Schweiz
Leben

Finanzen: Schweizer Medianlohn lag 2022 bei 6788 Franken

Wer am Ende des Monats wie viel im Portemonnaie hat, kann sehr unterschiedlich ausfallen.
Wer am Ende des Monats wie viel im Portemonnaie hat, kann sehr unterschiedlich ausfallen.Bild: Shutterstock

Schweizer Medianlohn liegt bei 6788 Franken – Geschlechterunterschiede nehmen weiter ab

19.03.2024, 10:4919.03.2024, 15:42
Mehr «Schweiz»

Im Jahr 2022 belief sich der monatliche Bruttomedianlohn für eine Vollzeitstelle (privater und öffentlicher Sektor zusammen) in der Schweiz auf 6788 Franken pro Monat. Die Hälfte der Bevölkerung verdiente also mehr, die andere Hälfte weniger. Dies geht aus den ersten Ergebnissen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2022 des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

Die 10 Prozent der Arbeitnehmenden mit den tiefsten Löhnen verdienten weniger als 4487 Franken pro Monat, während die am besten bezahlten 10 Prozent über 12'178 Franken erhielten. Damit steigen die Löhne trotz Teuerung nur sanft: Im Jahr 2020 betrug der Medianlohn noch 123 Franken weniger.

Die allgemeine Lohnschere, also der Gesamtabstand zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen, hat sich zwischen 2008 und 2022 in der Gesamtwirtschaft kaum verändert. In diesem Zeitraum stiegen die Löhne der am besten bezahlten 10 Prozent der Arbeitnehmenden um 13,5 Prozent. In der Mittelschicht fiel das Lohnwachstum mit 11,5 Prozent am tiefsten aus, bei den am schlechtesten bezahlten 10 Prozent der Arbeitnehmenden erhöhten sich die Löhne um 14,3 Prozent.

Standardisierter monatlicher Bruttolohn
Um den Vergleich zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten zu ermöglichen, werden die erhobenen Beträge auf standardisierte Monatslöhne umgerechnet, d. h. auf eine einheitliche Arbeitszeit von 4 1/3 Wochen zu 40 Stunden. Bruttolohnkomponenten: Bruttolohn im Monat Oktober (inkl. Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherung, Naturalleistungen, regelmässig ausbezahlte Prämien- , Umsatz- oder Provisionsanteile), Entschädigung für Schicht-, Nacht- und Sonntagsarbeit, 1/12 des 13. Monatslohns sowie 1/12 der jährlichen Sonderzahlungen (oder Boni). Nicht berücksichtigt werden die Familien- und Kinderzulagen.

Grosse Lohnunterschiede je nach Branche

Je nach Wirtschaftszweig waren 2022 auf dem Schweizer Arbeitsmarkt grosse Lohnunterschiede zu beobachten. Deutlich über dem Medianlohn (6788 Franken brutto pro Monat) lagen die Löhne in Branchen mit hoher Wertschöpfung wie in der Informationstechnologie (9412 Franken), der Pharmaindustrie (10'296 Franken), bei Banken (10'491 Franken) oder in der Tabakindustrie (13'299 Franken).

In der Mitte der Lohnskala fanden sich Branchen wie das Baugewerbe (6410 Franken), die Luftfahrt (6980 Franken), die Maschinenindustrie (7245 Franken) und der Grosshandel (7414 Franken). Zuunterst in der Lohnpyramide waren der Detailhandel (5095 Franken), das Gastgewerbe (4601 Franken), die Beherbergung (4572 Franken) und die persönlichen Dienstleistungen (4384 Franken) angesiedelt.

Die Lohnhierarchie wird weitgehend vom Ausbildungsniveau bestimmt. Mit einem universitären Abschluss erhielten Arbeitnehmende pro Monat für eine Vollzeitstelle 10'210 Franken, mit einem Fachhochschulabschluss 9000 Franken und mit einem EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) 6190 Franken. Allerdings sind bei der effektiven Entlöhnung die Art der Funktion und die ausgeübte Tätigkeit im Unternehmen ausschlaggebend.

