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Ranger helfen am Seealpsee gegen Overtourism – das bringt es

Alpstein Ranger Seealpsee Massentourismus Overtourism
Der Seealpsee mit der eindrücklichen Bergkulisse.Bild: Reto Fehr
Overtourism

Unterwegs an einem Insta-Hotspot im Alpstein mit dem Ranger – das sind die Auswirkungen

Der Alpstein hat sich in den letzten Jahren an Orten wie dem Seealpsee, Aescher, Saxerlücke oder Bollenwees zu touristischen Hotspots entwickelt. Seit dieser Saison sollen Ranger für Ordnung sorgen. Wir haben einen davon begleitet.
23.08.2026, 10:1123.08.2026, 10:35

Der Alpstein, das war einst ruhige Alpenidylle. Man kann die da immer noch haben. Aber man muss mittlerweile wissen, wo und wann. Denn spätestens im Jahr 2015 wurde der Aescher – und mit ihm die Region – weltbekannt. «National Geographic» setzte das Berggasthaus an spektakulärer Lage aufs Titelbild und Stars wie Ashton Kutcher oder Roger Federer teilten ihre Bilder von dort mit ihren Millionen Followern.

Aescher National Geographic
Das war das Titelbild von National Geographic 2015.Bild: National Geographic

Im letzten Jahrzehnt eilten viele Touristen zum Ort und teilten ihre Eindrücke ebenfalls. Der Aescher, der Seealpsee und die Saxerlücke sind mittlerweile touristische Hotspots mit Gästen aus aller Welt geworden. Nicht alle davon kennen – oder halten – sich an die Regeln. Um dies zu ändern, werden seit dieser Saison Ranger eingesetzt. Sie sollen die Gäste auf Augenhöhe sensibilisieren.

Dabei sind viele Besucher kein Phänomen, das nur den sozialen Medien geschuldet ist. «Spitzentage sind überhaupt nichts Neues. Es gab sie schon in den 1970er-Jahren in einer Regelmässigkeit», sagt Ruedi Zürcher, Präsident des Bergwirtevereins Alpstein, «allerdings beschränkte es sich damals auf die Sonntage.»

Heute wird der grosse Parkplatz bei der Talstation der Ebenalpbahn in Wasserauen – Ausgangspunkt für den Aescher und Seealpsee – an allen Tagen mehr genutzt. Die riesige Wiese, die zum Parkieren auch zur Verfügung steht, wird teilweise auch an Wochentagen benötigt.

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Wo früher Kühe weideten, stehen heute während der Sommermonate Autos.Bild: Reto Fehr

Ein grosser Parkplatz ist natürlich nicht die Lösung, um die Touristenströme in den Griff zu bekommen. Es gibt mittlerweile auch sehr gute Park&Ride-Möglichkeiten in Gossau SG (am Wochenende kostenloses Parkieren), die Zugverbindung nach Wasserauen ist auch gut. Und es wird an anderen Konzepten gearbeitet, um die Gästeströme zu lenken.

Viele Besucher sind das eine, die Verhaltensweisen der Gäste ein anderes Thema. Nicht alle sind für einen Tag in den Bergen sensibilisiert. So sind seit dieser Saison in einem dreijährigen Pilotprojekt Ranger im Alpstein-Gebiet unterwegs. Meist an den Wochenenden, teilweise unter der Woche und am Abend. 14 sind es insgesamt. Diese Ranger haben keine Auswirkung auf die Anzahl Gäste, sondern sollen helfen, die Verhaltensweisen – vor allem an den Hotspots – zu beeinflussen. Wir haben Daniel Staubli, einen von ihnen, zum Seealpsee begleitet.

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Daniel Staubli ist einer der Ranger, die seit dieser Saison im Alpstein unterwegs sind.Bild: Reto Fehr

Was ist Staublis Motivation? «Ich bin sehr viel in der Region unterwegs und kann so etwas Gutes tun.» Er selbst lebt bei Wil SG, eine rund 40-minütige Autofahrt entfernt. Müssten die Ranger nicht Einheimische sein? «In unserem Team sind rund die Hälfte Einheimische, die andere Hälfte wie ich aus der erweiterten Region. Ich glaube, manchmal verstehe ich vielleicht die Gäste etwas besser, weil ich selbst im Flachland lebe.»

