Koks und Cannabis sind das neue Bier auf Baustellen
Die Präventionsarbeit in der Baubranche hat sich gewandelt. Auf Baustellen wird kaum mehr Alkohol getrunken. Auch verschärfte Regeln der Versicherungen und das veränderte Konsumverhalten trugen dazu bei. Doch konsumiert wird noch immer. Das bestätigt der Co-Leiter Sektor Bau bei der Gewerkschaft Unia, Chris Kelley, gegenüber der NZZ am Sonntag:
Im Trend sind unterschiedliche Substanzen: Cannabis, Kokain oder Amphetamine. Gerade letztere sollen die körperliche Leistung steigern. Kelley spricht von einer Krise im Baugewerbe, die eskalieren könnte. Denn der Fachkräftemangel und der Bauboom verschärfen das Problem: «Alle Betroffenen sagen uns das Gleiche: Die Drogen werden wegen des steigenden Drucks genommen.» Viele würden sich vor einem Burnout fürchten. Kelley fordert deshalb neue Präventionskampagnen.
Zahlen zum Konsum gibt es nicht. Und Drogentests sind rechtlich heikel. Eine Personalvermittlerin sagt jedoch zur Zeitung: «Der Konsum auf Grossbaustellen ist ein offenes Geheimnis.» Auch beim Drug-Checking in Bern und Biel, dem Contact Nightlife, hat man Erfahrung damit. Regelmässig würden Bauarbeiter das Angebot nutzen, sagt Stiftungsleiter Thomas Koller zur Zeitung. Auch hier werde oft der Leistungsdruck als Grund für den Konsum genannt.
Kokain-Fund beim Rückbau des AKW Mühleberg
«Wir haben aber keine Hinweise, dass es sich um ein branchenspezifisches Problem handelt», sagt hingegen Jacquelinbe Theiler, Kommunikationsleiterin des Baumeisterverbands, zur «NZZ am Sonntag». Vielmehr spiegle sich in der Arbeitswelt das, was auch in der Gesellschaft geschehe. Mitglieder des Verbands würden deshalb für eine Nulltoleranz sensibilisiert.
Das scheint jedoch noch nicht überall zu greifen: Im Januar wurde bekannt, dass auf einer Toilette beim stillgelegten Kernkraftwerk Mühleberg, das sich im Rückbau befand, weisse Spuren entdeckt worden waren. Es handelte sich um Amphetamin. Zwei Arbeiter wurden daraufhin entlassen. (vro)
