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Cédric Wermuth will nach Wegzug zu Luzern Aargauer Nationalrat bleiben

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Cédric Wermuth verlässt den Aargau.Bild: keystone

Cédric Wermuth zieht nach Luzern – und will trotzdem Aargauer Nationalrat bleiben

Kaum einer prägte die Aargauer SP in den vergangenen Jahren so wie Cédric Wermuth. Jetzt zieht er nach Luzern – und erklärt, weshalb er Aargauer Nationalrat bleiben möchte.
27.10.2026, 13:0727.10.2026, 13:07
Matthias Niederberger
Matthias Niederberger

Vor 15 Jahren wurde Cédric Wermuth in den Nationalrat gewählt. Damals war er 25 Jahre alt und erhielt gut 40'000 Stimmen von den Aargauerinnen und Aargauern. Mittlerweile präsidiert er gemeinsam mit Mattea Meyer die SP Schweiz. Nun zieht er weg aus jenem Kanton, in dem seine politische Karriere begann.

Am Dienstagmorgen informierte Wermuth seine Partei darüber, dass er in die Stadt Luzern ziehen wird. Derzeit wohnt er in Zofingen, aufgewachsen ist er in Boswil. Der Umzug sei auf Ende des Schuljahres – also im Juli 2027 – geplant.

Den Entscheid habe er gemeinsam mit seiner Familie und «mit viel Vorfreude» getroffen, schreibt Wermuth in einer E-Mail an die Aargauer SP‑Delegierten. «In Luzern leben viele Menschen, die uns am Herzen liegen: Familie, Freundinnen und Freunde. Wir freuen uns sehr, künftig näher bei ihnen zu sein. Und wir dürfen in einem jungen Genossenschaftsprojekt mithelfen, eine neue Nachbarschaft aufzubauen.» Wermuths Frau ist im Kanton Luzern aufgewachsen und hat lange in der Stadt Luzern gewohnt.

Die Gelegenheit für den Umzug habe sich erst Anfang Herbst ergeben. Bei der Nomination im April habe er noch nichts davon gewusst.

Aargau bleibt Wermuths politische Heimat

Cédric Wermuth betont, dass er informieren wolle, bevor die SP am 7. November ihre Liste für die Nationalratswahlen definitiv verabschiedet. Er möchte nämlich nicht in seinem neuen Heimatkanton Luzern kandidieren, sondern weiterhin im Aargau.

Wermuth begründet diesen Entscheid damit, dass die SP Aargau seine politische Heimat sei und sich daran nichts ändere: «Hier bin ich politisch gross geworden, hier durfte ich meine ersten Reden halten, hier verteile ich im Abstimmungskampf Flyer.» Dass ihn die Partei im Frühling mit grossem Vertrauen nominiert habe, habe ihn sehr gefreut. Dieses Vertrauen wolle er nun einlösen.

Cédric Wermuth (zweiter von rechts) machte oft Wahlkampf auf den Aargauer Strassen: Hier eine Aktion am Bahnhof Lenzburg im Jahr 2019.
Cédric Wermuth (zweiter von rechts) machte oft Wahlkampf auf den Aargauer Strassen: Hier eine Aktion am Bahnhof Lenzburg im Jahr 2019.Bild: zvg

Nationalräte haben keine Wohnsitzpflicht

Tatsächlich ist es Nationalrätinnen und Nationalräten erlaubt, in einem anderen Kanton als ihrem Wohnsitzkanton gewählt zu werden. Gemäss Bundesverfassung sind alle Stimmberechtigten in den Nationalrat wählbar.

Anders ist es beim Ständerat: Dessen Wahl wird von den Kantonen geregelt. Im Aargau wird dabei ein Wohnsitz im Kanton vorausgesetzt.

Trotzdem werden Nationalrätinnen und Nationalräte von der Bevölkerung mit ihrem jeweiligen Wahlkanton in Verbindung gebracht. Wermuth hingegen argumentiert damit, dass sie das ganze Land vertreten. «Am Ende entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Sie wählen eine Politik, nicht eine Adresse.» Deshalb sei es für ihn nur logisch, dass er weiter im Kanton Aargau kandidiere.

Es gibt mehrere aktuelle und ehemalige Parlamentsmitglieder, die nicht im selben Kanton wohnten, für den sie in den Nationalrat gewählt wurden. Unter anderem eine Frau, die politisch kaum weiter von ihm entfernt sein könnte: Magdalena Martullo-Blocher.

Die SVP-Politikerin sitzt seit 2015 für Graubünden im Nationalrat und hat dort auch den Sitz ihres Unternehmens, lebt jedoch im Kanton Zürich. Tim Guldimann (SP) wurde 2015 sogar als Auslandschweizer mit Wohnsitz in Berlin für Zürich in den Nationalrat gewählt.

Anders lag der Fall bei Simon Stocker, weil es um einen Sitz im Ständerat ging. Der Schaffhauser wurde 2023 zunächst in den Ständerat gewählt. Seine Wahl wurde später jedoch wegen der Frage angefochten, ob er die kantonale Wohnsitzvoraussetzung erfüllte. Stocker musste nochmals antreten – und verlor.

Weshalb Wermuth nicht in Luzern kandidiert

Auf die Frage, weshalb er nicht in seinem künftigen Heimatkanton kandidieren wolle, sagt Wermuth: «Das stand nie zur Debatte.» Seine politische Laufbahn hätten ihm die Aargauerinnen und Aargauer und die Kantonalpartei ermöglicht. «Dafür empfinde ich viel Dankbarkeit. Meine Verbindung zu den Menschen im Aargau bleibt tief.»

Als Aargauer Nationalrat müsse er ohnehin viel unterwegs sein, der Kanton sei bekanntlich stark regionalisiert. Als Co-Präsident der SP Schweiz habe sich das nochmals intensiviert, die Auftritte im ganzen Land gehörten zum Amt. Auch künftig werde er deshalb regelmässig im Aargau anzutreffen sein, sagt Wermuth.

KEYPIX - Die Co-Praesidenten Mattea Meyer, SP-ZH, links, und Cedric Wermuth, SP-AG, werden in ihrem Amt bestaetigt an der Delegiertenversammlung der SP Schweiz, am Sonntag, 18. Oktober 2026 in Thun. ( ...
Mattea Meyer und Cédric Wermuth wurden am 18. Oktober als Co-Präsidium der SP Schweiz bestätigt.Bild: keystone

Er nennt hauptsächlich persönliche und keine parteistrategischen Gründe. Doch auch solche dürften eine Rolle spielen. Im Kanton Aargau ist Wermuth etabliert und verfügt über gute Wahlchancen. Im Kanton Luzern hingegen hält die SP derzeit zwei Nationalratssitze, besetzt von David Roth und Hasan Candan.

Eine Kandidatur Wermuths würde die Partei dort vor eine heikle Ausgangslage stellen: Damit alle drei einen Sitz erhielten, müsste die SP einen zusätzlichen Sitz gewinnen. Andernfalls würde entweder Wermuth die Wahl verpassen oder einer der beiden Bisherigen seinen Sitz verlieren.

Ob er sich vorstellen könne, später einmal für ein politisches Amt im Kanton Luzern zu kandidieren, lässt Wermuth offen. «Im Moment gilt mein Fokus den Wahlen im nächsten Jahr.» (schweizheute.ch)

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