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Was ein Easyjet-Verkauf für den Euro-Airport Basel bedeuten könnte

HANDOUT - Eine Maschine der Airline EasyJet beim Start, am 13. April 2015. Der britische Billigflieger Easyjet will seinen Hoehenflug am Flughafen Basel-Muelhausen fortsetzen: Fuer das laufende Jahr s ...
Eine Easyjet-Maschine beim Start am Flughafen Basel-Mülhausen.Bild: EASYJET

Was ein Easyjet-Verkauf für Euro-Airport Basel bedeuten könnte

US-Investoren wollen Easyjet kaufen. Das weckt in Basel Erinnerungen an das Fiasko Anfang der 2000er-Jahre. Denn schon einmal verlor der Euro-Airport mit der Crossair seinen Home Carrier. Doch diesmal sind die Vorzeichen anders.
05.08.2026, 11:1305.08.2026, 11:13
Benjamin Wieland
Benjamin Wieland

Wird Easyjet verkauft?

Vieles spricht dafür. Es besteht ein Übernahmeangebot von Apollo Global Management. Das Private-Equity-Unternehmen aus New York bietet 5,7 Milliarden Pfund (6,2 Milliarden Franken). Das entspricht 7,15 Pfund pro Easyjet-Aktie. Zuvor hatte Castlelake, ebenfalls aus den USA, Kaufangebote gemacht. Bis am Freitag, 7. August, muss Apollo ein verbindliches Angebot vorlegen.

Wie reagiert die Airline?

Positiv. Der Verwaltungsrat der Billigfluggesellschaft gab bei der letzten Offerte von Castlelake bekannt, er stimme ihr «im Grundsatz» zu. Als Apollo mit einem höheren Angebot nachzog, liess der Verwaltungsrat verlauten, er sei «geneigt, den Aktionären das potenzielle Barangebot zu empfehlen», wie der «Guardian» schreibt.

epa13105272 An Airbus A320 commercial airplane of EasyJet is seen after landing at Geneva Airport, Switzerland, 11 July 2026. A bidding war for Europe's low-cost carrier, easyJet, has been ongoin ...
Der Easyjet-Verkauf scheint beschlossene Sache zu sein.Bild: keystone

Was könnte ein Verkauf von Easyjet für Basel bedeuten?

Easyjet betreibt am Euro-Airport (EAP) eine Basis mit rund 500 Mitarbeitenden und zwölf Flugzeugen mit Schweizerkreuz am Rumpf. Doch dahinter steckt Easyjet Switzerland, ein Tochterunternehmen mit Sitz in Genf. An Easyjet Switzerland hält Easyjet «nur» 49 Prozent der Aktien, die anderen Anteile befinden sich im Besitz von Personen oder Unternehmen aus der Schweiz. Das ist eine Vorgabe des Gesetzgebers: Damit eine Airline als Schweizer Fluggesellschaft zugelassen wird, muss sie sich mehrheitlich im Eigentum und unter tatsächlicher Kontrolle von Schweizer Bürgern befinden.

Trotzdem könnte Easyjet Switzerland kaum alleine weiterfliegen. Operativ ist die Airline eng in den Konzern eingebunden – trotz der besonderen Eigentümerstruktur, die den regulatorischen Vorgaben geschuldet ist. Und als Kundin oder Kunde kann man auch nicht wählen, bei welcher der drei «Easyjets» man bucht. Es gibt auch eine EU-Tochter, Easyjet Europe, mit Sitz in Wien. Diese Gesellschaft wurde 2017 gegründet, infolge des Brexits.

Droht ein zweites Crossair-Szenario?

Crossair stellte infolge des Swissair-Groundings 2001 den Flugbetrieb ab Basel-Mulhouse schrittweise ein. Die Fluggastzahlen brachen stark ein. Doch die Situation ist nicht dieselbe. Crossair prägte den Flughafen in bedeutend stärkerem Mass. So wurde etwa das 2001 eingeweihte Y-Dock nach den Anforderungen der Basler Airline geplant.

Zwar erreicht Easyjet am EAP einen Marktanteil von etwas über 50 Prozent und bietet gegen 80 Verbindungen an. Doch die Abhängigkeit des Flughafens gegenüber dem Platzhirsch ist tiefer als seinerzeit gegenüber der Crossair. Zudem würden im Fall eines Rückzugs von Easyjet aus Basel-Mulhouse andere Airlines die Lücke wohl rasch füllen – so, wie es Easyjet nach dem Verschwinden von Crossair tat. Als Airline, die Easyjet beerben könnte, wird in der Branche unter anderem deren Rivalin Wizzair genannt.

