Russische Firma bietet das Luzerner «Palace» zum Verkauf an – Eigentümer wehrt sich
Der Kaufpreis überragt alles andere in der Annonce: 275 Millionen Euro, knapp 260 Millionen Franken. Darunter steht: «Hotel in Luzern». Benannt wird das angebotene Objekt nicht. Studiert man aber das Bild sowie den Objektbeschrieb – 5 Sterne, 136 Zimmer, 20’000 Quadratmeter – ist klar: Es kann sich nur um das Hotel Palace am Luzerner Nationalquai handeln.
Wer die jüngste Geschichte des Belle-Époque-Luxushauses kennt, stutzt: Wurde das nicht erst kürzlich aufwendig saniert?
Im September 2022 hatte das «Palace» nach mehrjährigem Umbau und Investitionen von über 100 Millionen Franken seine Wiedereröffnung gefeiert. Übernommen worden war es zuvor vom chinesischen Unternehmer Yunfeng Gao. Betrieben wird es von der Luxushotelkette Mandarin Oriental Hotel Group, deren Portfolio global 46 Fünf-Sterne-Häuser umfasst.
Was zur Frage führt: Hat der neue Eigentümer etwa schon genug?
Grundsätzlich ist es nicht undenkbar, dass ein Hotelbetreiber nach einer Übernahme oder einem Umbau versucht, den Marktwert seiner Immobilie auszuloten. Das gilt insbesondere für das Luxussegment, wo Hotels im Prinzip immer zum Verkauf stehen, sofern sie nicht gerade in Familienhand sind. Meist geschieht dies aber auf diskretem Wege, über spezialisierte Vermittler und nicht via Online-Marktplatz.
Nicht der einzige Fake
Im Fall der «Palace»-Annonce stellt sich entsprechend schnell heraus: Sie ist ein Fake. «Wir können bestätigen, dass es sich bei dem betreffenden Angebot um ein vollständig erfundenes Inserat handelt», sagt General Manager Matthias Kindl. Das Hotel stehe nicht zum Verkauf. «Das Inserat entbehrt jeglicher Grundlage und bildet die tatsächlichen Verhältnisse in keiner Weise ab.»
Kindl hatte die Leitung des «Palace» vor einem Jahr übernommen. Er selbst hatte bis zur Anfrage dieser Zeitung keine Kenntnis von der Annonce. Er habe aber umgehend die Eigentümerschaft informiert. Diese habe inzwischen «bei der betreffenden Plattform interveniert und mit Nachdruck die Entfernung des Inserats verlangt».
Nachforschungen zeigen: Die Plattform «Prianproperty.com», auf der das Inserat geschaltet wurde, ist ein Ableger des bekannten russischen Online-Marktplatzes «Prian.ru». Betrieben wird sie aus der kasachischen Hauptstadt Astana. Und das «Palace»-Inserat ist bei weitem nicht der einzige Fake auf der Seite.
Sucht man nach anderen Gewerbeimmobilien in der Schweiz, finden sich gleich mehrere Inserate für Luxushotels in Genf, Zürich oder St. Moritz – mit Fantasiepreisen von bis zu 700 Millionen Euro. Sogar eine Coop-Filiale wird angepriesen, für vergleichsweise läppische 52 Millionen Euro.
Die falschen Angebote stammen alle von derselben Firma, einer gewissen Europe GmbH mit Sitz in St. Petersburg; die dazugehörige Website wirkt wie ein Relikt aus den Nullerjahren.
Plattformbetreiber reagiert
Was sich das russische Unternehmen davon verspricht, ist unklar. Es hat auf die Bitte nach einer Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht reagiert, ebenso wenig wie die Plattform Prianproperty.com. Auch eine Kontaktaufnahme als potenzieller Interessent blieb unbeantwortet.
Rasch reagiert hat der Plattformbetreiber hingegen auf die Intervention durch den «Palace»-Eigentümer. War das Inserat am Dienstagvormittag noch aufgeschaltet, tauchte es gleichentags am Nachmittag bereits nicht mehr in den Suchergebnissen auf.
Folgt man nun dem Link, ist das Inserat zwar noch zu finden, darüber steht jedoch, dass «die Immobilie ins Archiv verschoben» wurde. Nach Informationen dieser Zeitung hatte die Eigentümerschaft dem Plattformbetreiber mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte dieser die Annonce nicht umgehend entfernen.
Für Besitzer von Immobilien sind solche Fake-Inserate kein Novum, gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz (KI). Zur gängigen Praxis gehört zudem seit Jahren, dass Immobilienvermittler jeweils ohne Kenntnis des Eigentümers nach möglichen Käufern für ein Objekt suchen, um dann ein konkretes Angebot unterbreiten zu können.
Darauf angesprochen, antwortet Hotelmanager Matthias Kindl, dass er dies regelmässig auch im Luxussegment beobachte, jedoch nicht auf derart plumpe Weise wie im vorliegenden Fall. Im Zusammenhang mit dem «Palace» habe es bisher jedenfalls «keine vergleichbaren Vorfälle mit Fake-Inseraten» gegeben. (schweizheute.ch)

