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Offen gesagt

«Lieber Herr Balsiger, wer trägt eigentlich den Elefanten weg?»

Die Befürworter des neuen Geldspielgesetzes versuchen sich in ihrer Plakatkampagne in der bewährten Taktik der Angstmacherei – und machen dabei einen kapitalen Fehler. 
16.05.2018, 17:3517.05.2018, 06:14
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
Chefredaktor
Maurice Thiriet
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Lieber Herr Balsiger 

Wie ich Ihrer Email-Signatur entnehme, sind Sie «Kampagnen-Koordinator» für die Befürworter des neuen Geldspiel-Gesetzes. Ich nehme nicht an, dass Sie persönlich für deren Plakatkampagne verantwortlich sind. Aber vielleicht können Sie meinen Rat ja an die richtige Stelle weiterleiten:  

Wenn Sie diese Abstimmung noch irgendwie gewinnen wollen, dann hängen Sie die Plakate sofort ab! 

Sie behaupten auf diesen Plakaten, bei Ablehnung des Gesetzes würden Spielplätze verlottern, Fussballvereine keine Fussbälle mehr haben und – ich zitiere hier nur eine kleine Auswahl an Botschaften – die Elefantenhäuser in den Zoos geschlossen? 

So alarmistisch wirbt Ja-Lager für Geldspielgesetz

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So alarmistisch wirbt Ja-Lager für Geldspielgesetz
quelle: ja-komitee geldspielgesetz
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Dies, so die insinuierte Argumentation, weil ohne das neue Glücksspielgesetz statt der Schweizer Casinos fortan die Malteser Online-Glücksspiel-Mafia unbescholtenen Schweizer Spielsüchtigen das Geld aus der Tasche ziehe, wovon der heimische Fiskus nichts habe und somit auch die indischen Elefanten im Zürcher Zoo nichts mehr zu Fressen. 

Das ist vielleicht schon ein wenig mehr als zugespitzt, aber der Grund, weswegen ich die Plakate rasch abhängen würde, ist ein anderer.

Sie erinnern den geneigten Betrachter unbewusst aber unweigerlich an den Messerstecher oder die schwarzen Schafe der SVP und damit an deren bewährte Kampagnenmethode Angstbewirtschaftung. Und doch denkt man bei Ihren Plakaten: Das funktioniert irgendwie nicht, irgendwas ist da komisch, die können das nicht.

Das musst du über das Geldspielgesetz wissen

Video: watson/Helen Obrist, Angelina Graf

Ich habe eine Nacht lang darüber nachgedacht, und jetzt weiss ich, was es ist.  

Die Angstkampagne verfängt nur dann, wenn man diffuse Ängste beackert. Wenn man Ängste vor undefinierten schrecklichen Dingen und im Ungefähren bleibenden schlimmen Umständen schürt, die es in der Lebenswelt der Zielgruppe gar nicht gibt. Denn nichts ängstigt bekanntlich so zuverlässig wie das Unbekannte.  

Und Sie versuchen, uns mit Spielplätzen, Fussbällen und Elefanten Angst zu machen! Den Wochenendbeschäftigungen der Hälfte der stimmberechtigten Bevölkerung? Völlig unmöglich.

Kürzlich habe ich im Tram die Konversation einer Vierjährigen mit ihrem Vater gehört:  «Papi, wer trägt dann die Elefanten weg im Züri-Zoo, die sind doch so dick?» – «Gar keiner, das neue Elefantenhaus hat nach zwei ausserordentlichen Budgeterhöhungen 47 Millionen gekostet, die Elefanten bleiben, egal was die kosten.»

Sie sehen, die Leute haben nicht nur keine Angst vor den Schreckensszenarien Ihrer Casino-Lobby, sie kaufen Ihnen auch ganz rational die behaupteten Sachverhalte nicht ab. Oder anders ausgedrückt: Sie fühlen sich verarscht.  

Keine gute Voraussetzung für ein Ja auf dem Stimmzettel... 

Mit freundlichen Grüssen 

Maurice Thiriet 

Zur Person 

Mark Balsiger ist Kommunikations- und Campaigning-Spezialist mit eigener Agentur in Bern. Balsiger mischt in den meisten Schweizer Abstimmungs- und Wahlkämpfen auf die eine oder andere Weise mit und betreut im aktuellen Abstimmungskampf um das Geldspielgesetz die Kommunikation des Ja-Lagers um den Casino-Verband und die Lotterie-Gesellschaften.  
Mark Balsiger ist Kommunikations- und Campaigning-Spezialist mit eigener Agentur in Bern. Balsiger mischt in den meisten Schweizer Abstimmungs- und Wahlkämpfen auf die eine oder andere Weise mit und betreut im aktuellen Abstimmungskampf um das Geldspielgesetz die Kommunikation des Ja-Lagers um den Casino-Verband und die Lotterie-Gesellschaften.  
Bild: zvg
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