Schweiz
Analyse

Nach Jositsch-Austritt: Warum es Badran für die SP nicht richten wird

Daniel Jositsch, SP-ZH, links, diskutiert mit Jacqueline Badran, Nationalraetin SP-ZH, vor Beginn der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 8. September 2025 im Staenderat in Bern. (KEY ...
Daniel Jositsch wird bei der Wahl 2027 wesentlich bessere Karten haben als Jacqueline Badran.Bild: keystone
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«Wunderwaffe» Badran wird gegen Jositsch nicht zünden

Der Eklat ist perfekt: Daniel Jositsch tritt aus der SP aus und kandidiert erneut als Ständerat. Nun hoffen die Zürcher Sozis auf Jacqueline Badran, doch das dürfte ins Auge gehen.
04.06.2026, 16:3404.06.2026, 16:34

Überrascht war am Ende wohl niemand: Eine Woche nach der turbulenten Versammlung in Zürich-Schwamendingen, an der die SP-Delegierten Daniel Jositsch das Vertrauen entzogen hatten, gab der desavouierte Ständerat seinen Parteiaustritt bekannt. Gleichzeitig erklärte der 61-jährige Strafrechtsprofessor, er werde 2027 erneut zur Ständeratswahl antreten.

Das war absehbar. Jositsch hätte die Medien kaum aufgeboten, um seinen Verzicht zu erklären. Dafür hätte ein Communiqué genügt. Hinzu kommt sein teilweise überbordender Ehrgeiz: Eine solche Abfuhr konnte er nicht hinnehmen. Da half auch die Standing Ovation der Delegierten nicht, die wie ein Mix aus Alibiübung und schlechtem Gewissen wirkte.

Daniel Jositsch (links) bekommt zum Teil Standing Ovations nach seiner Nichtwahl durch die SP waehrend der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der SP Kanton Zuerich ueber die Nomination fuer die ...
Daniel Jositsch nahm die Standing Ovation der SP-Delegierten mit steinerer Miene zur Kenntnis.Bild: keystone

Fraglos ist Daniel Jositsch in der Partei angeeckt, mit abweichenden Positionen in wichtigen Fragen, seiner aufdringlich zelebrierten Rolle als sozialliberaler «Dissident» und vor allem mit dem Verhalten bei der Bundesratswahl 2022. Die Kritik der damaligen Verliererin Eva Herzog an seiner Person im «Tagesanzeiger» hat auch damit zu tun.

Eitel und machtbewusst

Jositsch ist ein eitler und machtbewusster Mensch. Damit macht man sich in einer Partei wie der SP nicht beliebt. Dennoch war es ein kurzsichtiger Entscheid, ihn nicht mehr für die Ständeratswahl 2027 zu nominieren. In gewisser Weise tappte die Partei in eine Falle, die ihr der Amtsinhaber stellte, indem er eine derart frühe Entscheidung provoziert hat.

Denn Daniel Jositisch konnte nur gewinnen. Hätte ihn die SP erneut aufgestellt, wäre er fein raus gewesen. Nun aber hat er genug Vorlaufzeit, um seine «wilde» Kandidatur aufzugleisen und Unterstützer zu gewinnen. An ihnen wird es nicht mangeln. Die SP und vor allem die Juso hoffen derweil auf Jacqueline Badran. Sie könnten sich gewaltig täuschen.

Reicht es im Kanton?

Die streitbare Nationalrätin hatte schon vor der denkwürdigen Versammlung von letzter Woche ihr Interesse am Ständeratssitz via «Tagesanzeiger» offengelegt. Tags darauf stichelte sie bei einem Auftritt im Schauspielhaus gegen das «Möchtegern-Alphamännchen» Jositsch, dem sie zudem «inhaltliche und charakterliche Auffälligkeiten» attestierte.

