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Wallis

Crans-Montana: Reportage über das Leben nach dem Brand

Crans-Montana panse ses plaies 6 mois après l'incendie du Constellation.
Crans-Montana heilt weiterhin seine Wunden nach dem schweren Brand des Constellation an Neujahr.bild: watson

«Es ist körperlich spürbar»: Crans-Montana, 6 Monate später

Sechs Monate nach dem Brand des Constellation, bei dem 41 Menschen ums Leben kamen und 115 verletzt wurden, sucht Crans-Montana das Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit, wieder zu leben, und der Unmöglichkeit zu vergessen. Eine Reportage aus dem Wallis.
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01.07.2026, 17:0401.07.2026, 17:04
Sven Papaux

Es sind 25°C. Eine leichte Brise zieht durch die Station, die Sonne scheint auf die Fassaden, und die Bergbahnen sind seit Samstag, 13. Juni, wieder für die Sommersaison geöffnet. «Das Hotel ist für die Saison mehr oder weniger ausgebucht», sagt uns die Rezeptionistin. Die Luft ist mild in Crans-Montana.

Am 6. Mai hat der Golfplatz seine Greens wieder geöffnet, und etwas Leben ist in die sonst leeren Strassen zurückgekehrt. Nach einem Winter, der durch den schweren Brand vom 1. Januar verkürzt wurde, endete die Skisaison rund zwei Wochen früher als gewohnt. Für die Station war das eine doppelte Belastung und führte zu einer anhaltenden Stille. «Es war tot», sagt ein Händler, der anonym bleiben möchte. Er ist nicht der Einzige: Viele hier befürchten, dass Aussagen falsch interpretiert und im Dorf gegen sie verwendet werden. «Die Nebensaison ist Mai und Juni. Diesmal hat man sie während drei Monaten gespürt» – April eingeschlossen.

Les rues de Crans-Montana viennent de démarrer leur saison estivale.
In Montana starten die Betriebe in die Sommersaison.bild: watson
Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Rund 13 Betriebe, so sagt er, hätten seit dem Unglück dichtgemacht. «Die Margen sind klein. Wenn eine Saison nicht läuft, ist es vorbei.» Er hält kurz inne und sagt dann:

«Wer seit fünf, zehn Jahren hier ist, hat sich eine treue Kundschaft aufgebaut. Die kommen durch. Für die anderen, die gerade erst eröffnet hatten, war das Constellation wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, glaube ich.»

Nicht weit davon entfernt hatte Ende Dezember ein Burgerladen eröffnet. Vor kaum einer Woche hat er wieder dichtgemacht.

Un commerce de Crans-Montana qui vient de fermer.
Der Burgerladen hat gerade erst wieder geschlossen.bild: watson

Desaströse Bilanz

Nicht weit entfernt treffen wir Patrick Sägesser, der ein Juweliergeschäft direkt nebenan führt. Der gebürtige Basler lebt seit 18 Jahren in Crans-Montana. Der ehemalige Präsident der lokalen SVP hat sich kürzlich für den Posten des Direktors von Crans-Montana Tourisme et Congrès beworben. Le Nouvelliste bezeichnete ihn als «Kandidaten, der aneckt». Ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt – und der seine Zahlen in Echtzeit abstürzen sah.

Nach einem starken Dezember 2025 brach sein Umsatz nach der Constellation-Tragödie regelrecht ein. «Im ganzen Januar, meinem wichtigsten Monat, habe ich 90 Prozent verloren. Normalerweise mache ich 120’000 bis 150’000 Franken Umsatz. Ich musste fast drei Wochen schliessen, hatte Planen und Absperrungen bis auf den Trottoirrand. Niemand konnte mehr kommen.»

Er meint, er mache sich Sorgen um sein Geschäft und sagt:

«Für das Jahr 2026 habe ich bereits 50 Prozent Umsatz verloren.»

