch den Laden und scannte ihre Einkäufe. Blöd nur, dass sie an der Kasse für eine Stichprobenkontrolle ausgesucht wird. Die Kasse verlangt nach Personal und blockiert den Bezahlvorgang. Die Kundin ruft die Notfallnummer an. Sie wird gebeten, auf einen Mitarbeiter zu warten. Die 35-jährige Herisauerin nimmt es gelassen. Dass es nach einer solchen Umstellung zu Problemen kommen könne, sei klar. «Jede Modernisierung braucht ihre Zeit», sagt sie.

24-Stunden-Migros Herisau
Die Filiale war am Sonntag unbedient. Eine der beiden Self-Checkout-Kassen verlangte dennoch nach Personal.Bild: Ramona Koller / ch media

Auch eine der beiden Self-Checkout-Kassen ist blockiert – wieder wegen einer Stichprobenkontrolle: «Bitte wenden Sie sich an das Service-Personal». Bleibt also noch eine funktionierende Kasse. Mehrere Dutzend wartende Kunden und nur eine geöffnete Kasse: Da ist schlechte Stimmung garantiert. Würde man meinen. Die meisten nehmen die Wartezeiten mit Humor. Nur ein Mann zeigt sich verärgert. Er habe lediglich Bargeld dabei und fragt laut, ob denn niemand an einer Kasse arbeite. Doch bezahlen lässt sich ausserhalb der bedienten Öffnungszeiten nur mit Karte oder Twint. Schliesslich verlässt er den Laden wütend und ohne Einkauf.

Auch eine junge Mutter verlässt mit ihrem Partner die Migros-Filiale unverrichteter Dinge. Eigentlich wollten sie Zutaten für selbstgemachte Energy Balls kaufen. Die Schlange an der Kasse war ihr aber zu lang. Zudem haben sie die teilweise leeren Regale abgeschreckt. «Es sieht aus wie im Krieg», sagt sie.

24-Stunden-Migros Herisau
Besonders gefragt waren Gemüse, Früchte, Sandwichs und Süssigkeiten.Bild: Ramona Koller / ch media

«Da haben wir morgen ganz schön zu tun»

Eine Mitarbeiterin, die am Mittag privat in der Filiale einkaufte und wegen der vielen Kunden, die sie angetroffen hatte, am Nachmittag nach dem Rechten sehen wollte, staunt über das Gedränge und die leergekauften Regale. Viele der Gesichter habe sie noch nie gesehen. Und so viele Menschen in «ihrer» Migros erst recht nicht. Offenbar lockt die erste 24-Stunden-Migros der Ostschweiz nicht nur die Bevölkerung aus Herisau an, sondern auch zahlreiche Neugierige aus der Umgebung oder Touristen, die am Sonntagnachmittag aus dem Alpstein zurückkehren.

24-Stunden-Migros Herisau
Am Sonntagnachmittag um kurz vor 16 Uhr waren einige Produkte bereits ausverkauft.Bild: Ramona Koller / ch media

In der Zwischenzeit ist Filialleiter Rezon Ibraimi eingetroffen. Eine halbe Stunde nach dem Anruf der Kundin, die für eine Subito-Go-Stichprobenkontrolle ausgewählt wurde. Er hat an diesem Wochenende Pikettdienst. Es ist sein erster Einsatz. Innerhalb weniger Minuten behebt er das Problem. Anschliessend telefoniert er mit der Zentrale und schildert die Schwierigkeiten. Die IT arbeite bereits daran, die Abläufe weiter zu verbessern und die Stichprobenkontrollen ausserhalb der bedienten Öffnungszeiten auszuschalten, sagt er.

Auch Ibraimi ist überrascht, wie viele Menschen in der Filiale sind. «So viele Leute hatten wir hier noch nie», sagt er. Bereits am Samstag sei die Filiale sehr gut besucht gewesen, habe er gehört. Selbst in der Nacht auf Sonntag herrschte noch Betrieb. Wer gegen halb zwei Uhr morgens vorbeischaute, traf auf Kundinnen und Kunden. «Da haben wir morgen ganz schön zu tun. Am besten bestellen wir auch gleich mehr Self-Checkout-Kassen», sagt er zu seiner Mitarbeiterin.

Derweil piepsen die Scanner der Self-Checkout-Kassen ununterbrochen weiter. Draussen warten bereits die nächsten Kundinnen und Kunden auf den Zutritt. Der erste Sonntag im Dauerbetrieb zeigt vor allem eines: Das neue Angebot stösst auf weit grösseres Interesse, als selbst die Verantwortlichen erwartet haben. (schweizheute.ch)

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143 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Overton Window
06.07.2026 10:00registriert August 2022
"Es gibt doch gar keinen Bedarf für sowas, wer will schon am Sonntag einkaufen".
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Laborant
06.07.2026 11:24registriert November 2019
Etliche Geschäfte haben bereits am Sonntag geöffnet, etwa der Coop am Bahnhof Winterthur. Der ist jeweils proppenvoll.
Dass sowas laufen wird, ist jetzt wirklich kein Geheimnis.
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1 Stein
06.07.2026 10:54registriert November 2021
Natürlich wird das Angebot benutzt, sieht man ja jeden Sonntag um die Bahnhöfe. Fakt ist auch, dass die Leute auch vorher am Sonntag was gegessen haben, nun wird es kurzfristiger gekauft. D.h. unter dem Strich wird nicht mehr eingekauft, sondern einfach an anders verteilt. Nötig ist das nicht, aber für einige offenbar bequemer....
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