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Hitzewellen: Klimageräte sind nicht die Lösung, sagen Energie-Experten

Klimaanlagen: Monoblock und Splitgeräte.
Einigermassen günstig und schnell eingerichtet, erfreuen sich mobile Klimaanlagen aktuell grosser Beliebtheit. Bild: Shutterstock

Experten plädieren für Alternativen zu Klimageräten im Kampf gegen die Hitze

Mobile Klimageräte werden gerade zu Tausenden verkauft. Energieexperten kritisieren dies und empfehlen stattdessen deutlich effizientere Alternativen wie Verdunstungskühler, Deckenventilatoren oder reversible Wärmepumpen.
07.07.2026, 11:4507.07.2026, 12:01

Für Physiker Pierre Hollmuller, Leiter der Forschungsgruppe Energiesysteme an der Universität Genf, sind mobile Klimageräte keine ideale Antwort auf die zunehmenden Hitzewellen. Gegenüber der Nachrichtenagentur AWP sagt der Experte: «Diese Geräte arbeiten relativ ineffizient, weil der Abluftschlauch durch ein gekipptes Fenster geführt werden muss. Dadurch gelangt warme Aussenluft in den Raum und macht einen grossen Teil der Kühlleistung zunichte.»

Zudem gäben die Geräte warme Luft nach draussen ab und würden so zur Bildung städtischer Hitzeinseln beitragen, so Pierre Hollmuller. Auch ihr Stromverbrauch sei vergleichsweise hoch. «Die Frage ist, ob wir den zusätzlichen Solarstrom ausschliesslich für die Klimatisierung nutzen wollen oder auch für andere Anwendungen wie grünen Wasserstoff oder das Laden von Elektrofahrzeugen. Im zweiten Fall müsste der Stromverbrauch für Kühlzwecke begrenzt werden.»

Verdunstung statt Kompressor

Besonders grosses Potenzial sieht der Wissenschaftler in der Verdunstungskühlung. Diese Technik benötige fünf- bis zehnmal weniger Strom als herkömmliche Klimageräte, da sie weder Kompressor noch Kältemittel einsetze. Dabei wird warme Raumluft durch einen mit Wasser getränkten Filter geleitet und durch die Verdunstung abgekühlt.

Auch Deckenventilatoren seien eine einfache und energieeffiziente Lösung. Sie kühlten zwar nicht die Luft selbst, beschleunigten aber die Verdunstung des Schweissfilms auf der Haut und sorgten so für eine natürliche Abkühlung. Zudem plädiert Hollmuller dafür, klassische Heizkörper häufiger durch Gebläsekonvektoren zu ersetzen. Diese können mit einer Kaltwasserquelle verbunden werden und Gebäude sowohl heizen als auch kühlen.

Eine bessere Lösung sind nach Ansicht von Experten reversible Wärmepumpen. Diese Systeme entziehen dem Erdreich im Winter Wärme und leiten im Sommer überschüssige Wärme aus Gebäuden wieder in den Boden zurück. Dadurch entstehe ein «positiver Kreislauf», sagt Jérôme Faessler, Direktor des Branchenverbands Geothermie Schweiz. Die im Sommer gespeicherte Wärme gleiche die im Winter entzogene Energie aus.

«Wir stehen erst am Anfang eines Bewusstseinswandels»

«Diese Wärmepumpen erzeugen im Sommer keine Kälte, sondern verlagern die Wärme über Erdsonden in tiefere Bodenschichten. Dadurch entstehen auch keine städtischen Hitzeinseln», sagte Faessler. Die Investitionskosten beginnen für ein Einfamilienhaus zwar bei rund 25'000 Franken. Dennoch steige die Nachfrage, auch dank kantonaler Förderprogramme.

Reversible Wärmepumpen seien eine langfristig intelligente Lösung, um Gebäude im Sommer mit wenig Stromverbrauch zu kühlen. Nach Angaben des Bundesamts für Statistik waren 2024 bereits mehr als 23 Prozent der Wohngebäude in der Schweiz mit einer Wärmepumpe ausgestattet – fünfmal so viele wie im Jahr 2000.

«Beim Thema Hitze stehen wir erst am Anfang eines Bewusstseinswandels. Wir müssen handeln», sagte Faessler. Dabei gibt er sich optimistisch: «Unsere lokalen Ressourcen ermöglichen nachhaltige Kühlsysteme.» (jul/sda/awp)

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248 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Squawk 7700
07.07.2026 12:21registriert Mai 2025
Was sind das für Experten, die Verdunstungskühler empfehlen? Haben die den Kassensturztest nicht gesehen? Ausser dass sie Strom brauen, machen sie gar nichts. Der beste im Test hat die Luft im Raum gerade mal um 1,3 Grad gekühlt, dabei aber viel Luftfeuchtigkeit erzeugt, was das Temperaturgefühl gleich zunichte macht und höchstens den Schimmel freut.
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jackjack
07.07.2026 12:17registriert Januar 2022
Ich bin während meiner Lehrzeit in einem Schulhaus zur Schule gegangen, in dem es „alternative Kühlmethoden“ gab. Die sind in etwa genauso wirksam wie „alternative Heilmittel“. Lasst die Finger von so einem Quatsch. Ich bin zwar auch dafür, so energiesparend wie möglich zu unterwegs zu sein. Mit einer Solaranlage auf dem Dach ist der Energieverbrauch genau während solcher Sonnentage aber eigentlich kein Thema mehr.
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Xicotencatl Axayacatl
07.07.2026 12:26registriert August 2024
Hab bei "Verdunstungskühlung" aufgehört zu lesen. Was für ein Blödsinn! Die bringt nur kurzfristig etwas und immer vorausgesetzt, die Luft ist einigermassen trocken. Nach kurzer Zeit wird es Tüppig. Je feuchter die Luft, desto weniger funktioniert das und desto weniger können wir uns durch Schwitzen selbst kühlen. Im Elfenbeinturm gelten vielleicht andere Gesetze, aber in meinem Haus heisst die bisher beste Lösung "Klimaanlage" (Split, es gibt aber auch Modelle mit 2 Luftschläuchen), kombiniert mit einer guten Aussendämmung.
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