Zwei Flugzeuge der Fluggesellschaft Crossair - im Vordergrund ein Jumbolino - wurden am 4. Oktober 2001 auf dem Flughafen EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg aufgenommen. Die Crossair fliegt mit einer ...
2002 wurde aus der Crossair die Swiss.Bild: KEYSTONE

Was sagen Experten zu einem möglichen Aus für Easyjet Switzerland?

«Die Schweizer Tochter von Easyjet ist extrem interessant, weil sie sehr profitabel ist», sagt Thomas Jaeger. Er ist Gründer und VR-Präsident von ch-aviation, einem Unternehmen, das Flugdaten und Luftfahrtnachrichten anbietet. Generell hält Jaeger Befürchtungen, Easyjet könnte nach einem Verkauf rasch zerschlagen werden, für unbegründet. Analysten – darunter Bernstein – hielten es zeitweise für möglich, dass ein Finanzinvestor das Tafelsilber wie Flugzeuge oder Slots veräussern könnte.

Inzwischen beurteilen viele Branchenkenner das Risiko einer Zerschlagung jedoch deutlich geringer. «Dass Easyjet ‹abgewürgt› wird – egal ob nur eine Abteilung oder als Gesamtes – ist bei den aktuellen Marktverhältnissen kaum denkbar», sagt Rolf Keller vom Basler Aviatik-Portal bsl-mlh-planes.net. «Immerhin beförderte Easyjet im Geschäftsjahr 2025 etwa 93 Millionen Passagiere. Der Bedarf ist offenbar da, und ein Ersatz kann nicht von Null auf Nichts gefunden werden.» Unbestritten ist hingegen: Die Bieter rechnen damit, das Unternehmen nach einer Restrukturierung gewinnbringend weiterverkaufen zu können.

Warum hat Easyjet überhaupt eine Schweizer Tochter-Airline?

Das hat damit zu tun, dass sich die Verkehrsrechte einer Fluggesellschaft nach den Luftverkehrsabkommen ihres Heimatstaates richten. Ohne entsprechende Abkommen dürfen Airlines nicht beliebig Flüge zwischen Drittstaaten anbieten. Mit ihren Töchtern in der EU und in der Schweiz ist die Gruppe regulatorisch breiter abgestützt und kann reagieren, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Easyjet Switzerland liess 2025 einen Airbus auf «Basel» taufen und betont ihre Basler Wurzeln. Vorgängerin ist die TEA Switzerland mit Sitz in Basel. Easyjet beteiligte sich 1998 an der Charter-Fluggesellschaft mit zunächst 40 Prozent, benannte sie später um und verlegte den Sitz nach Genf.

Was sind die Reaktionen von Easyjet Switzerland und des EAP?

Easyjet Switzerland sagt: nichts. Eine Anfrage dieser Zeitung blieb unbeantwortet. Der EAP wiederum gibt sich wortkarg: «Zu hypothetischen Szenarien können wir keine Stellung nehmen.» Kurzfristig gebe es keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Das ist korrekt. Easyjet Switzerland plant, das Angebot ab dem Sommerflugplan am EAP auszubauen. So ist der Einsatz von drei Airbus A321, dem grösseren Geschwister des A320, vorgesehen. Und Flüge sind auf der Easyjet-Webseite bis September 2027 buchbar.

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Die beliebtesten Kommentare
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Xicotencatl Axayacatl
05.08.2026 11:34registriert August 2024
Ein amerikanisches Private-Equity-Unternehmen. Alles klar. Das war's dann wohl mit EasyJet. Schade um ein weiteres europäisches Unternehmen, das in Ausland verscherbelt, dann für raschen Profit ausgequetscht und vermutlich innerhalb der nächsten 10 Jahren eingehen wird.
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stevensplace
05.08.2026 11:50registriert März 2020
Die geplante Übernahme von EasyJet durch Apollo birgt erhebliche Risiken für die Substanz der Airline. Die hohe Kaufsumme von 5,7 Milliarden Pfund erzeugt enormen Renditedruck.

Es kommt selten gut für die Arbeitnehmer, wenn Finanzhaie, wie z.B. eine Apollo Global Management zuschlägt.

Um diese Summe einzuspielen, drohen harter Sparzwang, Personalabbau und die Schließung unrentabler Routen.

Statt nachhaltiger Entwicklung droht der reine Fokus auf kurzfristigen Cashflow und der Ausverkauf wertvoller Startrechte.
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Azul
05.08.2026 12:09registriert Juli 2026
Amerikanische Investment Firmen sind Totengräber
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