Eine Person mit Universitätsabschluss verdiente in einer Stelle mit einem hohen Mass an Verantwortung 13'883 Franken, während sie in einer Stelle ohne Verantwortung 8481 Franken erhielt. Analog dazu belief sich der Lohn für eine Person mit EFZ in einer Stelle mit einem hohen Mass an Verantwortung auf 8106 Franken und in einer Stelle ohne Verantwortung auf 5970 Franken.

Geschlechterunterschiede nehmen ab

Die Unterschiede beim Medianlohn zwischen Männern und Frauen nehmen weiter ab. Im Jahr 2022 lag das Gefälle bei 9,5 Prozent. Das sind gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zwei Prozentpunkte weniger als vier Jahre zuvor.

Die geschlechterspezifischen Lohndifferenzen liessen sich teilweise durch das unterschiedliche Bildungsniveau oder das Verantwortungsniveau am Arbeitsplatz erklären, hiess es in einer Mitteilung vom Dienstag. Generell widerspiegelten die Lohnunterschiede die unterschiedliche berufliche Integration der Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt.

Je höher die Hierarchiestufe der Stelle, desto grösser fällt der geschlechterspezifische Lohnunterschied aus, wie der neusten Schweizerischen Lohnstrukturerhebung weiter zu entnehmen ist. So verdienten im Jahr 2022 Frauen in Stellen mit hohem Verantwortungsniveau 9565 Franken brutto pro Monat, während Männer auf derselben Stufe 11'212 Franken erhielten, was einer Differenz von 14,7 Prozent entspricht. Auch dieser Wert hat abgenommen.

Je nach Aufenthaltsstatus variieren die Löhne stark

Bei den Arbeitsstellen, die ein hohes Mass an Verantwortung erfordern, fiel der Lohn der ausländischen Arbeitnehmenden insgesamt höher aus als jener der Schweizer Arbeitnehmenden. So verdienten beispielsweise Grenzgängerinnen und Grenzgänger (G-Ausweis) 10'707 Franken, Personen mit Niederlassungsbewilligung (C-Ausweis) 11'495 Franken und Personen mit Aufenthaltsbewilligung (B-Ausweis) 12'791 Franken, während sich der Lohn der Schweizer Arbeitnehmenden mit hohem Verantwortungsniveau auf 10'476 Franken belief.

Bei den Stellen ohne Führungsverantwortung war die Situation umgekehrt: Mit 6496 Franken war der Lohn von Schweizer Arbeitnehmenden ohne Kaderfunktion höher als jener von ausländischen Arbeitnehmenden, sowohl als jener mit B-Ausweis (5300 Franken) und C-Ausweis (5787 Franken) als auch als jener mit G-Ausweis (5859 Franken).

Wert der Boni ist 2022 gestiegen

2022 erhielt ein Drittel (33,6 Prozent gegenüber 36,3 Prozent im Jahr 2020) der Arbeitnehmenden einen Bonus, das heisst eine unregelmässige, zusätzlich zum Grundlohn ausbezahlte jährliche Sonderzahlung. Der Wert der ausbezahlten Jahresboni stieg 2022 im Durchschnitt auf 11'670 Franken (gegenüber 10'142 Franken im Jahr 2020).

Die Höhe der Boni variierte je nach Wirtschaftszweig und Verantwortungsniveau im Unternehmen deutlich. Dem oberen Kader wurden in der öffentlichen Verwaltung durchschnittlich 4792 Franken, im Detailhandel 22'111 Franken, in der Maschinenindustrie 47'097 Franken, im Grosshandel 96'416 Franken, bei den Banken 146'100 Franken und in der Tabakindustrie 293'830 Franken ausbezahlt. Personen ohne Führungsverantwortung erhielten ebenfalls Boni. Diese fielen jedoch mit durchschnittlich 4870 Franken pro Jahr deutlich tiefer aus.