Die Ranger haben keine Befugnisse, um Bussen zu verteilen oder von Gesetzes wegen einzugreifen, wie dies Polizisten könnten. Sie sehen sich denn auch nicht als «klassische Ordnungshüter», sondern begegnen den Touristen auf Augenhöhe und weisen auf Missstände hin, ohne von oben herab Befehle zu erteilen. «Wenn du es als Tipp verkaufst, wirkt das oft besser als ein Befehl», findet Staubli mit der Erfahrung seiner ersten Einsätze. «Die Leute haben bisher immer befolgt, was ich sagte.»

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Der Hinweis auf das Feuerverbot muss bei der Grillstelle wieder neu befestigt werden.Bild: Reto Fehr

Aber warum braucht es denn überhaupt Ranger? Ist es nicht eh klar, dass Abfälle nicht fortgeschmissen werden, man in den Bergen keine laute Musik hört und Kühe nicht streichelt oder füttert? «Ich habe keine abschliessende Antwort, warum Gäste hier beispielsweise ihren Müll liegen lassen», sagt Staubli und fährt fort, «im Unterland werfen sie ihn ja teilweise auch aus dem Auto, das überträgt sich.» Ein gesellschaftliches Problem also.

Es sei vielleicht auch so, dass von der jungen Generation einige das Wandern neu entdeckten und nicht früher immer mit den Eltern mit «mussten». «Meine Eltern zeigten mir von Anfang an: Was du auf den Berg nimmst, nimmst du auch wieder heim. Da gab es keine Diskussion», erinnert sich Staubli. «Es fehlen teilweise die Vorbilder. Wenn jemand diese nicht hatte, bin ich hier, um zu sensibilisieren.»

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Alles in Ordnung: Badende am Ufer des Seealpsees.Bild: Reto Fehr

Meist sei nicht unbedingt böse Absicht dahinter. In anderen Kulturen sind die Abfallentsorgung und Möglichkeiten der Abfallsammlung auch nicht so ausgeprägt, wie bei uns. Und ja, es ist definitiv eine sehr internationale Gästeschaft, die wir an diesem schönen Samstag rund um den Seealpsee antreffen.

«Fötzelen» sei aber definitiv nicht seine Aufgabe. Das könne auch kontraproduktiv wirken. «Wenn die Leute sehen, dass da eh einer aufräumt, lassen sie noch mehr liegen», weiss Staubli. Er habe natürlich einen Abfallsack und Gummihandschuhe dabei, nehme aber nur das Gröbste auf und meist unauffällig.

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Auf dem Weg zu einem der beliebten Badeplätze. Bild: Reto Fehr

Übrigens: Rund um den See, in Berggasthäusern, wichtigen Wegkreuzungen, Bahnhöfen und an Zugangspunkten zum Alpstein können die Touristen seit dieser Saison auch selbst kleine Abfallsäcke mitnehmen und dann im Tal unten entsorgen. «Die Säckli sind sehr beliebt. Aber vielleicht auch, weil sie wirklich schön sind und eher als Souvenir dienen oder für nasse Badehosen, statt als Abfallsäcke.» Allerdings gab es auch schon erste Rückmeldungen, dass es allgemein sauberer geworden sei und weniger Abfall herumliege.

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Hier gibt's die Abfallsäcke direkt am Seealpsee.Bild: Reto Fehr

Dass das mit dem Abfall wieder ins Tal Tragen nicht überall gut klappt, sagt auch die Wirtin der kleinen Alpwirtschaft hinter dem See. Das erleben wir während unseres rund 30-minütigem Aufenthalt auf der Terrasse selbst. Immer wieder kommen Gäste und wollen hier Abfall oder Hundekot-Säckli abgeben, worauf die Wirtin endlos erklären muss, dass dies nicht gehe.