Auf Anfrage erklärt die Gemeinde Crans-Montana, es gebe keine Hinweise darauf, dass Schliessungen im Zusammenhang mit der Tragödie stehen. Im Gegenteil verweise man auf die gute Entwicklung des Immobilienmarkts, der «besonders aktiv geblieben» sei, mit stabilen Preisen im Vergleich zu 2025.

Patrick Saegesser ist nicht der Einzige, der eine Kluft zwischen offizieller Darstellung und Realität vor Ort sieht. Er sagt einen Satz, der viel über die Spannungen im Ferienort verrät:

«Seit zwanzig Jahren hat Montana einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Crans, weil wir die Luxusgeschäfte haben. Wir gelten als die reichen Grossen, bei denen es sowieso läuft, ohne dass wir etwas dafür tun müssen.»

Lächeln und Schweigen

Nicht jeder sieht den Ort auf dieselbe Weise. Eine Einwohnerin, die aus dem Dorf stammt, weist das Bild einer trüben Stimmung zurück, das die Medien ihrer Meinung nach hartnäckig aufrechterhalten. «Ich war im Beach Club von Crans, dort herrschte eine gute Stimmung. Die Sommersaison tut gut. Die Leute haben gelächelt.»

«Die Berge sind immer noch da, und das wird auch so bleiben», flüstert uns ein anderer Ladenbesitzer zu, als würde er sich an eine Gewissheit klammern.

Zufällig treffen wir ein französisches Paar, das seine Tochter besucht, die in Crans in der Gastronomie arbeitet. Sie sei sich «nicht sicher gewesen, ob sie zurückkommen will», sagen sie, «geprägt von diesem Vorfall». Am Ende habe sie sich entschieden zu bleiben.

Ein anderer Einwohner erzählt uns, dass wohlhabende Freunde, die dem Ort treu sind, «am Tag nach Neujahr mit ihrem Jet nach Hause geflogen sind». Und dass sie keine Lust mehr haben, zurückzukommen:

«So ein Drama nimmt einem jegliche Lust am Feiern.»

Andere Stimmen fordern eine tiefere Auseinandersetzung. «Die Stimmung ist belastend. Aber man muss die richtigen Lehren ziehen – sich auf die lokale Gemeinschaft konzentrieren, statt den Tourismus um jeden Preis in den Vordergrund zu stellen.» Ein Wunsch, der auf die Realität prallen dürfte. «Schwierig, wenn eine amerikanische Firma die Skipisten betreibt», sagt ein anderer trocken, mit Verweis auf Vail Resorts, Eigentümer des Skigebiets von Crans-Montana und elf Restaurants.

Was nicht in Vergessenheit gerät

Vor uns steht ein Mann, der hier aufgewachsen ist und hier seine ersten Schritte gemacht hat. Er kennt den Ort sehr gut, und vielleicht haben seine Worte deshalb besonderes Gewicht. «In allen Kreisen spricht man noch darüber.» Er gibt zu, dass es in Montana einfacher sei, etwas zu trinken oder etwas zu essen als in Crans. Dann wird seine Stimme ernster:

«In Crans sieht man die Schauplätze des Dramas. Man spürt es. Es ist körperlich spürbar. Es drängt sich uns auf.»

Die Narben werden nicht so leicht verschwinden.

Am Dienstag, dem 16. Juni, bei der Gemeindeversammlung, die die nationale Presse und einen Grossteil der lokalen Bevölkerung angezogen hatte, vertraute uns Laetitia Brodard-Sitre an, dass sie selbst mehrere Porträts dieser jungen Menschen, die bei dem Brand ums Leben gekommen waren, an die Wände geklebt habe. Eine einfache, fast stille Geste, die jedoch alles über die Trauer aussagt, die noch immer an den Wänden des Ferienorts haftet.

Les portraits des victimes du Constellation sont affichés sur les portes du bar.
Die Gesichter hängen an den Türen des Constellation.bild: Laetitia Brodard-Sitre

Ein anderer Anwohner drückt es anders aus: Das Drama wird nicht einfach so verschwinden. Es wird herumschleichen. Noch lange Zeit fest verankert bleiben.

