Schweiz
SBB

Flop für die Strategie der SBB – Restaurant in Zürich schliesst

Flop für die Luxus-Strategie der SBB – jetzt schliesst ein Nobel-Restaurant in Zürich

Nach dem Umbau des Südtrakts ihres grössten Bahnhofs setzten die SBB auf teure Gastronomie-Konzepte. Das hat nicht funktioniert.
29.07.2026, 05:1929.07.2026, 05:19
Funktionierte von Anfang an nicht: ein Lokal im Zürcher Hautpbahnhof.
Funktionierte von Anfang an nicht: das Lokal im Zürcher Hautpbahnhof.Bild: Andrea Zahler (Zürich, 23.7.2025)

Die SBB wollen ihre Bahnhöfe aufwerten. Menschen sollen dort mehr Zeit verbringen – und mehr Geld ausgeben. Besonders bemerkbar macht sich diese Strategie am Zürcher Hauptbahnhof, dem grössten der Bahn mit zuletzt täglich 450'000 Ein- und Aussteigenden. Die Bahn nutzte die Ende 2023 abgeschlossene Sanierung des Südtrakts für die gastronomische Aufwertung. Filialen von Burger King und Nordsee verschwanden. Sie wurden ersetzt durch teurere Lokale.

Diese Strategie geriet schnell an Grenzen. Das Lokal, das bei der Eröffnung für die Pizza Margherita 24.50 Franken verlangte, musste bald seine Preise senken. Das als «Brasserie Süd» gestartete Restaurant der stadtbekannten Gastronomen Valentin Diem und Nenad Mlinarevic, das bei der Eröffnung ein Kaviar-Gericht an erste Stelle der Karte setzte, musste nach zwei Jahren sein Konzept ändern und wurde zum italienischen Restaurant umfunktioniert. Das teurere Konzept habe nicht funktioniert.

Die Preise wurden zwar deutlich gesenkt auf ein für Zürich übliches Mass, doch offensichtlich kam der Wechsel zu spät. Das Restaurant wird dichtgemacht, wie der «Tages-Anzeiger» zuerst berichtete. Es wird übernommen von der Zürcher Gastronomie- und Hotel-Kette Candrian, die im Hauptbahnhof bereits mehrere Lokal betreibt wie das Restaurant Federal, ein Sushi-Lokal oder Burger-King-Filialen. Damit schliesst sich ein Kreis: Candrian hatte mit der Eröffnung des Südtrakts gleich zwei Flächen verloren – und erhält nun eine grosse zurück.

SBB halten an ihrer Strategie fest

Haben die SBB die Zahlungsbereitschaft ihrer Kundschaft überschätzt – und war die Luxus-Strategie rückblickend ein Fehler?

Davon will die Bahn nichts wissen. «Es ist normal, dass sich einzelne Konzepte und Nutzungen über die Zeit verändern», sagt SBB-Sprecherin Carmen Hefti. An der grundsätzlichen Strategie eines «vielfältigen und qualitativ hochwertigen Angebots für unterschiedliche Zielgruppen» hielten die SBB fest.

Der Südtrakt eigne sich mit seinem historischen Charakter ideal für ein bedientes Konzept, «das den vielfältigen Gesamtmix im Bahnhof stimmig abrundet». Auch die Nachfolge-Firma Candrian werde an diesem Ort eine Brasserie betreiben.

Den Beteuerungen zum Trotz: Die Aufwertungs-Strategie der SBB gerät an ihre Grenzen – nicht nur in Zürich. Im Bahnhof Basel SBB kündigte die Bahn im Jahr 2023 die Eröffnung eines Montreux Jazz Café und eines Fine-Dining-Restaurants im restaurierten Westflügel an und versprach «einzigartige Anziehungspunkte». Daraus wurde allerdings nichts. Nach einer langen Phase des Leerstands wechselten sich die Betreiber von verschiedenen Gastro-Formaten ab – auch, weil zu wenige Gäste kamen.

In Aarau warfen die SBB Burger King raus. Ein Nachmieter kam nicht, die Fläche stand über zwei Jahre lang leer. Nun zieht ein Anbieter von Billigmode ein. In Zürich-Enge haben die SBB McDonald's nach 24 Jahren den Laufpass gegeben und durch eine teurere, deutsche Burger-Kette ersetzt – mit der Folge, dass das Lokal oft leer wirkt, während McDonald's gleich nebenan eine gut besuchte Filiale eröffnet hat. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
33 WC-Fails, die schlimmer sind als das Männer-Klo in der SBB
1 / 35
33 WC-Fails, die schlimmer sind als das Männer-Klo in der SBB
bild: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Tote Tauben am Zürcher Hauptbahnhof – das sagen die SBB dazu
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
126 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Stambuoch
29.07.2026 07:18registriert März 2015
"Die Preise wurden zwar deutlich gesenkt auf ein für Zürich übliches Mass"

Also immernoch überteuert für das, was man erhält.
1012
Melden
Zum Kommentar
avatar
The Barbarian
29.07.2026 06:00registriert Oktober 2025
Die Lohnabhängigen erhalten kaum einen Ausgleich für die Inflation. Der offizielle Warenkorb der Konsumentenpreise mag ein differenziertes Bild in der Phantasie zeichnen, im Alltag sind jedoch zahlreiche Preise massiv gestiegen, damit Vermögende immer reicher werden können. Genau darin liegt dann wohl der springende Punkt: Diese Kundschaft hält sich kaum in Bahnhofshallen auf. Lohnabhängige hingegen müssen jeden Franken zweimal umdrehen und entscheiden sich daher eher für einen Take-away als für Luxus in der Bahnhofshalle. SBB-Strategen verkennen die Zukunft.
9619
Melden
Zum Kommentar
avatar
El Dudo
29.07.2026 06:20registriert März 2020
Meines Wissens ging es de SBB nicht darum 'teuer' zu platzieren, sondern anstatt den genannten, ewig gleichen internationalen Fastfood-Ketten, lokale Gastronomen wie Yardbird, Action Burger oder eben der Brasserie Süd einen Platz zu geben.
Das Konzept scheiterte wohl an der Unbekanntheit der Brands, sowie an den teuren Mieten der SBB. Diese führten mitunter auch dazu, dass die Anbieter 'ein bisschen teurer' waren.

Idee gut, Outcome weniger.
9822
Melden
Zum Kommentar
126
«Ich bekam bis zu 2000 Franken Trinkgeld im Monat» – nun soll es steuerfrei werden
Vom Nebenjobber bis zum Wirt: Drei Gastro-Leute erzählen watson, wie wichtig Trinkgeld für sie ist – und was sie von der geplanten Steuer- und Abgabenbefreiung halten, die der Nationalrat am Montag debattiert. Ein Arbeitsrechtsexperte warnt vor einem Eigentor.
Trinkgelder sind steuer- und AHV-beitragspflichtig, wenn sie einen wesentlichen Teil des Lohns ausmachen. Doch: Ab welchen Beträgen diese Schwelle überschritten ist, definiert das Gesetz nicht im Detail. Wie viel eine Servicekraft in bar einnimmt, ist zudem oft schwer nachvollziehbar.
Zur Story