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So nah wie diese beiden Herren sollte man Kühen auf der Weide für ein Foto nicht kommen. Mehr dazu auch im Podcast über Kuh-Begegnungen auf Wanderungen.Bild: Reto Fehr

Apropos Hunde. Um den Seealpsee herrscht – wie im ganzen Alpstein während der Alpzeit – Leinenpflicht. Es kommt trotzdem immer wieder vor, dass Hunde frei herumlaufen. Die Herrchen und Frauchen befolgen dann die Aufforderung mit viel Einsicht, wenn der Ranger sie darauf anspricht.

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Ranger Daniel Staubli erklärt den Touristinnen, dass sie den Hund an die Leine nehmen sollten.Bild: Reto Fehr

Aber es ist jetzt kaum so, dass sie es nicht gewusst hätten. Deutliche Hinweisschilder gibt es praktisch entlang jedes Zuganges.

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Leinenzwang ab hier: Kann man auf dem Strässchen zum Seealpsee eigentlich nicht übersehen.Bild: Reto Fehr

Hinweisschilder sind sowieso ein Mittel, um den Gästen die Regeln klarzumachen. Zugegeben, fallen sie mir auch nicht immer direkt auf. Oder nicht direkt unten beim Bahnhof/Parkplatz. Aber unterwegs befinden sie sich an Wegweisern und im Alpgasthaus liegen die Infos auch mehrsprachig auf.

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Zelten verboten, Fischen verboten, Feuer nur an Feuerstellen, Drohnen verboten, keine laute Musik: Man kann es wissen. Bild: Reto Fehr

Die Ausrede von «ich habe das nicht gewusst», ist also in den seltensten Fällen plausibel. Auch wenn Staubli selbst sagt: «Teilweise müssten die Informationen vielleicht noch einfacher zugänglich und sichtbar sein.»

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Und auch hier die Infoblätter mit den wichtigsten Verhaltensregeln.Bild: Reto Fehr

Ein grosses Thema in der Region sind auch Wildcamper. Im Kanton Appenzell Innerrhoden ist campieren beispielsweise grundsätzlich ausserhalb von Zeltplätzen verboten. Trotzdem treffen die Ranger praktisch während jeder Schicht Wildcamper an. Sie schicken sie dann zu einer Alp in der Nähe, wo sie gegen eine Gebühr (not-)übernachten können.

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Die Schweiz wie aus dem Bilderbuch: Natur, Alpbeizli, Kühe am Wegesrand.Bild: Reto Fehr

«Im Mai traf ich auch eine Gruppe. Es war eiskalt und hatte noch Schnee. Ich habe ihnen dann gesagt: Geht doch ins Rheintal, da ist's auch jetzt schön und angenehm. Sie befolgten meinen Rat», sagt Staubli. Pro Schicht, die rund einen Tag dauert, hat Staubli 10 bis 20 Begegnungen, bei welchen er Leute anspricht.

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Nein, da springt kein Miniwesen auf den Rücken dieses Badegastes. Bild: Reto Fehr

Es kommt schon immer wieder vor, dass er eigentlich nur den Kopf schütteln kann über die Vorstellungen oder Vorbereitungen von einigen Besuchern. «Ich erlebe immer wieder Gäste aus Deutschland oder Polen, die irgendwo die Bilder sahen und eigentlich die Nacht durchfahren und nur für dieses Foto anreisen», erzählt er. Die Gäste seien ganz klar internationaler geworden. Auch wenn das nicht heisst, dass nur diese sich nicht an die Regeln halten.

Wie nachhaltig in solchen Fällen die Tipps dann sind, ist schwieriger zu beurteilen, weil diese Leute eh nie mehr kommen werden. Denn wenn früher die sportliche Betätigung beim Wandern im Mittelpunkt stand, ist es heute für einige nur noch das Foto schiessen und erzählen können: Ich war da.

