Schweiz
Umfrage

Umfrage: Nein-Trend bei der 10-Millionen-Initiative bestätigt sich

Ein Plakat wirbt fuer ein Nein zur Nachhaltigkeits-Initiative, Keine 10-Millionen-Schweiz! , SVP Chaos Initiative, fotografiert am Montag, 18. Mai 2026 in Bern. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Die Gegner der SVP-Initiative machen weiter an Boden gut.Bild: keystone
Umfrage

«Nein»-Lager bei 10-Millionen-Initiative legt zu – spannendes Rennen beim Zivildienst

Zwei neue Umfragen zu den Abstimmungen am 14. Juni zeigen: Ende Mai wäre die «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative der SVP von etwas mehr als der Hälfte der befragten Wählerinnen und Wähler abgelehnt worden. Weiterhin uneindeutig blieb die Lage bei der Reform des Zivildienstgesetzes.
03.06.2026, 06:0003.06.2026, 09:43

10-Millionen-Initiative

Bei der «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative der SVP stellte die SRG in in der zweiten, vom Institut gfs.bern durchgeführten Umfrage einen Trend Richtung Nein fest. Gegenüber der ersten Befragung ist dieser Anteil von 47 auf 52 Prozent gestiegen, während der Ja-Anteil von 47 auf 45 Prozent sank.

Die Umfrage des Instituts LeeWas für 20 Minuten und Tamedia zeigte die gleiche Entwicklung: Hier lag die Ablehnung bei 52 Prozent (gegenüber 46 Prozent in der vorherigen Umfrage). Die Zustimmung hingegen ging von 52 auf 47 Prozent zurück. Letzte Woche zeigte eine Umfrage des Instituts YouGov ebenfalls einen leichten Trend zum Nein der Initiative, mit 51 Prozent Ablehnung gegenüber 43 Prozent Befürwortung.

Allein gegen den Rest

Mit ihrem Text fordert die SVP eine strenge Einwanderungskontrolle, damit die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 nicht über 10 Millionen steigt. Massnahmen müssten dann ergriffen werden, wenn die Bevölkerung die 9,5-Millionen-Marke überschreitet.

Es überrascht nicht, dass die SVP-Anhänger geschlossen hinter der Initiative stehen, während sie Linke und Grünliberale deutlich ablehnen. In der politischen Mitte hat sich die Ablehnung bei der CVP und der FDP verstärkt. Letztere haben sich ebenfalls dem Nein-Lager angeschlossen (52 Prozent laut Tamedia-Umfrage, 55 Prozent laut SRG-Umfrage).

Die Wahlbevölkerung in der Deutschschweiz lehnt die Initiative eher halbherzig ab, während sie von der Westschweiz entschlossen abgelehnt wird (56 bis 61 Prozent). Auch eine Kluft zwischen Stadt und Land zeichnet sich ab, wobei städtische Wählerinnen und Wähler vehement gegen die Initiative sind, während sie in ländlichen Regionen akzeptiert würde.

Bei Frauen scheint die Ablehnung ebenfalls deutlicher zu sein, als bei Männern.

Video: watson/Aylin Erol, Michael Shepherd

Starke Mobilisierung

Dem Institut gfs.bern zufolge deutet derzeit nichts auf eine ungewöhnliche Protestdynamik zugunsten der Initiative hin. Bei dem Anstieg der Nein-Stimmen lasse sich damit eine klassische Entwicklung beobachten.

Die Meinungen stünden fest – nun werde vor allem die Mobilisierung den Ausschlag geben. Beide Meinungsforschungsinstitute präzisierten auf Anfrage, dass die Auswirkungen des Messerangriffs in Winterthur ZH auf die Abstimmungsabsichten nicht bekannt seien.

Zivildienstgesetz

Vor der Abstimmung über die Reform des Zivildienstes bleibt es spannend: In der Umfrage von 20 Minuten/Tamedia standen beide Lager gleichauf (je 48 Prozent). In der Umfrage der SRG hatte das Ja-Lager einen leichten Vorsprung (48 gegenüber 46 Prozent), doch der Abstand wird kleiner, wie ein Vergleich mit der letzten veröffentlichten Umfrage vom 8. Mai zeigt. Damals wurde eine Annahme der Reform mit 52 Prozent prognostiziert, bei einer Ablehnungsquote von 40 Prozent.

