Schweiz
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Offen gesagt

«Lieber Herr Balsiger, wer trägt eigentlich den Elefanten weg?»

Die Befürworter des neuen Geldspielgesetzes versuchen sich in ihrer Plakatkampagne in der bewährten Taktik der Angstmacherei – und machen dabei einen kapitalen Fehler. 



Lieber Herr Balsiger 

Wie ich Ihrer Email-Signatur entnehme, sind Sie «Kampagnen-Koordinator» für die Befürworter des neuen Geldspiel-Gesetzes. Ich nehme nicht an, dass Sie persönlich für deren Plakatkampagne verantwortlich sind. Aber vielleicht können Sie meinen Rat ja an die richtige Stelle weiterleiten:  

Wenn Sie diese Abstimmung noch irgendwie gewinnen wollen, dann hängen Sie die Plakate sofort ab! 

Sie behaupten auf diesen Plakaten, bei Ablehnung des Gesetzes würden Spielplätze verlottern, Fussballvereine keine Fussbälle mehr haben und – ich zitiere hier nur eine kleine Auswahl an Botschaften – die Elefantenhäuser in den Zoos geschlossen? 

So alarmistisch wirbt Ja-Lager für Geldspielgesetz

Dies, so die insinuierte Argumentation, weil ohne das neue Glücksspielgesetz statt der Schweizer Casinos fortan die Malteser Online-Glücksspiel-Mafia unbescholtenen Schweizer Spielsüchtigen das Geld aus der Tasche ziehe, wovon der heimische Fiskus nichts habe und somit auch die indischen Elefanten im Zürcher Zoo nichts mehr zu Fressen. 

Das ist vielleicht schon ein wenig mehr als zugespitzt, aber der Grund, weswegen ich die Plakate rasch abhängen würde, ist ein anderer.

Sie erinnern den geneigten Betrachter unbewusst aber unweigerlich an den Messerstecher oder die schwarzen Schafe der SVP und damit an deren bewährte Kampagnenmethode Angstbewirtschaftung. Und doch denkt man bei Ihren Plakaten: Das funktioniert irgendwie nicht, irgendwas ist da komisch, die können das nicht.

Das musst du über das Geldspielgesetz wissen

abspielen

Video: watson/Helen Obrist, Angelina Graf

Ich habe eine Nacht lang darüber nachgedacht, und jetzt weiss ich, was es ist.  

Die Angstkampagne verfängt nur dann, wenn man diffuse Ängste beackert. Wenn man Ängste vor undefinierten schrecklichen Dingen und im Ungefähren bleibenden schlimmen Umständen schürt, die es in der Lebenswelt der Zielgruppe gar nicht gibt. Denn nichts ängstigt bekanntlich so zuverlässig wie das Unbekannte.  

Und Sie versuchen, uns mit Spielplätzen, Fussbällen und Elefanten Angst zu machen! Den Wochenendbeschäftigungen der Hälfte der stimmberechtigten Bevölkerung? Völlig unmöglich.

Kürzlich habe ich im Tram die Konversation einer Vierjährigen mit ihrem Vater gehört:  «Papi, wer trägt dann die Elefanten weg im Züri-Zoo, die sind doch so dick?» – «Gar keiner, das neue Elefantenhaus hat nach zwei ausserordentlichen Budgeterhöhungen 47 Millionen gekostet, die Elefanten bleiben, egal was die kosten.»

Sie sehen, die Leute haben nicht nur keine Angst vor den Schreckensszenarien Ihrer Casino-Lobby, sie kaufen Ihnen auch ganz rational die behaupteten Sachverhalte nicht ab. Oder anders ausgedrückt: Sie fühlen sich verarscht.  

Keine gute Voraussetzung für ein Ja auf dem Stimmzettel... 

Mit freundlichen Grüssen 

Maurice Thiriet 

Zur Person 

Der Politologe Mark Balsiger.