Allerdings sind schweizweit und im ganzen Alpenraum mittlerweile zahlreiche Ranger im Einsatz. Und vielleicht nutzt einer der Tipps bei den Fotojägern bei einem nächsten Besuch in einer anderen Region.

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In der Kapelle am See spannte mal ein Tourist seine Hängematte über die Kirchenbänke. Das Wetter sei halt nicht so gut gewesen.Bild: Reto Fehr

Wie sehr sich die Arbeit von ihm und seinen Ranger-Kollegen lohnt, wird nach der ersten Saison ausführlich besprochen. Einige sagen, es sei eh ein Tropfen auf den heissen Stein, andere glauben an die positive Wirkung. Während wir an diesem Samstag einige Male um den See spazieren, fällt schon auf, dass einige Leute den Ranger erkennen. Er ist zwar in offizieller Kleidung, aber jetzt nicht mit einer Leuchtweste oder sonst sehr auffällig gekleidet unterwegs. Das soll auch so sein.

Würde Staubli eigentlich auch privat an einem schönen Samstag hierhinkommen? Er lächelt nur und sagt, dass er genügend Wege im Alpstein kenne, die auch am Samstag deutlich ruhiger sind.

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Unterwegs rund um den Bergsee.Bild: Reto Fehr

Er kann auch die Einheimischen verstehen, die über «zu viele» Touristen klagen. «Wenn man das hier von früher kennt und weiss, wie es war – dann klar. Heute hat es an den bekannten Hotspots sicherlich mehr Touristen.»

Aber hat er Verständnis,dafür dass «alle» den Seealpsee mal live sehen wollen? «Ich find es schön, wenn die Menschen in die Natur gehen. Da bin ich sehr tolerant und finde, alle haben das Recht, das zu sehen. Aber es gibt einige Regeln, die eingehalten werden müssen.»

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Da hat ein Besucher den Ranger erkannt und sich gefreut, dass diese wirklich unterwegs sind.Bild: Reto Fehr

Unsere Wege trennen sich am Nachmittag. Staubli geht noch zur Meglisalp hoch. Da gäbe es noch einen Ort, an welchem gerne Wildcamper übernachten. Jetzt gegen den Abend sind die langsam unterwegs. Ausserdem hat ihm jemand gesagt, dass ein Zelt liegengelassen wurde.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz kommen mir am Nachmittag noch viele Besucher das steile Strässchen hinauf entgegen. Einige von ihnen mit Zelten. Staubli und den Rangern wird die Arbeit nicht ausgehen.

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Auf dem Rückweg vom Seealpsee.Bild: Reto Fehr

Später schickt er mir ein Bild des liegengelassenen Zeltes. Wanderer hätten es bereits zur Meglisalp gebracht. Grosse Zwischenfälle gab es heute sonst nicht.

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82 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Die olle Olga
23.08.2026 11:02registriert Januar 2021
Nimm nichts mit ausser schönen Erinnerungen, hinterlasse nichts ausser einem guten Eindruck, schlag nichts tot, ausser der Zeit.

Sollte eigentluch nicht schwer zu verstehen sein.
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Coffeetime ☕
23.08.2026 10:32registriert Dezember 2018
Ich weiss noch, wie ich damals total fassungslos war, als die Schulkollegin die Minibustür öffnete, um die leere Zweifelchipstüte rauszuschmeissen... Ich konnte nur "man macht das nicht" stammeln. Deshalb weiss ich, wie schwierig es ist, Erwachsenen mit Fingerspitzengefühl etwas beizubringen.

Hut ab für den guten Job für die Natur und Umwelt.
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flubbi
23.08.2026 10:56registriert Juli 2026
Guter Punkt: Im Flachland bräuchte es ebenfalls Ranger. Die sollten den Autofahrern erklären, dass man Müll nicht aus dem Auto werfen darf. Da liegen schon einige Getränkedosen und sonstige Verpackungen rum. Wobei das im Ausland teilweise noch viel schlimmer ist, als in der Schweiz. In der Schweiz sind dies "nur" Einzelfälle.
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