Ein «kleines Wunder» sorgt dafür, dass dieses Hotel wieder einfacher zugänglich ist
95 Prozent der Wanderwege im Lötschental waren seit diesem Sommer wieder geöffnet. Zwei blieben gesperrt. Derjenige zwischen Löibegga und Weissenried, weil die Fundamente der Hängebrücke unterspült wurden. 2027 soll die rund 35 Meter lange Brücke über den Tännbach durch eine neue Brücke von 220 Metern Länge ersetzt werden.
Die zweite Sperrung wurde gerade erst (am Donnerstag, 20. August 2026) aufgehoben. Sie betrifft den Weg von Griin (Eisten) über die Chiematt und Fell zur Fafleralp (der parallel verlaufende Weg über Aalegin bleibt noch zu). Dies ist die letzte Wegsperrung im Zusammenhang mit dem Bergsturz im Mai 2025. Zuletzt bereitete hier auch der oberhalb liegende Oigschtchummun-Gletscher Sorgen. Doch die Lage hat sich stabilisiert.
In fünf bis sieben Jahren wieder auf dem Niveau von 2024
Auch wenn dann praktisch 100 Prozent der Wanderwege im Tal wieder offen sind – und Wandern ist im Lötschental im Sommer die Haupttätigkeit der Touristen – ist noch lange nicht alles beim Alten. Mathias Fleischmann, CEO der Lauchernalp Bergbahnen AG und der Lötschental Marketing AG, sagt an einem Medienanlass diese Woche: «Das Ziel ist, dass wir in fünf bis sieben Jahren wieder auf dem Niveau von 2024 sind.»
Damals – vor dem Bergsturz – verzeichnete das Lötschental mit rund 220'000 Logiernächten einen Rekord und den Höhepunkt eines rund zehnjährigen Wachstums. Im Sommer und Winter nach dem Bergsturz waren es noch 150'000 Logiernächte. Ein Minus von rund 30 Prozent. Das ist viel, aber immer noch besser als die Erwartungen von rund minus 40 Prozent.
Tourismus als Lebenselixier, aber kein Massentourismus
Wie schnell sich der Tourismus – das Lebenselixier im Tal – erholt, hängt eng damit zusammen, wie schnell Hotels und Infrastruktur wieder aufgebaut sind. Beim Felssturz wurden drei Hotels komplett zerstört, zusätzlich blieb die Fafleralp zwar unbeschadet, war aber nicht mehr zugänglich. Damit waren praktisch alle Hotelbetten weg.
Massentourismus will man im Lötschental nicht. «Ziel sind nicht 300'000 Übernachtungen, wir wollen aber wieder auf das Niveau von 2024», sagt Fleischmann. Zuvor gab es zwei Hauptzielgruppen: Bergsportler, die sich gerne in der Natur bewegen, aber kein riesiges Wellness-Angebot brauchen, und Genussmenschen, die sich für die Natur und Kultur interessieren und gut essen wollen.
Wird Blatten zum «Lernort»?
Jetzt könnte eine dritte Gruppe hinzukommen. Blatten könnte zu einem «Lernort» für Schulen und Universitäten werden. Oder allgemein für Leute, die sich für Flora und Fauna interessieren und dafür interessieren, wie sich die Natur nach einem Ereignis wie dem Bergsturz erholt. «Es gab viele Anfragen in diese Richtung», erklärt Fleischmann.
Fafleralp wieder offen
Noch ist das Zukunftsmusik. Ein wichtiger Schritt Richtung Normalität konnte aber diesen Sommer gemacht werden: Die Fafleralp öffnete am 4. Juli wieder für Übernachtungsgäste, seit dem 20. Juli auch für Tagesgäste. Diese Oase der Ruhe blieb vom Bergsturz verschont. Aber der Zugang war nicht mehr möglich. Geschäftsführerin Barbara Achrainer – die am 1. April 2025 übernahm und in den letzten Zügen der Saisonvorbereitung steckte – musste ihr Hotel über ein Jahr geschlossen lassen.
Seit letztem Herbst war zwar der bekannte Lötschentaler Höhenweg wieder offen. Aber die Wanderung zur Fafleralp und zurück dauert zu Fuss rund fünf Stunden. Das machten zu wenige Gäste.