Mark Balsiger ist Kommunikations- und Campaigning-Spezialist mit eigener Agentur in Bern. Balsiger mischt in den meisten Schweizer Abstimmungs- und Wahlkämpfen auf die eine oder andere Weise mit und betreut im aktuellen Abstimmungskampf um das Geldspielgesetz die Kommunikation des Ja-Lagers um den Casino-Verband und die Lotterie-Gesellschaften.   Bild: zvg

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54Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bronko 17.05.2018 09:40
    Highlight Highlight Die unverständliche und manipulative Kampagne lässt beim halbkritischen Durchschnittskonsumenten wie mir nur eine Schlussfolgerung zu: Nein zu stimmen. Oder versteh ich vielleicht was falsch in dem suspekten Prospektli...
    Danke für die treffende Analyse, welche ich mir dadurch ersparen konnte.
    • piedone lo sbirro 17.05.2018 11:27
      Highlight Highlight Bronko

      „halbkritischen Durchschnittskonsumenten“

      nicht so bescheiden. soweit ich mich an deine kommentare erinnere, hast du doch stets den durchblick 😉
    • Bronko 17.05.2018 12:57
      Highlight Highlight Haha! 😉 Merci Piedone.
  • Dinolino 17.05.2018 09:11
    Highlight Highlight Ich bleib dabei; "offen gesagt" gehört in Deinen Facebook newsfeed und nicht in eine Gratiszeitung. Plumpe Meinungsmache, nichts weiter. Welche Meriten ausser Verlegersohn und Chefredaktor bringst Du überhaupt mit, Deine Meinung über andere zu stellen?! Hochachtungsvoll Dino
    • dickmo 17.05.2018 10:32
      Highlight Highlight @Dinolino: Ich bin nicht der Verlegersohn. Ich bin der Journal1stensohn. Recherchieren Sie gefälligst etwas sorgfältiger, bevor Sie Ihre Meinung kundtun. Es war jedenfalls also als Journal1stensohn von klein auf meine Bestimmung Chefredaktor zu sein, ich habe mir das nicht ausgesucht, und der Job des Chefredaktors besteht nunmal darin, Meinung kund zu tun. Zum Recherchieren kommt man ja nicht mehr. Andere sagen, Recherche sei nur ein Symptom von Meinungsschwäche. Aber letztlich ist auch das nur eine schlecht recherchierte Meinung.
    • Dinolino 17.05.2018 10:48
      Highlight Highlight blabla...es bleibt Meinungsmache - die Rubrik würde sich aber erheblich "fairer" anfühlen, könnte sich die von Dir taxierte Person äussern. "Andere sagen..." so wie Du? #keinJornal1
    • dickmo 17.05.2018 14:46
      Highlight Highlight @Dinolino: Ich bin sehr fair, ich will für die Leute nur das Beste. Ich möchte übrigens nicht, dass Sie "blabla" schreiben, wenn ich Ihnen auf einen Kommentar antworte. Das ist ein bisschen respektlos.
    Weitere Antworten anzeigen
  • El Vals del Obrero 17.05.2018 06:22
    Highlight Highlight Bei aller Plumpheit sind die Plakate auch etwas unlogisch:

    "Weniger Geld für die AHV" - "Deshalb Ja"

    Heisst dass, wenn man will, dass die AHV weniger Geld bekommt, muss man Ja stimmen?
  • Posersalami 17.05.2018 00:13
    Highlight Highlight Ich musste tatsächlich die URL von so einem Plakat abtippen weil mir nicht klar war, was mir die Plakate sagen wollen 😅

    Selten eine so schlechte Kampagne gesehen.
  • Madmessie 16.05.2018 21:36
    Highlight Highlight Sehr gut analysiert! Es ist ja nicht so, dass Geld fehlen würde. Nein, es würde einfach nicht noch mehr dazu kommen. Und das obwohl man ja scoin jetzt nicht mehr weiss wohin mit dieser Lotteriekohle. Diese Plakate haben mich überzeugt, Nein zu stimmen.
  • TanookiStormtrooper 16.05.2018 21:03
    Highlight Highlight Immerhin müssen die Otten im Zürcher Zoo keine Angst haben, da sponsert Watson hoffentlich weiterhin das Futter...?

    (:ᘌꇤ⁐ꃳ 三
    • dickmo 16.05.2018 22:23
      Highlight Highlight Logisch.
    • Sandro Lightwood 17.05.2018 16:46
      Highlight Highlight Die stehen ausserdem unter dem besonderen Schutz der Elefanten, die ja bekanntlich zu schwer sind, um sie wegzutragen.
  • Sharkdiver 16.05.2018 20:12
    Highlight Highlight 😁👍🏻
  • N. Y. P. D. 16.05.2018 20:11
    Highlight Highlight Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

    Danke.

