Vier Mafiosi aus Roveredo GR verlieren Aufenthaltsbewilligung
Die Aufenthaltsbewilligung für die vier mutmasslichen Mafiamitglieder mit Wohnsitz in Roveredo GR wurde definitiv widerrufen. Niemand hat Beschwerde eingelegt, wie der Leiter des Bündner Amts für Migration und Zivilrecht gegenüber Keystone-SDA bestätigte.
Die vier Personen waren im vergangenen Februar im Rahmen einer internationalen Antidrogen-Operation in Frankreich und Italien festgenommen worden. Sie stehen im Verdacht, Verbindungen zur Camorra und zur ’Ndrangheta zu haben, und verfügten über eine Aufenthaltsbewilligung B in Roveredo.
Im Laufe des Sommers verfügte das Bündner Amt für Migration und Zivilrecht (AFM) deren Entzug, der nun ohne Einsprachen rechtskräftig geworden ist. Das italienischsprachige Radio und Fernsehen RSI hatte am Dienstag zuerst darüber berichtet.
Einer der vier Männer hatte 2021 in Chur die Bewilligung B erhalten, nachdem ihm das Tessin das Aufenthaltsdokument verweigert hatte.
Entzug nur in Ausnahmefällen
«Das AFM kann, insbesondere im EU/EFTA-Bereich, nur in Ausnahmefällen eigenständig Bewilligungen widerrufen», erklärte Amtsleiter Niculin Mosca Keystone-SDA. Dies liegt daran, dass die Zuständigkeit für Landesverweisungen bei den Strafgerichten liegt. Die Verweigerung einer Erteilung knüpft an etwas weniger strenge Bedingungen an. Eine Erteilung kann bei schweren Vorstrafen verweigert werden. Auch dies ist laut Mosca eine Praxis, die selten vorkommt. «In den letzten Jahren waren es im Durchschnitt jedoch weniger als zehn Fälle», fuhr er fort.
Infolge des Falls Roveredo hat der Kanton Graubünden ab Mitte August dieses Jahres in der Region Moesa die Pflicht zur Einreichung eines Strafregisterauszugs für Gesuchsteller um Aufenthalts-, Saison- und Grenzgängerbewilligungen aus EU/EFTA-Staaten eingeführt. Diese Massnahme zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität bleibt bis Ende Dezember 2026 in Kraft.
«Die vorübergehende Anpassung der Praxis dient Sicherheits- und Präventionszwecken und liefert den Behörden zusätzliche Informationen zur Beurteilung der Bewilligungsgesuche. Ihre Wirksamkeit, Funktionalität und ihr Mehrwert werden Ende des Jahres evaluiert», hatte Mosca damals erklärt. (sda)
