Schweiz
Schule - Bildung

Schweizer Lehrerverband fordert mehr Ressourcen für Integrative Schule

Urs Bieri, Co-Leiter gfs Bern und Dagmar Roesler, Praesidentin Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, LCH, von links, aeussern sich an einer Medienkonferenz zu integrativer Schule, am Donnersta ...
Urs Bieri, Co-Leiter GFS Bern, und Dagmar Rösler, Präsidentin des LCH, an der Medienkonferenz in Bern, 13. August 2026.Bild: keystone

Lehrerverband fordert mehr Ressourcen für Integrative Schule

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer fordert mehr Mittel für die Integrative Schule. Er schlägt Alarm: Fehlende personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen gefährdeten das Projekt der inklusionsorientierten Schule, wie der Verband sie nennt. Das Lehrpersonal ist laut einer Umfrage fast genau hälftig gespalten zwischen Zustimmung und Skepsis.
14.08.2026, 13:4714.08.2026, 13:47

«Wer Integration bestellt, muss sie auch bezahlen», sagte Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), am Donnerstag vor den Medien in Bern. Die inklusionsorientierte Schule, bei der förderungsbedürftige Kinder nicht ausgesondert werden, könne funktionieren. Das Thema ist schweizweit seit Jahren ein Politikum; so forderte die FDP bereits die Abschaffung des integrierten Unterrichts.

Der institutionelle Anspruch und die Realität im Schulalltag klaffen weit auseinander, wie eine Umfrage unter 10'394 Lehrpersonen, schulischen Heilpädagoginnen und -pädagogen sowie therapeutischem Personal ergab. So steht zwar eine – wenn auch knappe – Mehrheit hinter der Integrativen Schule, aber ein sehr grosser Teil fühlt sich überlastet.

In der Umfrage zeigte sich, dass 51 Prozent der Befragten die Idee hinter der Integrativen Schule befürworten, während ihr 48 Prozent skeptisch und ein Prozent neutral gegenüberstehen. Diese Skepsis sei aber «kein Ausdruck mangelnden Wollens, sondern das Resultat von zu wenig oder schlecht verteilten Ressourcen», relativierte Rösler.

Grosse Zahl an Förderbedürftigen

Immerhin ist gemäss der im März vom Meinungsforschungsinstitut GFS Bern durchgeführten Umfrage in einer durchschnittlichen Klasse fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler auf irgendeine Art förderungsbedürftig. Gründe können unter anderem Lern- und Leistungsstörungen sein, ADHS/ADS oder Sprach- und Sprechstörungen. Am häufigsten treten diese in den Fächern Mathematik und Deutsch auf.

Unterstützung sei zwar vorhanden, werde aber von 57 Prozent der befragten Lehrpersonen als nicht ausreichend eingeschätzt, so die Umfrage. Aufholbedarf sehen die Lehrpersonen demnach vor allem bei zeitnahen Beurteilungen sowie bei finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen. Seien diese Voraussetzungen erfüllt, erlebten die Lehrpersonen die integrative Schule als positiv.

«Kein gescheitertes Projekt»

Die Integrative Schule sei kein gescheitertes Projekt, betonte Rösler. Sie sei ein Projekt, das sich weiterentwickeln müsse und das letztlich weniger koste als ein doppelspurig geführtes Schulsystem. Dass besonders Klassenlehrpersonen und Lehrpersonen der Sekundarstufe I (7. bis 9. Klasse der obligatorischen Schule) derzeit die zusätzliche Last schultern, müsse sich allerdings ändern.

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer fordert deshalb eine Beschleunigung der Prozesse zwischen Förderantrag und Umsetzung der Massnahmen, flexible Ressourcen, kleinere Klassen je nach Situation sowie mehr Personal und Zeit zur Entlastung des bisherigen Lehrpersonals. Ausserdem fordert der Verband sogenannte Schulinseln, wo Schülerinnen und Schüler, die den Regelunterricht stören, befristet aufgenommen würden, bis sie wieder in ihre Stammklasse integriert werden.

Behindertenverband: Gemischte Klassen wichtig

Inclusion Handicap, der Dachverband der Behindertenorganisationen in der Schweiz, schloss sich der Argumentation des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes an. Inklusion – gleichberechtigte Teilhabe – sei für die schulische Entwicklung von Kindern mit Behinderung entscheidend, hiess es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Verschiedene Studien zeigten nämlich, dass Kinder mit Behinderungen in inklusiven Klassen bessere Lernfortschritte machen. Separation hingegen verringere die Fortschritte, und dies sei in den meisten Fällen unumkehrbar und führe in ein Leben der Abgrenzung. (sda)

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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Spi
14.08.2026 21:21registriert März 2015
Bin Vater eines Kindes, welche mit viel Unterstützung die inkludierte Schule durchlebt hat und muss konsterniert feststellen, dass die nicht wirklich etwas gebracht hat. Ein Kind, welches ein komplett tieferes Lerntempo hat, verliert in der Normklasse nach einem guten Jahr komplett den Anschluss und fühlt sich schlecht. Bei uns kam es dann auch noch zu psychischen Problemen bis zur Schulverweigerung. Da müssen andere Ansätze her! Für mich ist die inkludierte Schule gescheitert.
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Bambulee
14.08.2026 16:24registriert Januar 2016
Verschiedene Studien zeigten nämlich, dass Kinder mit Behinderungen in inklusiven Klassen bessere Lernfortschritte machen.

Und welche Auswirkungen haben die inklusiven Klassen auf Kinder ohne Behinderungen / Einschränkungen?
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AlbertRichtig
14.08.2026 16:50registriert Oktober 2025
Ich habe Lehrpersonen im Freundeskreis und was diese vor allem Bemängeln ist die Realitätsverdrehung, die teils nötig sind, um inklusive Konzepte aufrecht zu erhalten. Ist halt wie überall wo Akzeptanz gefordert wird: man muss die Augen vor dem was man sieht verschliessen und so tun als wäre alles anders als es ist, um keine Probleme aufkochen zu lassen.
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