Für ein Behördenprojekt handelt es sich laut gfs.bern um einen «Ausnahmefall».

Die YouGov-Umfrage vor einer Woche ergab hingegen 44 Prozent Nein-Stimmen und 40 Prozent Ja-Stimmen. Der hohe Anteil an Unentschlossenen (16 Prozent) erschwerte allerdings jede Prognose.

Von Linken und Grünliberalen wird das Projekt, das den Wechsel vom Militärdienst zum Zivildienst erschweren soll, abgelehnt. Vom bürgerlichen Lager wird es unterstützt. Besonders bemerkenswert ist: Während die Zustimmung der Personen, die dem Bundesrat vertrauen, zurückgeht, bleibt sie bei den regierungskritischen Personen stabil. Das Institut gfs.bern spricht hier von einer «atypischen Konstellation».

Bei den Frauen zeichnete sich ein Nein ab, während Männer das Projekt mehrheitlich unterstützten. Auf dem Land fand die Vorlage mehr Zustimmung als in der Stadt (allerdings, so die SRG-Umfrage, mit einer relativen Mehrheit).

Video: watson/hanna hubacher, michael shepherd

Alles noch offen

Die Deutschschweiz ist nach wie vor am ehesten bereit, dem Entwurf zuzustimmen, doch auch hier schwindet der Ja-Anteil. Mit einem knappen Nein ist die Westschweiz kritischer (50 Prozent laut 20-Minuten/Tamedia-Umfrage, 51 Prozent gemäss SRG). «Der Ausgang (der Abstimmung) bleibt offen», stellte gfs.bern fest.

Die SRG-Umfrage wurde zwischen dem 19. und 27. Mai unter 19'400 Stimmberechtigten durchgeführt. Die Fehlerquote beträgt +/- 2,8 Prozentpunkte.

Die Umfrage von 20 Minuten/Tamedia wurde am 27. und 28. Mai unter 14'818 Personen durchgeführt. Die Fehlerquote hier liegt bei +/- 1,1 Prozentpunkten. (cma/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
170 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Chris_A
03.06.2026 07:20registriert Mai 2021
Verstehe ich das richtig? Die SVP will auch ein Ja beim Zivildienstgesetz was bedeuten würde das in Spitäler und Altersheime diese Leute fehlen werden und man dann mehr Mitarbeiter im Ausland rekrutieren muss. Da fehlen mit die Worte.
11228
Melden
Zum Kommentar
avatar
nukular
03.06.2026 06:47registriert Juni 2016
wichtig dabei: es darf nicht sein, dass die alten darüber bestimmen, was in zukunft sein soll... und wen wunderts, dass vor allem junge gegen diese sünnelipartei initiative sind?..
wen eine partei mit "news" à la trump, sprich zahlen falsch darstellen, grafiken falsch darstellen sowie KI bildi ins extreme darstellen müssen auf ja- stimmen sammlung gehen muss, ist doch alles gesagt... es geht nicht um nachhaltigkeit sondern lediglich darum, gegen ausländer und EU zu sein.
ach ja, göschenen hatte 1880 einen ausländeranteil von 81%.. einfach mal nachdenken warum und wiso ...
10559
Melden
Zum Kommentar
avatar
khargor
03.06.2026 07:10registriert Februar 2014
Ich bin immernoch ein gebranntes Kind von der MEI-Abstimmung damals 2014 und gehe darum nach wie vor von einem knappen Ja aus. Es ist zu leicht die Menschen für ein Ja zu begeistern à la "Blame it on poor people and immigrants", wie es 2015 in "The big short" so schön hiess und umso schwieriger zu sagen, dass die Initiative keine Lösung für unsere Probleme ist, sondern es smarte Lösungen braucht, mit der die Schweiz bisher erfolgreich gefahren ist.
5612
Melden
Zum Kommentar
170
Mann wird in Herisau AR von unbekannten Angreifern schwer verletzt
Ein 43-jähriger Mann ist am Montagabend bei einer Auseinandersetzung in Herisau schwer am Kopf verletzt worden. Er musste zur Behandlung in ein Spital gebracht werden, wie die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden am Mittwoch mitteilte.
Zur Story