Mini-Postauto auf Notstrasse
Die erste kleine Erlösung kam am 27. Juni mit der Eröffnung der Notstrasse und dem Postautobetrieb zwischen der Lauchernalp und der Fafleralp. Achrainer sagt: «Das war ein unglaublicher Kraftakt und ein kleines Wunder, dass diese Notstrasse so schnell gebaut wurde.» Jetzt windet sie sich vorbei am Schuttkegel bei Blatten den Hang hinauf.
Tatsächlich mussten dafür einige Abschnitte von vorher unbefestigten Strassen geteert werden und nur kleine Postautos mit 16 Sitzplätzen können unter anderem um die vier engen Haarnadelkurven manövrieren. Dabei müssen die Fahrer da auch zweimal ansetzen. Achtmal am Tag fährt das Postauto – du musst aber zwingend am Vorabend bis 16 Uhr deinen Platz reservieren.
Das ist kein Vergleich zur «Autobahn», die es vorher hatte, wie Achrainer sagt. Die Zufahrt war kürzer, häufiger und bot mehr Sitzplätze. Zudem konnte man auch mit dem eigenen Gefährt zu Fafleralp. Das geht jetzt (noch) nicht. Wer mit dem Auto anreist, muss in Wiler parkieren, mit der Gondel auf die Lauchernalp und dann mit dem Mini-Postauto in knapp 30 Minuten bis zur Fafleralp.
«Durchwachsen», nennt Achrainer denn auch den bisherigen Saisonverlauf: «Im Vergleich zu 2024 haben wir rund ein Drittel weniger Gäste. Wir sind froh um jeden, der hierher kommt.»
Tellialp: «Es lief besser als erwartet»
Positiver hört es sich bei Karl Meyer an. Seit 13 Jahren führt er die Tellialp am Höhenweg zwischen Lauchernalp und Fafleralp. Am 27. Juni nahm er den Betrieb nach einem Jahr Unterbruch wieder auf: «Es lief besser als erwartet. Wir hatten super Wetter und mussten noch eine zusätzliche Person einstellen.»
Ob er mindestens eine schwarze Null schreibt – was vor der Saison das Ziel war –, wird sich im Herbst entscheiden. Aber Meyer wirkt, als sei dies möglich. Und das Tschäggättä-Steak ist auf jeden Fall ein Grund für einen Besuch auf der Tellialp, wie der Test auf der organisierten Medienwanderung zeigt.
Vielleicht wird der kommende Winter auch besser, weil noch in diesem Jahr eine neue Seilbahn von Wiler nach Weissried fertiggestellt werden soll und ein neuer Schneeschuh-Trail an der Alp vorbeiführen wird. «Das wäre fantastisch», sagt Meyer. Es würde weitere Tagesgäste bringen. Übernachtungen sind hier nicht möglich.
Hoffen auf den Herbst
Auf der Fafleralp ist die Ausgangslage anders. Dort setzt Achrainer noch konsequenter auf Aufenthaltstourismus und nicht Tagestourismus. Oder wie es die Geschäftsführerin ausdrückt: «Kommen, um zu bleiben. Nicht kommen, um durchzulaufen.»
Geboten werden neben Genuss-Gastronomie auf fast 1800 Metern nicht nur angenehme Temperaturen, sondern auch etwas, das vielerorts ganz besonders geworden ist: Ruhe und Abstand vom Alltag. Diese Ruhe wird denn von den Gästen auch oft als Motiv für den Aufenthalt genannt. «Viele möchten sich erholen und endlich mal wieder richtig gut schlafen», weiss Achrainer.
Und was sind die Hoffnungen für den Herbst? «Die goldenen Lärchen sind hier ein Traum. Wir hoffen auch, dass die Gäste langsam merken: Wir sind wieder offen und sicher erreichbar.»
– Wiederöffnung Hotel Fafleralp
– Wiedereröffnung Restaurant Tellialp
– Wiedereröffnung Camping Kippel
– Weiterführung Wanderbus Faldumalp/Kummenalp
– Erschliessung Fafleralp mit Busbetrieb Lauchernalp-Fafleralp