Zürich an der Spitze, Tessin als Schlusslicht

Die Schweizer Monatslöhne variieren auch zwischen den Regionen deutlich. Die Bruttomedianlöhne für die oberen Kader sind in der Region Zürich (11'758 Franken), in der Genferseeregion (11'111 Franken) und in der Region Nordwestschweiz (10'715 Franken) regelmässig am höchsten. Das Tessin liegt mit 8755 Franken für Stellen im oberen Kader und 5184 Franken für Stellen ohne Führungsfunktion unabhängig von der Hierarchiestufe am unteren Ende der Lohnskala. Diese regionalen Lohnunterschiede lassen sich teilweise durch die räumliche Konzentration von Wirtschaftszweigen mit hoher Wertschöpfung und durch strukturelle Besonderheiten der regionalen Arbeitsmärkte erklären. (pre/sda)

Anteil der Tieflohnstellen bleibt unverändert

2022 entsprach eine Tieflohnstelle einer Vollzeitstelle mit einem monatlichen Bruttolohn von weniger als 4525 Franken. Die Zahl der Tieflohnstellen blieb in der Schweiz zwischen 2020 und 2022 unverändert bei 10,5 Prozent. Folgende Wirtschaftszweige verzeichnen einen hohen Anteil an Tieflohnstellen: Luftfahrt (18,9 Prozent), Audiovisuelle Medien (19,9 Prozent), Detailhandel (23,3 Prozent), Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln (25,9 Prozent), Gastronomie (46,3 Prozent), Beherbergung (47,5 Prozent) und Persönliche Dienstleistungen (54,4 Prozent). Im Jahr 2022 besetzte mehr als eine halbe Million Arbeitnehmende (566'100 bzw. 12,1 Prozent) eine Tieflohnstelle (2020: 491'900 bzw. 12,0 Prozent). 62,1 Prozent davon waren Frauen. (pre)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Alle Schweizer Banknoten seit 1907
1 / 54
Alle Schweizer Banknoten seit 1907
Die neue 100er-Note.
quelle: keystone / laurent gillieron
Auf Facebook teilenAuf X teilen
TikTok-Account veröffentlicht Schweizer Lohnabrechnungen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
151 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
c-bra
19.03.2024 09:42registriert April 2016
Bei diesen Lohn Statistiken frage ich mich immer, ob mit 12, oder 13 Monatslöhnen gerechnet wird und warum man nicht einfach den Jahreslohn angeben kann. Gleich noch mit einem allfälligen Bonus mit drin.
14313
Melden
Zum Kommentar
avatar
Brasser
19.03.2024 10:13registriert Juli 2015
Warum wird immer dieses ominöse fehlende oder eben nicht fehlende 13. Gehalt diskutiert? Arbeitgeber rechnen immer mit dem Jahresbruttogehalt, die Auszahlung in 12 oder 13 Raten ist dann ein rein technischer Vorgang, hat aber auf die Gehaltshöhe keinerlei Einfluss.
1213
Melden
Zum Kommentar
avatar
Snowy
19.03.2024 11:00registriert April 2016
Alles in bester Ordnung also könnte man meinen?

Nein, die Vermögensungleichhheit (und das ist das was zählt), nimmt auch in der Schweiz rasant zu.

Schweizweit stieg der Gini-Koeffizient von 0,794 im Jahr 2010 auf 0,817 im Jahr 2018 und 0.821 im 2020.

In den USA herrscht bereits heute die gleiche Vermögensschere wie in Frankreich zu Zeiten vor der franz. Revolution.

Ich weiss, ich wiederhole mich, aber das Thema ist verd***** wichtig:

Wir müssen unterscheiden zwischen Reichen und Ultrareichen.
Millionäre sind (meist) ein Gewinn für Wirtschaft und Gesellschaft - Milliardäre schaden ihr!
11112
Melden
Zum Kommentar
151
Erneuter Prämienschock: «Die Nachricht zeigt, dass der Wahnsinn einfach weitergeht»
Die Nachricht platzt mitten in den Abstimmungskampf um die Prämien-Entlastungs-Initiative: Die Krankenkassenprämien steigen auch 2025 – um durchschnittlich 6 Prozent. SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen sieht ihr Bestreben bestätigt, SVP-Nationalrätin Martina Bircher warnt vor dem «sozialpolitisch schlimmsten Jahr».

Alle Jahre wieder.

Zur Story