«Ich war im Mai an den offenen Weinkellern. Ich habe junge Menschen gesehen, die vom Brand betroffen waren – mit Handschuhen, mit Verbänden.»

Er schweigt einen Moment. «Das hinterlässt Spuren.»

Die Gerüchteküche brodelt weiter

Der Himmel über Crans-Montana ist grau – im übertragenen Sinne. Die Gerüchteküche brodelt, mehreren Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern zufolge. Sind es wirklich Informationen, die viele hier insgeheim denken?

«In der Zwischensaison langweilen sich die Leute. Ich sag’s euch: Hier ist es einen Nationalsport, auf anderen herumzuhacken. Es gab schon immer sogenannte Ratten im Ort, das ist nichts Neues», beklagt ein Einwohner. Und er fährt fort, als würde man eine Akte schliessen, die man nur allzu gut kennt:

«Das ist der Alltag in Crans-Montana.»

Mit Ausnahme des gewissen Moshe Barras-Bonvin, der über seinen Facebook-Account offenbar gut über das laufende Gerichtsverfahren informiert ist. Niemand weiss, woher. Niemand weiss, wer er wirklich ist. Und die Gerüchteküche brodelt. Patrick Sägesser wird übrigens zitiert:

«Alle fragen mich, ob ich das bin. Die Leute wissen, dass ich mich nicht verstecke – man muss sich nur mein Facebook-Profil ansehen. Ich habe nichts zu verbergen.»

Man flüstert uns zu, dass es nicht nur einen, «sondern mehrere Informanten» gibt. Aber niemand weiss etwas, alle stützen sich auf Gerüchte.

Eine Gedenkstätte mit verwelkten Blumen

Inmitten all dieser Geheimnisse steht eine Gedenkstätte. Lange Zeit stand sie in der Nähe des Constellation, wurde aber inzwischen vor die Kapelle Saint-Christophe verlegt. Dort thront sie nun. Verwelkte Blumen, an deren Austausch noch niemand gedacht hat. Die Zeit vergeht. Ein Stein, auf den jemand mit einem Stift in zittriger Schrift geschrieben hat: «Den 41 kleinen Engeln.» Ein Buch von André Doze, «Joseph, Schatten des Vaters», liegt inmitten von Plüschtieren und Erinnerungsfotos. Die Atmosphäre ist bedrückend.

Les peluches se succèdent au milieu du mémorial à Crans-Montana.
bild: watson
Bild
bild: watson

Menschen gehen vorbei, ohne wirklich einen Blick darauf zu werfen. Golfer, deren Schläger aus der Tasche ragen, mit leichtem Schritt. Ein Nachbar giesst seine Geranien, direkt hinter der Gedenkstätte. Radfahrer überqueren den Platz, ohne sich gross umzudrehen. Und im Hintergrund dringt fröhliche Musik aus einem Lokal neben der Kapelle. Ein Ruf nach Sonne, nach Loslassen.

Man muss nur dort stehen bleiben und diese Passagen beobachten, um es zu verstehen. Die Narben sind sehr wohl vorhanden. Und sie werden den Ort noch lange begleiten, vielleicht für immer.

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Crans-Montanas Gemeindepräsident Féraud: «Mir hat es an Menschlichkeit gefehlt»
Ein halbes Jahr nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana zieht Gemeindepräsident Nicolas Féraud Bilanz. «Mir hat es an Menschlichkeit gefehlt, als so viele Menschen sie gebraucht hätten», sagte er im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».
Er bedauere, dass er an der Pressekonferenz vom 6. Januar keine Entschuldigung ausgesprochen habe. Damals habe man sich stark auf die Klärung der Ereignisse konzentriert. «Wir waren ratlos, erschöpft und von dieser Tragödie erschüttert», sagte Féraud. Man habe erst gerade erkannt, dass es bei den Brandschutzkontrollen Versäumnisse gegeben hatte.
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