Darum ist die Anzahl Asylgesuche im ersten Halbjahr gesunken
Zum ersten Mal seit 2022 sinkt im ersten Halbjahr 2026 die Zahl der Asylgesuche unter 10'000. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) macht vor allem zwei Gründe dafür verantwortlich.
Wie die NZZ berichtet, prognostizierte das SEM für 2026 rund 25'000 Asylgesuche mit einer Bandbreite von plus/minus 3000 Gesuchen. Mit 9734 Gesuchen im ersten Halbjahr scheint diese Prognose deutlich unterboten worden zu sein.
Im zweiten Halbjahr würden jeweils mehr Gesuche gestellt, weshalb man die Zahl, um das gesamte Jahr zu prognostizieren, nicht einfach verdoppeln kann. Sollte die saisonale Schwankung ähnlich sein wie 2025, lande man 2026 bei rund 21'500 Gesuchen. Auf dem Höhepunkt der letzten Migrationswelle 2023 waren es noch 30'223 Gesuche. Bis 2025 sank die Zahl bereits auf 25'781.
Zwei Hauptursachen
Man befinde sich «klar im unteren Bereich der Bandbreite», erklärt eine Sprecherin des SEM der Zeitung. Die Anzahl an Asylgesuchen würde jedoch durch zu viele geo- und migrationspolitische Faktoren beeinflusst, als dass man sie anhand von Vorjahreszahlen prognostizieren könne. Mit einer angepassten Schätzung des SEM für 2026 sei jedoch frühestens Ende August zu rechnen.
Die rückläufigen Zahlen gingen vor allem auf zwei Ursachen zurück. Durch die politische Lage in der Türkei und die schwierige Situation auf der zentralen Mittelmeerroute seien Gesuche türkischer Staatsangehöriger stärker zurückgegangen als erwartet. Zudem seien Justiz und Behörden strenger geworden sein bei deren Anerkennung, berichtet die NZZ.
Die zweite Ursache für die rückläufigen Asylgesuche sei Italien. Im Süden des Landes seien deutlich weniger Menschen angekommen. Besonders bei Personen aus Eritrea mache sich dies bemerkbar.
Schutzstatus S bleibt stabil
Im Unterschied zu anderen Jahren hatten keine grösseren geopolitischen Ereignisse direkte Auswirkungen auf die Zahl der Geflüchteten in Europa. Im Iran-Krieg würden die Menschen laut UNHCR vor allem im Landesinnern versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.
Diese Zahlen beziehen sich ausschliesslich auf das ordentliche Asylverfahren, also auf Fälle, bei denen Status N oder F beantragt wird. Die Zahl von Gesuchen für den Schutzstatus S ist in derselben Zeit stabil geblieben. Seit Anfang Jahr wurde dieser von rund 4300 Ukrainerinnen und Ukrainern beantragt. Sie fliessen nicht in dieselbe Statistik. (nil)