    Der Wahlkampf ist beendet.

    Stimmt NEIN.

    Wir haben hier wieder den Bigler-Effekt. Auch diese Abstimmung hätte vielleicht eine Chance gehabt. Und dann kommt diese GRENZDEBILE Abstimmungs - kampagne und schwupps es ist gelaufen.

    #Biglereffekt

    Geldspielgesetz NEIN

    So, habe fertig.
    • Astrogator 17.05.2018 12:26
      Highlight Highlight Bigler-Effekt, made my day 😂
  • Jakal 16.05.2018 19:30
    Highlight Highlight Was sagen eigentlich die direktbetroffenen Elefanten zu diesem sich anbahnenden Katastrophenszenario?
    • dickmo 16.05.2018 19:37
      Highlight Highlight @Jakal: Sie sehen kein Problem, sie sind zu dick, um weggetragen zu werden.
    • King_Cone 17.05.2018 16:44
      Highlight Highlight Wenn Sie zu dick sind, dann würde Ihnen weniger Futter nicht schaden... /ironieOff
  • JasCar 16.05.2018 19:25
    Highlight Highlight Die Aussagen finde ich ok.
    Aber das Layout erinnert in seiner Einfachheit tatsächlich unheimlich an Sünneliplakate.
  • Pingupongo 16.05.2018 18:44
    Highlight Highlight Mich stört vor allem auch der Fallfehler. R.I.P. Genitiv 😞
    • Gwdion 16.05.2018 20:25
      Highlight Highlight Ja, das tut richtig weh beim Lesen! Mich juckt es jedes Mal, den Edding zu zücken..
    • α Virginis 17.05.2018 09:07
      Highlight Highlight Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod...
  • ubu 16.05.2018 18:42
    Highlight Highlight Oh Gott, es wird zugespitzt - wie schlimm!

    Ernsthaft: Die Elefanten kommen nicht weg. Aber wenn Gelder fehlen, müssen Zoos, Vereine, etc irgendwo sparen und das ist nicht angenehm - da muss man sich keine Illusionen machen.
    • Stirber 16.05.2018 19:48
      Highlight Highlight Klar, wenn Gelder fehlen ist dies tatsächlich so. Aber da sich das ganze um ein Referendum handelt (heute können ausländische Casinos in der Schweiz online sein) würde dieses Geld heute schon fehlen..
    • Factfinder 16.05.2018 19:54
      Highlight Highlight Wenn das Gesetz abgelehnt wird, fehlt kein einziger Franken.
      Und hätten die Zensurgeilen auf Netzsperren verzichtet wäre es nicht nötig gewesen das Referendum zu ergreifen.
      Das würde heissen hätten sie auf Netzsperren verzichtet hätten sie schneller online Glückspiele anbieten und mehr Geld verdienen können.

      Scheinst ein bisschen auffällig auf Propaganda zu sein mein lieber, wenn du dies nicht mal bemerkt hast ;)
    • Best President ever! Trump 4eva! 17.05.2018 15:29
      Highlight Highlight @factfinder, anfällig, ANfällig, ANFÄLLIG...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Picker 16.05.2018 18:18
    Highlight Highlight @Maurice: Danke! Bin voll Deiner Meinung.
  • Majoras Maske 16.05.2018 18:12
    Highlight Highlight Ja, das habe ich mir auch gedacht. Diese Plakate sind plump und ich nehme sie nicht mal als Befürworter ernst. Das sind keine guten Vorzeichen, denn die Gegner haben durchaus bessere Argumente als geschlossene Zoos.
    • Factfinder 16.05.2018 19:55
      Highlight Highlight Wieso bist du ein Befürworter von Zensurmassnahmen die technisch mit China zu vergleichen sind Majora?
    • Majoras Maske 17.05.2018 07:22
      Highlight Highlight Weil ich jemanden kenne, der sich wegen einem ausländischen Onlinekasino massiv verschuldet hat. Es braucht bessere Schutzmassnahmen für Leute, die süchtig werden können. Ich finde es moralisch völlig verwerfich, dass jemand einfach eine Glücksspielseite programmieren kann, mit dem Elend von anderen Leuten reich wird und seine Gewinne nicht mal versteuert, weil er in einer Steueroase lebt. Es sind keine chinesischen Verhältnisse zu erwarten, weil schon heute kinderpornografische Seiten in der CH zensiert sind und andere EU-Staaten das gleich handhaben und man trotzdem noch im Internet frei ist
    • Factfinder 17.05.2018 11:41
      Highlight Highlight Herzerweichende Geschichte.
      Also technisch hast du keine Ahnung von dem was hier gefordert wird wenn du schon den (zwar vorhersehbaren aber trotzdem dummen) Vergleich bringst?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Magnum44 16.05.2018 18:00
    Highlight Highlight In Anbetracht, dass es sich um ein Referendum handelt, machen diese Plakate absolut keinen Sinn. Es würde sonst ja bereits heute am Geld für die Elefanten etc. mangeln.
    • Plöder 16.05.2018 19:17
      Highlight Highlight Nein, weil.... informier dich selbst

