Schweiz
Arbeitswelt

Mehr Drogen auf Baustellen wegen Leistungsdruck

[gestellte Aufnahme] Ein Mann konsumiert am 11. November 2006 Kokain in einer Privatwohnung in Zuerich. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) === , ===

[posed picture] A man is consuming cocaine in a private ap ...
Der Konsum von Kokain auf Baustellen hat mutmasslich deutlich zugenommen. (Symbolbild)Bild: KEYSTONE

Koks und Cannabis sind das neue Bier auf Baustellen

Auf Baustellen wurde früher viel Bier getrunken. Das hat sich geändert. Statt Alkohol werden nun verbreitet Amphetamine oder Cannabis konsumiert. Den Grund sehen viele im Leistungsdruck.
19.04.2026, 09:5319.04.2026, 09:53

Die Präventionsarbeit in der Baubranche hat sich gewandelt. Auf Baustellen wird kaum mehr Alkohol getrunken. Auch verschärfte Regeln der Versicherungen und das veränderte Konsumverhalten trugen dazu bei. Doch konsumiert wird noch immer. Das bestätigt der Co-Leiter Sektor Bau bei der Gewerkschaft Unia, Chris Kelley, gegenüber der NZZ am Sonntag:

«Heute wird auf dem Bau so gut wie nicht mehr getrunken. Dafür häufen sich leider Meldungen über Drogenkonsum.»

Im Trend sind unterschiedliche Substanzen: Cannabis, Kokain oder Amphetamine. Gerade letztere sollen die körperliche Leistung steigern. Kelley spricht von einer Krise im Baugewerbe, die eskalieren könnte. Denn der Fachkräftemangel und der Bauboom verschärfen das Problem: «Alle Betroffenen sagen uns das Gleiche: Die Drogen werden wegen des steigenden Drucks genommen.» Viele würden sich vor einem Burnout fürchten. Kelley fordert deshalb neue Präventionskampagnen.

Bier Baustelle Alkohol
Früher war es das Bier, heute die Drogen. (Symbolbild)Bild: www.imago-images.de

Zahlen zum Konsum gibt es nicht. Und Drogentests sind rechtlich heikel. Eine Personalvermittlerin sagt jedoch zur Zeitung: «Der Konsum auf Grossbaustellen ist ein offenes Geheimnis.» Auch beim Drug-Checking in Bern und Biel, dem Contact Nightlife, hat man Erfahrung damit. Regelmässig würden Bauarbeiter das Angebot nutzen, sagt Stiftungsleiter Thomas Koller zur Zeitung. Auch hier werde oft der Leistungsdruck als Grund für den Konsum genannt.

Kokain-Fund beim Rückbau des AKW Mühleberg

«Wir haben aber keine Hinweise, dass es sich um ein branchenspezifisches Problem handelt», sagt hingegen Jacquelinbe Theiler, Kommunikationsleiterin des Baumeisterverbands, zur «NZZ am Sonntag». Vielmehr spiegle sich in der Arbeitswelt das, was auch in der Gesellschaft geschehe. Mitglieder des Verbands würden deshalb für eine Nulltoleranz sensibilisiert.

Das scheint jedoch noch nicht überall zu greifen: Im Januar wurde bekannt, dass auf einer Toilette beim stillgelegten Kernkraftwerk Mühleberg, das sich im Rückbau befand, weisse Spuren entdeckt worden waren. Es handelte sich um Amphetamin. Zwei Arbeiter wurden daraufhin entlassen. (vro)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Es reicht! Tausende Bauarbeiter streiken in der Deutschschweiz
1 / 12
Es reicht! Tausende Bauarbeiter streiken in der Deutschschweiz
Auf diversen Baustellen in der Deutschschweiz stand der Betrieb am 10. November 2015 still.
quelle: keystone / nick soland
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Ich habe eine halbe Million Franken für Drogen ausgegeben»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
105 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Acai
19.04.2026 10:14registriert März 2017
Cannabis zur Leistungssteigerung? Eher nicht. Das hilft höchstens am Abend, um runter zu kommen.
1214
Melden
Zum Kommentar
avatar
Vegelbud
19.04.2026 10:33registriert Juli 2025
Das ist auch seit Jahren in den Küchen weit verbreitet.
832
Melden
Zum Kommentar
avatar
Chrisixx
19.04.2026 10:34registriert März 2016
Weniger Bier und mehr Koks, müssten die Baustellen dann nicht schneller fertig werden? 😅
6911
Melden
Zum Kommentar
105
«Die Schweiz, die die Initianten im Kopf haben, gibt es nicht mehr»
Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» will das Bevölkerungswachstum deckeln. Ein Demografie-Experte sieht kein Platz-, sondern ein Planungsproblem. Und ruft dazu auf, die Identität der Schweiz neu zu denken.
Die Schweiz stimmt am 14. Juni über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ab. Wie entwickelt sich die Schweizer Bevölkerung?
Mathias Lerch: Die Schweizer Bevölkerung hat ein moderates Wachstum von etwa einem Prozent pro Jahr. Im europäischen Vergleich liegt sie damit im höheren Bereich. Aber nicht nur die Schweizer Bevölkerung wächst. Die Schweiz befindet sich auf einer europäischen Wachstumsinsel, zu der auch Norditalien, Süddeutschland und Ostfrankreich mit ihren wirtschaftlichen Zentren wie Milano, Stuttgart und Lyon gehören. Diese Insel ist ein demografisches und ökonomisches Powerhouse.
Zur Story