Jacqueline Badran, SP-ZH, beantwortet eine Frage, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 3. Juni 2026 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Jacqueline Badran ist rhetorisch und intellektuell brillant, aber oft auch ungehobelt.Bild: keystone

Das passt zu Badrans oft ungehobeltem Stil. Ihre Nominierung als SP-Ständeratskandidatin ist Formsache, zu gross ist ihr Ansehen in der Partei. Dabei ist auch sie keineswegs immer «linientreu», doch ihre rhetorische und ihre intellektuelle Brillanz überstrahlen alles. Die Frage ist nur: Reicht dies auch für eine Wahl in einem bürgerlich dominierten Kanton?

Ständeratswahl ist eine andere Liga

In Schwamendingen wurde sie mehrfach als «Panaschierkönigin» gefeiert. Niemand hat bei der Nationalratswahl 2023 landesweit so viele Stimmen von Wählenden anderer Parteien erhalten wie Jacqueline Badran. Doch auf einer Liste mit 36 Namen einen durchzustreichen und durch einen «Promi» zu ersetzen, ist relativ einfach.

Eine Ständeratswahl mit nur zwei Sitzen ist eine andere Liga. Daniel Jositsch ist das Musterbeispiel eines (Ex-)Sozialdemokraten, der auch für Bürgerliche wählbar ist. Bei Jacqueline Badran ist das nicht garantiert. In der Stadt Zürich mag sie eine Art Lichtgestalt sein. Sie wird von der lokalen SP fast schon penetrant für Kampagnen eingespannt.

Ein Sozi bleibt ein Sozi

Bei der bürgerlichen, teilweise SVP-lastigen Wählerschaft im Ober- oder Weinland hingegen wird sie einen schweren Stand haben. Für diese bleibt Jositsch ein Sozi, sie wird sicher keine zweite Figur aus dieser Partei wählen. Ihre Macht haben die Städte Zürich und Winterthur erst im letzten Herbst bei der kantonalen Abstimmung zu Tempo 30 zu spüren bekommen.

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Mario Fehr trat 2021 aus der SP aus und wurde zwei Jahre später mit dem besten Resultat als Regierungsrat wiedergewählt.Bild: keystone

Daniel Jositsch hingegen dürfte vom «SPexit» sogar profitieren, wie Regierungsrat Mario Fehr. Er war 2021 ausgetreten und machte bei der Wahl 2023 das beste Resultat aller Kandidierenden. Und Jositsch ist nicht so mimosenhaft wie Fehr. Er war schon 2023 der Parlamentarier mit der landesweit höchsten Stimmenzahl und könnte sie übertreffen.

Wo wird er künftig mitmachen?

Bei der nationalen «Rennleitung» in Bern ist man sich dessen bewusst. Es war auffällig, wie pfleglich sie stets mit Daniel Jositsch umging, auch nach seinen Bundesrats-Sololäufen. Die Zürcher Kantonalpartei hingegen hat sich entschieden, ins Risiko zu gehen und auf die vermeintliche Wunderwaffe Jacqueline Badran zu setzen. Es könnte ins Auge gehen.

Falls sich Jositsch keinen üblen Fehltritt leistet, kann er den Champagner für die Wahlfeier im Oktober 2027 schon heute bestellen. Die Frage ist, welcher Fraktion er sich danach anschliessen wird, denn als Einzelkämpfer ist man im Ständerat ein Nobody. Vielleicht liefert die am Donnerstag getragene Krawatte einen Hinweis: Sie war in FDP-Blau.

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245 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Raffles Sling
04.06.2026 16:45registriert März 2021
Perfekter Entscheid von Herrn Jositsch. Wünsche ihm sehr viel Erfolg bei der Wahl und gratuliere ihm zu diesem weisen Schritt!
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Poly Tick
04.06.2026 16:45registriert Oktober 2023
Badran und ihre Sprüche / sie als Person schätze ich. In diesem Fall allerdings finde ich sie komplett daneben!
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cucumberworld
04.06.2026 16:38registriert September 2019
Sehe ich auch so. Badran hat zwar die meisten Stimmen bei den Nationalratswahlen erhalten aber das lässt sich halt nicht auf eine Ständeratswahl übertragen, bei der man nur zwei Sitze hat und man Stimmen sowohl von rechts als auch links holen muss.
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