«Dann ist man am falschen Ort»: Jositsch erklärt seinen Parteiaustritt
Die Delegierten haben Ihnen letzte Woche das Vertrauen entzogen. Trotzdem wollen Sie erneut als Ständerat kandidieren. Weshalb?
Daniel Jositsch: Ich wäre gerne für die SP angetreten, dafür habe ich mich auch zur Verfügung gestellt. In diesem Prozess habe ich bewusst die Frage gestellt, ob man einen sozialliberalen Flügel und damit mich in der Partei will. Wenn die Antwort darauf ‹Nein› ist, dann muss ich mich entscheiden, was ich mache. Und ich habe mich entschieden, dass ich einerseits nicht mehr in der SP bin. Andererseits bin ich aber weiterhin motiviert, als Ständerat zu kandidieren und mich für den Kanton Zürich und die Schweiz zu engagieren.
Sie könnten sich viel Mühe und Streit ersparen, wenn Sie sich einfach auf Ende Legislatur zurückziehen würden. Was hält Sie in Bundesbern?
Ich habe in der Vergangenheit sehr gute Wahlresultate erzielt. Auch in den vergangenen Tagen habe ich sehr viel Zuspruch erhalten. Offenbar ist die Zürcher Bevölkerung der Ansicht, dass ich meine Arbeit gut mache. Ich mache diese Arbeit gerne. Es sind gewaltige Aufgaben, die im Ständerat vor uns stehen. Von dem her möchte ich der Zürcher Bevölkerung zumindest die Wahl geben, mit mir als Ständerat weiter in die Zukunft zu gehen.
Mit Ihrer Kandidatur als Unabhängiger gefährden Sie offensichtlich den Ständeratssitz der SP. Was erwidern Sie dem?
Ich habe nicht entschieden, nicht mehr für die SP nominiert zu werden. Dieses Risiko sind die Delegierten bewusst eingegangen. Von daher müssen Sie die Partei fragen, warum sie dieses Risiko eingeht. Ich selbst hätte mir das auch anders gewünscht.
Ihnen wurde in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, dass Sie Ihr Ego über die Partei stellen und damit auch immer wieder Frauen vor der Sonne stehen. Das passiert jetzt auch wieder, nicht?
Ich wüsste nicht, welcher Frau ich jetzt gerade vor der Sonne stehe. Und zum anderen Vorwurf:
In einem Unternehmen stellen Sie ja auch niemanden an, der den Job nicht will. Und gleichzeitig muss ich als Politiker dann Themen zur Disposition stellen und sagen, wofür ich stehe. Dann können die Leute entscheiden, ob das die Themen sind, die sie wichtig finden.
Aber gerade Ihre offensiv kommunizierten Bundesratsambitionen und Ihr Unwillen, sich als wilder Kandidat zurückzuziehen, haben Ihnen viel Kritik eingebracht.
Ich finde diese Befindlichkeiten manchmal etwas übertrieben. Eine Bundesratswahl ist eine Wahl. Wenn man sich zur Verfügung stellt, muss man damit leben, dass das andere auch tun. Wer das nicht aushält, ist vielleicht am falschen Ort.
Jacqueline Badran hat sich selbst als potenzielle SP-Ständerätin ins Spiel gebracht. Sie gegen Frau Badran: Wer gewinnt?
Das müssen die Zürcherinnen und Zürcher entscheiden. Das wären dann ja völlig verschiedene politische Profile, die zur Auswahl stünden:
Im Übrigen beanspruche ich ja nur einen Sitz für mich. Die Wählenden können auch mich und Frau Badran in den Ständerat wählen.
Badran hat Sie in einem öffentlichen Auftritt vergangene Woche als «Möchtegern-Alphamännchen» bezeichnet. Was sagen Sie dazu?
Das steht Frau Badran zu, mich persönlich stört das nicht gross. Ich persönlich versuche, Kritik etwas anders zu äussern.
Haben Sie denn auch eine Bezeichnung für Badran parat?
Frau Badran ist für mich Nationalrätin Jacqueline Badran und sonst nichts.
