Sie ist die meistgesuchte Frau der Schweiz. Wo steckt Regina Bachmann, die ein Drittel der Sugus-Liegenschaften in der Nähe des Zürcher Hautptbahnhofs besitzt? Wo ist die Erb-Millionärin, die die farbigen Würfelhäuser sanieren will und dazu 105 Mietparteien gekündigt hat?
Dass mehr als 200 Menschen schon im März ausziehen müssen, hat grosse Empörung ausgelöst. Es sei eine «Schweinerei», darin sind sich so unterschiedliche Politiker wie Jacqueline Badran (SP) und Lukas Reimann (SVP) einig. FDP-Nationalrätin Regine Sauter spricht von «moralischem Fehlverhalten».
Nun hat CH Media aus dem engsten Umfeld von Regina Bachmann erfahren: Die 59-jährige Immobilieneigentümerin ist nicht bereit, die Kündigungen zurückzunehmen. Genau das wird von den Mietern, dem Mieterverband und von Politikern seit Tagen gefordert. Hingegen – so verlautet aus Bachmanns Umfeld – ist ein Verkauf der Sugus-Häuser «eine Option». Der Wirbel und dass ihr Name nun dauernd in der Öffentlichkeit genannt wird, haben ihr offenbar «den Verleider gemacht», heisst es.
Der Haken dabei: Bachmann hat horrende Vorstellungen, was den Kaufpreis betrifft. Es sei kaum vorstellbar, dass ein privater Investor diese Summe aufwerfe, sagt eine verlässliche Quelle. Es gebe bei dieser Preisvorstellung nur eine Käuferin, die dafür infrage komme: Die Stadt Zürich. Sie will den Anteil von Wohnraum im Gemeinde- und Genossenschaftsbesitz erhöhen und ist bekannt dafür, schon mal tief in die Kasse zu greifen. Ein Kauf der skandalträchtigen Sugus-Häuser, wie ihn beispielsweise SP-Nationalrätin Badran fordert, wäre im rot-grünen Zürich auch ein symbolischer Akt.
Die Stadt plant, dieses Jahr satte 500 Millionen Franken für den Kauf von Land und Immobilien bereitzustellen. Für nächstes Jahr ist gar ein Budget von 600 Millionen Franken reserviert. Die Frage ist nun, wie viel dieser Gelder Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) für die Sugus-Häuser von Regina Bachmann aufwerfen will.
Klar ist: Es wird teuer. Der Immobilienexperte Donato Scognamiglio hat eine Daumenrechnung angestellt, die Parameter wie die Wohnfläche der 105 Wohnungen, aktuelle Mietzinse und Bodenpreise in der umliegenden Gegend berücksichtigt. Den Marktwert der drei Häuser im aktuellen Zustand sieht er grob bei circa 80 Millionen Franken. Pro Liegenschaft dürfte Regina Bachmann eine Jahresmiete von rund 600'000 Franken kassieren. Und das ist für diese Lage noch ein moderater Preis.
Würde sie alle Objekte neu vermieten, aber nicht sanieren, klettert der Marktwert laut Scognagmiglio auf rund 100 Millionen Franken. Doch es liegt noch mehr drin. Regina Bachmann peilt eine Totalsanierung an. In diesem Fall, so der Experte, ist ein Marktwert unter Berücksichtigung der Investitionen von über 110 Millionen Franken realistisch. Die Mieteinnahmen würden sich im Vergleich zu heute verdoppeln.
Will die Stadt bei den Sugus-Häusern also zuschlagen, muss sie dafür wohl einen erheblichen Teil ihres Wohnbau-Budgets aufwerfen – für gerade einmal 105 Wohnungen. Ob das politisch opportun ist? Anwalt und SVP-Nationalrat Lukas Reimann mutmasst, die Eigentümerin ziele mit ihrer Massenkündigung genau auf dieses Szenario ab. Sie spekuliere darauf, dass die Stadt ihr einen enormen Kaufpreis bezahlen wird. Die Stadt würde so ihre Spekulation noch belohnen.
Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass Regina Bachmann erst kürzlich ihre Immobilienfirma umbenannt hat. Diese hiess zuvor «Regina Bachmann Immobilien Zug». Es bestand also eine direkte Verknüpfung zwischen dem Unternehmen und ihrem – mittlerweile öffentlich in Verruf geratenen – Namen.
Das ist seit dem 10. Dezember nicht mehr der Fall. An diesem Datum liess Bachmann ihr bisheriges Unternehmen im Handelsregister des Kantons Zug löschen. Seither trägt ihre Immo-Firma den unverfänglichen Namen Intuiva. Das Kapital verschob Bachmann ebenfalls in diese erst im März neu gegründete Aktiengesellschaft. Es handelte sich um Aktiven im Wert von 15 Millionen Franken. Demgegenüber stand ein Fremdkapital von 7,95 Millionen Franken.
Für die Verschiebung dieser Gelder, die sie bereits im Oktober veranlasst hat, reichte Bachmann beim Zuger Handelsregister Dokumente ein. Diese liegen CH Media vor und zeigen erstmals, wie die Eigentümerin selbst ihre Immobilien bewertet.
Gemäss der Aufstellung führte Bachmann die drei Sugus-Häuser mit 12,8 Millionen Franken in der Bilanz auf; jedes Haus ist mit 4,3 Millionen Franken im Anlagevermögen verbucht. Als Rückstellungen für die geplanten Sanierungen hat Bachmann je 928'000 Franken eingesetzt. Wie sie damit die angekündigte «Kernsanierung» und «Modernisierung» der Häuser finanzieren will, ist unklar. Denn eine solche dürfte einen stattlichen Millionenbetrag kosten. Jedenfalls stellte die Unternehmerin die rund 250 Mieter auf die Strasse, weil der «Wohnstandard zukunftsmässig optimiert» werden müsse.
Wie kann es sein, dass Marktbeobachter den Wert der drei Häuser so viel höher schätzen, Regina Bachmann sie aber nur mit einem Bruchteil bewertet? Bei den Zahlen aus der Bilanz handelt es sich um Buchwerte. Als nicht börsenkotiertes Unternehmen ist Bachmann nicht verpflichtet, ihre Immobilien zum Marktwert in der Bilanz zu führen. Zudem dürfte Bachmann bereits einen grossen Teil des Werts abgeschrieben haben. Nicht ersichtlich sind weiter die Mieteinnahmen, die sie jährlich einkassiert.
Von den Kündigungen nicht betroffen sind die Mieter, welche in den Häusern wohnen, die den beiden Brüdern von Regina Bachmann gehören. Bei der Erbteilung bekam jedes der drei Geschwister ein Drittel. Die Brüder denken offenbar nicht daran, die Häuser zu sanieren und dann teurer zu vermieten. Ihr Vater wollte damals bewusst günstigen Wohnraum in Zentrumsnähe schaffen.
Für Frau Bachmann hoffe ich auf Karma.
Der Wohnraum bleibt wohl für immer verhältnismässig günstig.
Nachteil wenn die Stadt überteuert einkauft:
Es könnte sein, dass immer mehr Nachahmer auf der Bildfläche erscheinen und das selbe wie diese - Wörter verstossen gegen die Kommentarregeln - tun bzw. erreichen möchten.