Was ein Easyjet-Verkauf für Euro-Airport Basel bedeuten könnte
Wird Easyjet verkauft?
Vieles spricht dafür. Es besteht ein Übernahmeangebot von Apollo Global Management. Das Private-Equity-Unternehmen aus New York bietet 5,7 Milliarden Pfund (6,2 Milliarden Franken). Das entspricht 7,15 Pfund pro Easyjet-Aktie. Zuvor hatte Castlelake, ebenfalls aus den USA, Kaufangebote gemacht. Bis am Freitag, 7. August, muss Apollo ein verbindliches Angebot vorlegen.
Wie reagiert die Airline?
Positiv. Der Verwaltungsrat der Billigfluggesellschaft gab bei der letzten Offerte von Castlelake bekannt, er stimme ihr «im Grundsatz» zu. Als Apollo mit einem höheren Angebot nachzog, liess der Verwaltungsrat verlauten, er sei «geneigt, den Aktionären das potenzielle Barangebot zu empfehlen», wie der «Guardian» schreibt.
Was könnte ein Verkauf von Easyjet für Basel bedeuten?
Easyjet betreibt am Euro-Airport (EAP) eine Basis mit rund 500 Mitarbeitenden und zwölf Flugzeugen mit Schweizerkreuz am Rumpf. Doch dahinter steckt Easyjet Switzerland, ein Tochterunternehmen mit Sitz in Genf. An Easyjet Switzerland hält Easyjet «nur» 49 Prozent der Aktien, die anderen Anteile befinden sich im Besitz von Personen oder Unternehmen aus der Schweiz. Das ist eine Vorgabe des Gesetzgebers: Damit eine Airline als Schweizer Fluggesellschaft zugelassen wird, muss sie sich mehrheitlich im Eigentum und unter tatsächlicher Kontrolle von Schweizer Bürgern befinden.
Trotzdem könnte Easyjet Switzerland kaum alleine weiterfliegen. Operativ ist die Airline eng in den Konzern eingebunden – trotz der besonderen Eigentümerstruktur, die den regulatorischen Vorgaben geschuldet ist. Und als Kundin oder Kunde kann man auch nicht wählen, bei welcher der drei «Easyjets» man bucht. Es gibt auch eine EU-Tochter, Easyjet Europe, mit Sitz in Wien. Diese Gesellschaft wurde 2017 gegründet, infolge des Brexits.
Droht ein zweites Crossair-Szenario?
Crossair stellte infolge des Swissair-Groundings 2001 den Flugbetrieb ab Basel-Mulhouse schrittweise ein. Die Fluggastzahlen brachen stark ein. Doch die Situation ist nicht dieselbe. Crossair prägte den Flughafen in bedeutend stärkerem Mass. So wurde etwa das 2001 eingeweihte Y-Dock nach den Anforderungen der Basler Airline geplant.
Zwar erreicht Easyjet am EAP einen Marktanteil von etwas über 50 Prozent und bietet gegen 80 Verbindungen an. Doch die Abhängigkeit des Flughafens gegenüber dem Platzhirsch ist tiefer als seinerzeit gegenüber der Crossair. Zudem würden im Fall eines Rückzugs von Easyjet aus Basel-Mulhouse andere Airlines die Lücke wohl rasch füllen – so, wie es Easyjet nach dem Verschwinden von Crossair tat. Als Airline, die Easyjet beerben könnte, wird in der Branche unter anderem deren Rivalin Wizzair genannt.
Was sagen Experten zu einem möglichen Aus für Easyjet Switzerland?
«Die Schweizer Tochter von Easyjet ist extrem interessant, weil sie sehr profitabel ist», sagt Thomas Jaeger. Er ist Gründer und VR-Präsident von ch-aviation, einem Unternehmen, das Flugdaten und Luftfahrtnachrichten anbietet. Generell hält Jaeger Befürchtungen, Easyjet könnte nach einem Verkauf rasch zerschlagen werden, für unbegründet. Analysten – darunter Bernstein – hielten es zeitweise für möglich, dass ein Finanzinvestor das Tafelsilber wie Flugzeuge oder Slots veräussern könnte.
Inzwischen beurteilen viele Branchenkenner das Risiko einer Zerschlagung jedoch deutlich geringer. «Dass Easyjet ‹abgewürgt› wird – egal ob nur eine Abteilung oder als Gesamtes – ist bei den aktuellen Marktverhältnissen kaum denkbar», sagt Rolf Keller vom Basler Aviatik-Portal bsl-mlh-planes.net. «Immerhin beförderte Easyjet im Geschäftsjahr 2025 etwa 93 Millionen Passagiere. Der Bedarf ist offenbar da, und ein Ersatz kann nicht von Null auf Nichts gefunden werden.» Unbestritten ist hingegen: Die Bieter rechnen damit, das Unternehmen nach einer Restrukturierung gewinnbringend weiterverkaufen zu können.
Warum hat Easyjet überhaupt eine Schweizer Tochter-Airline?
Das hat damit zu tun, dass sich die Verkehrsrechte einer Fluggesellschaft nach den Luftverkehrsabkommen ihres Heimatstaates richten. Ohne entsprechende Abkommen dürfen Airlines nicht beliebig Flüge zwischen Drittstaaten anbieten. Mit ihren Töchtern in der EU und in der Schweiz ist die Gruppe regulatorisch breiter abgestützt und kann reagieren, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Easyjet Switzerland liess 2025 einen Airbus auf «Basel» taufen und betont ihre Basler Wurzeln. Vorgängerin ist die TEA Switzerland mit Sitz in Basel. Easyjet beteiligte sich 1998 an der Charter-Fluggesellschaft mit zunächst 40 Prozent, benannte sie später um und verlegte den Sitz nach Genf.
Was sind die Reaktionen von Easyjet Switzerland und des EAP?
Easyjet Switzerland sagt: nichts. Eine Anfrage dieser Zeitung blieb unbeantwortet. Der EAP wiederum gibt sich wortkarg: «Zu hypothetischen Szenarien können wir keine Stellung nehmen.» Kurzfristig gebe es keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Das ist korrekt. Easyjet Switzerland plant, das Angebot ab dem Sommerflugplan am EAP auszubauen. So ist der Einsatz von drei Airbus A321, dem grösseren Geschwister des A320, vorgesehen. Und Flüge sind auf der Easyjet-Webseite bis September 2027 buchbar.

