«Betrug an den Kunden»: Grosshändler etikettiert abgelaufenes Fleisch um
In einer Filiale von Top CC ist es zu Mängeln beim Fleischverkauf gekommen. Das berichtet das SRF unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Grosshändlers. Betroffen sei die Filiale in Muri bei Bern.
Der Chefmetzger und dessen Stellvertreter sollen die Mitarbeitenden laut dem Insider dazu angewiesen haben, das Verbrauchsdatum auf der Verpackung des Fleischs zu verkratzen und mit einem neuen Datum zu überkleben.
Sowohl Frischfleisch als auch Salami oder Rohschinken seien betroffen gewesen. «Aus meiner Sicht ist es Betrug an den Kundinnen und Kunden», sagt der Mitarbeiter gegenüber SRF.
Whistleblower wurde entlassen
Daraufhin kaufte «Kassensturz» in der betroffenen Top-CC-Filiale Fleisch ein. Gemäss SRF bestätigte sich, dass die Etiketten bei mehreren Fleischverpackungen mit neuen Etiketten überklebt wurden. Das ursprüngliche Verbrauchsdatum soll verkratzt worden sein.
Der Insider habe sich zuvor an den Chefmetzger der Filiale gewandt und dessen Anweisungen kritisiert – ohne Erfolg. Anschliessend habe er sich an den «Kassensturz» gewandt und danach die Firmenführung informiert. Die Meldung habe zu einer Kontrolle geführt, bei der Verstösse festgestellt worden seien. Dies sagt der Insider gegenüber SRF. Nach seinen Angaben wurde sichergestelltes Fleisch trotz der Anweisung von Top CC, es zu vernichten, weiterhin verkauft.
Der Whistleblower wurde gemäss SRF entlassen. Top CC habe die Kündigung damit begründet, dass er die internen Vorgaben nicht eingehalten habe, da er sich zuerst an die Medien statt an die Firmenführung gewandt habe.
Grosshändler äussert sich
«Es gab am Top-CC-Standort in Muri bei Bern Verletzungen unserer internen Vorgaben und Qualitätsstandards», die «nicht akzeptabel» seien, räumt das Unternehmen gegenüber dem SRF ein. Top CC betone, dass die festgestellten Missstände «umgehend behoben» sowie die betroffenen Produkte «entsorgt» worden seien. Zudem handle es sich «um einen isolierten Einzelfall am Standort Muri». Der verantwortliche Chefmetzger der Filiale wurde offenbar fristlos entlassen.
Nach Informationen von «Kassensturz» führte auch die kantonale Aufsichtsbehörde eine Kontrolle durch. Das kantonale Laboratorium äusserte sich dazu jedoch nicht und verwies auf die geltende Schweigepflicht. (hkl)
