Schweiz
Konsum - Detailhandel

Denner und Caritas: Ablaufendes Fleisch wird eingefroren statt entsorgt

Ins Regal statt in die Biogasanlage: So will Denner nicht verkauftes Fleisch «retten»

Der Discounter spannt mit Caritas-Markt zusammen. Nun wird das Projekt gegen Food Waste national ausgerollt.
28.03.2024, 22:53
Florence Vuichard / ch media
Mehr «Schweiz»

Nicht alles, was ins Fleischregal kommt, wird auch verkauft. Immer wieder müssen Detailhändler Pouletfilets, Schweinesteaks oder Gehacktes entsorgen. Statt auf dem Teller landet es dann in der Biogasanlage. Das ist auch bei Denner der Fall. Jedenfalls bis jetzt. In Zukunft will der Discounter das nicht verkaufte Fleisch kostenlos an die Caritas-Märkte weitergeben.

Denner Fleisch reduziert Food Waste Foodwaste
Das tiefgekühlte Fleisch kostet beim Caritas-Markt 66 Prozent weniger.Bild: Denner

Denner geht davon aus, dass so jährlich rund 30 Tonnen Fleisch «gerettet» werden können, wie Firmensprecherin Grazia Grassi sagt. Neu wird unverkauftes und geprüftes Fleisch am Tag des Ablaufdatums in den Denner-Filialen eingefroren. So bleibt es für weitere 90 Tage geniessbar. Der Caritas-Markt holt das eingefrorene Fleisch mit seinen Kühlfahrzeugen auf seinen Wochentouren in den Denner-Filialen ab – und verkauft es dann in den eigenen Läden mit einem Rabatt von 66 Prozent.

Getestet wurde das Projekt in Zürich. In einer Pilotphase beteiligten sich 15 Denner-Filialen und der Zürcher Caritas-Markt. «Wir haben nun in unseren Filialen einen standardisierten, funktionierenden Prozess definiert», betont Grassi. «Das war wichtig.» Nun wird das Projekt auf die ganze Schweiz ausgerollt, bis Ende Jahr soll nicht verkauftes Fleisch aus 140 der insgesamt 570 Denner-Filialen tiefgefroren und weitergeben werden – allen voran in den Regionen Zürich, Luzern, Winterthur, St.Gallen und Bern sowie rund um Genf und Lausanne.

Etikette mit Spielregeln

Die «geretteten» Steaks und Plätzli werden alle mit dem Hinweis etikettiert, dass sie innert 90 Tagen konsumiert werden müssen – und nach dem Auftauen innerhalb von 24 Stunden. Das Tiefkühlfleisch sei gefragt, sagt Thomas Künzler, Chef der 23 Caritas-Märkte. Das habe das Pilotprojekt gezeigt. Das Fleisch sei jeweils innert zweier Tagen ausverkauft gewesen – von Filet über Wurstwaren zu Gehacktem. «So können sich Menschen Fleisch leisten, deren Budget das sonst nicht zulässt.»

Nebst dem sozialen Aspekt, den auch Denner-Sprecherin Grassi betont, leistet das Projekt einen Beitrag gegen Food Waste. Denner und Caritas beweisen, dass Wirtschaft und nicht gewinnorientierte Organisationen manchmal schneller sind als die Politik.

Vor knapp zwei Jahren hat die frühere grüne Nationalrätin Meret Schneider eine Motion eingereicht, mit der sie ein Verbot für die Vernichtung von Fleischwaren im Detailhandel fordert. Der Bundesrat wiederum wollte nichts davon wissen, verwies aber auf seinen Aktionsplan gegen Food Waste. Mit diesem soll die «Menge an vermeidbaren Lebensmittelverlusten in der Schweiz bis 2030» im Vergleich zu 2017 halbiert werden. Dabei setzt der Bundesrat vorerst auf «eigenverantwortliche Massnahmen».

Bis 2025 will der Bundesrat nach eigenen Angaben prüfen, «ob die Massnahmen und Instrumente zur Erreichung der Ziele des Aktionsplans ausreichen und wenn nötig weitere Massnahmen ergreifen». Caritas-Markt-Chef Künzler weiss von runden Tischen zu berichten und vielen Diskussionen. «Wir haben jetzt gehandelt – und unsere Kundinnen und Kunden freut es.» Denn Denner ist der erste Detailhändler überhaupt, der den Caritas-Märkten Fleisch weitergibt.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese 10 Probleme kennen wir alle beim Einkaufen
1 / 15
Diese 10 Probleme kennen wir alle beim Einkaufen
Was du einkaufen möchtest.
quelle: watson
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kleiderausgabe in Zürich
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
84 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Miss Anthrop
28.03.2024 23:21registriert Juni 2018
Super Sache! Und eigentlich unglaublich, dass erst jetzt passiert, was so viele bereits gefordert haben.
Die Mengen an weggeworfenen Lebensmitteln insbesondere Fleisch ist doch eine Perversion.
1895
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pat the Rat (das Original)
28.03.2024 23:45registriert Februar 2017
Ein Rudel fette Daumen hoch für Denner und Caritas, für diese Initiative!
👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍
1638
Melden
Zum Kommentar
avatar
KleinMü
28.03.2024 23:31registriert Mai 2022
Bravo Denner/Migros.
Ich mag eure Erdbeeren-Werbung überhaupt nicht! Doch mit dieser Entscheidung steigt ihr ein trotzdem Pünktli auf meiner Sympathie-Liste.
958
Melden
Zum Kommentar
84
Stress-Experte: Wer diese Faustregeln beachtet, kann ein Burnout verhindern

Volkskrankheit Burnout. Jede sechste erwachsene Person in der Schweiz hat bereits eines erleben müssen. Über 30 Prozent der erwerbstätigen Personen fühlen sich emotional erschöpft. Dies laut dem Job-Stress-Index der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz, der Universität Bern und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Zur Story