      Es besteht schon ein Gesetz, dass das regelt.
    • Timoon 16.05.2018 20:15
      Highlight Highlight Wenn das Volk Nein stimmt ändert sich nichts an der aktuellen Situation. Wie also Magnum erwähnt hat: wenn das Geld bei Ablehnung des Gesetzes fehlen würde, würde es auch jetzt fehlen.
    • CASSIO 17.05.2018 03:59
      Highlight Highlight Man schaut ja jeweils in die Zukunft. Wenn man Statistiken anschaut, dann wird man wahrscheinlich erkennen, dass die Bruttospielumsätze bei einigen Casinos deutlich zurückgegangen sind. Die Gründe dürften u. a. Onlinecasinos sein. Wenn man also Marktanteile an diese ausländischen Casinos verliert, dann gehen die Erträge für den Staat zurück, ganz einfach. Und wo verbringen dann die spielsüchtigen Rentnerinnen und Rentner ihre Nachmittage?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Raphael Keller 16.05.2018 17:58
    Highlight Highlight Ja, die Kampagne spitzt zu. Das Elefantengehege im Zoo Zürich wird bleiben.
    Trotzdem sollte nicht unterschätzt werden, was alles vom Lotteriefonds unterstützt wird.
    Natürlich versiegen die Fonds-Gelder nicht sofort, wenn das Gesetz abgelehnt wird. Dennoch ist diese Gefahr längerfristig höher, als dass in der Schweiz grossflächig Netzsperren nach Belieben eingeführt werden. Die "Dammbruchtheorie" der Gegner ist absurd und will auch bloss Ängste schüren. Niemand will "chnesische Zustände". Solche wird es auch nicht geben.
    Es gibt gute Gründe, Geldspiele zu regulieren. Deshalb: klares JA!
    • G. Schmidt 16.05.2018 18:39
      Highlight Highlight Gelspiele regulieren ja ok.

      Aber nicht mit Netzsperren!
    • Factfinder 16.05.2018 19:51
      Highlight Highlight "Niemand will "chnesische Zustände". Solche wird es auch nicht geben."
      Ohh Erich.
      "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten"
      Stimmt im Gebäude des NDB hängt ja tatsächlich die DDR-Fahne... (leider kein Witz...it's a sick world we live in.)
    • fcsg 16.05.2018 20:05
      Highlight Highlight @Raphael Keller
      Wieso soll die "Dammbruchtheorie" denn absurd sein? Wenn man Netzsperren bei Geldspielen einsetzt, wieso soll man sie nicht auch in anderen Bereichen einsetzen, wie z.B. bei Streamingseiten?
      Ausserdem sind Netzsperren nicht einmal geeignet zur Regulierung, weil sie innerhalb von ein paar Sekunden umgangen werden können.
    Weitere Antworten anzeigen
  • dechloisu 16.05.2018 17:53
    Highlight Highlight Hat dass der Vater wirklich so Detailliert gesagt 😉

    Nein ernst, den Gedanken hatte ich auch.
    Ich habe mich gefragt ob die diese schlechten Argumente wirklich ernst meinen.
  • Fruchtzwerg 16.05.2018 17:47
    Highlight Highlight Ich liebe diese Rubrik auf Watson!
    • dickmo 16.05.2018 18:34
      Highlight Highlight Gerne! In der Regel immer Mittwochs und Freitags.

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