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Im Kanton St.Gallen startet eine breit angelegte Cannabis-Studie

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Im Rahmen einer Studie dürfen im Kanton St.Gallen während fünf Jahren 3300 Personen Cannabis legal kaufen dürfen.Bild: www.imago-images.de
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Im Kanton St.Gallen startet eine breit angelegte Cannabis-Studie

Während fünf Jahren werden im Kanton St. Gallen rund 3300 Personen Cannabis legal kaufen können. Zum ersten Mal wird auch der Postversand von Cannabisprodukten getestet, wie der Verein Swiss Cannabis Research am Dienstag in St. Gallen bekanntgab.
16.06.2026, 13:5716.06.2026, 16:39

Kiffen könnte in der Schweiz in naher Zukunft legal werden. Eine vorberatende Kommission des Nationalrates hat die entsprechenden Weichen bereits gestellt. Wie könnte die Schweizer Cannabispolitik dereinst aussehen und der Konsum, Verkauf und Vertrieb von Cannabisprodukten mit dem psychoaktiven Wirkstoff THC reguliert werden? Wie wirkt sich eine legale Abgabe von Cannabis aus, etwa auf den Schwarzmarkt? Diesen und weiteren Fragen widmet sich neu eine Studie im Kanton St. Gallen.

«Unser Ziel ist es, evidenzbasierte Grundlagen für Politik, Gesellschaft und Prävention zu schaffen», sagte Paul-Lukas Good vom Zürcher Verein Swiss Cannabis Research am Dienstag in der Stadt St. Gallen an einer Medienkonferenz. Der Verein wolle aufzeigen, wie eine «gute Gesetzgebung» rund um eine Cannabislegalisierung aussehen könnte. Begleitet von einem unabhängigen Forschungsteam der Universität Zürich und dem KOF Institut ETH Zürich lanciert der Verein deshalb eine Cannabis-Studie im Kanton St. Gallen.

Seit einigen Tagen ist es möglich, sich online für das St. Galler Projekt anzumelden. Maximal 5000 Personen aus den 43 teilnehmenden St. Galler Gemeinden können mitmachen. Zwei Drittel von ihnen dürfen dann während fünf Jahren Cannabisprodukte legal einkaufen und konsumieren. Ein Drittel der Studienteilnehmenden bildet eine sogenannte Kontrollgruppe, die weiterhin auf dem Schwarzmarkt einkaufen muss.

Teilnehmer müssen bereits gekifft haben

Auch wenn grundsätzlich jede Person an der Studie teilnehmen kann, gibt es gewisse Einschränkungen. Die Teilnehmenden müssen bereits vor der Studie Cannabis konsumiert haben und volljährig sein. Gewisse Vorerkrankungen und auch eine Schwangerschaft sind ein Ausschlusskriterium.

Die Probandinnen und Probanden können voraussichtlich ab Herbst Cannabisprodukte in Apotheken in Sargans, Buchs und Rorschach legal kaufen. In Wil und Rapperswil wird es zudem sogenannte Swiss Cannabis Center geben, die vom Verein Swiss Cannabis Research betrieben werden. Auch sie geben die Cannabisprodukte ab, darunter Blüten, Haschisch oder Vapes.

Für einen Teil der Probandinnen und Probanden bietet der Verein zudem erstmals die Möglichkeit an, Cannabisprodukte über den Postversand nach Hause senden zu lassen. Von allen Gemeinden, welche an der Studie teilnehmen, ist in 26 eine Postzustellung möglich. Darunter in Flawil, Jonschwil, Mels, Goldach oder Oberuzwil.

In der Stadt St. Gallen, die ebenfalls eine der teilnehmenden Gemeinden ist, ist aktuell weder eine Abgabestelle vorgesehen noch ein Versand möglich. Gespräche bezüglich einer Abgabestelle in der Kantonshauptstadt seien noch am Laufen, sagte Paul-Lukas Good. Jede Abgabe werde begleitet durch Verkaufsgespräche respektive durch Beratungs- und Präventionsgespräche. Die Menge an THC-haltigen Produkten, die pro Monat abgegeben werden darf, ist limitiert.

«Weniger Kontakt zum Schwarzmarkt»

Beim legalen Zugang zu Cannabis gehe man grundsätzlich von zwei Szenarien aus. Dies ergänzte Andreas Beerli, Projektleiter Forschung am KOF Institut ETH Zürich, als er die Details der Studie erläuterte. «Es könnte positive Auswirkungen haben, wenn man den Leuten Zugang zu legalem Cannabis gibt. Zum Beispiel kann es sein, dass man weniger Kontakt hat mit dem Schwarzmarkt und dadurch auch weniger in Kontakt kommt mit harten Drogen.»

Negative Effekte könnte es aber auch geben. «Es liegt auf der Hand, dass es sein könnte, dass man legal kontrollierten Produkten mehr vertraut in punkto Qualität. Ein stimulierender Konsum wäre denkbar».

«Wir wissen nicht, welcher Effekt überwiegt», so Beerli. «Unser Ziel ist es, dass wir eine solide kausale Evidenz schaffen für eine gute Ausgestaltung der Cannabispolitik.»

Wie viel sollen Cannabisprodukte kosten?

Dazu teilt sich die St. Galler Studie in zwei Phasen auf. Während zehn Wochen wird eruiert, wie viel die Probandinnen und Probanden für Cannabisprodukte zu zahlen bereit sind. Diese Erkenntnisse bildeten eine wichtige Grundlage für eine spätere Preis- und Steuerpolitik. «Wenn der Preis des legalen Produkts zu hoch ist, kaufen die Leute weiterhin auf dem Schwarzmarkt ein. Wenn der Preis zu tief ist, wird der Konsum stimuliert.», so Beerli.

Während der anschliessenden Langzeitstudie von vier Jahren rücken unter anderem die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Zugangs zu reguliertem Cannabis in den Fokus: Wie entwickeln sich die Bildungsverläufe, die Erwerbssituation, der Konsum und auch die Delinquenz der Probandinnen und Probanden, die legal Cannabis beziehen dürfen?

Auch diese Aspekte beleuchtet die Studie und vergleicht die Ergebnisse dann mit denjenigen Personen, die ihre Cannabisprodukte weiterhin auf dem Schwarzmarkt bezogen haben. «Dadurch können wir Rückschlüsse auf die kausale Wirkung des legalen Zugangs zum Beispiel auf die Bildungsverläufe erkennen».

Es soll auch analysiert werden, welchen Effekt die Einfachheit des Zugangs auf verschiedene Aspekte des Lebens hat. «Wir wollen so Erkenntnisse gewinnen, wie der Handel, der nicht in den physischen Shops stattfindet, reguliert werden könnte», so Beerli.

Ähnliche Studie in Zürich

Eine ähnliche Studie des Vereins Swiss Cannabis Reserach läuft bereits im Kanton Zürich. Dort werden vor allem die sozialen und wirtschaftlichen Folgen einer legalen Abgabe von Cannabisprrodukten untersucht und angeschaut, wie sich negative Folgen verringern lassen. (sda)

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