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Zürich

Dietikon ZH: Sonderermittler soll Tod von Polizeitauchers untersuchen

Tödlicher Polizeitauchereinsatz in Dietikon ZH: Sonderermittler soll Fall neu untersuchen

Der 44-Jährige hätte niemals in einen seit Jahren bestehenden Fischabstieg gezogen werden dürfen. Wer war wann wo fahrlässig? Dieser Frage widmet sich jetzt ein Glarner Staatsanwalt.
22.06.2026, 19:2322.06.2026, 19:23
David Egger / ch media
Im Oberwasserkanal vor dem EKZ-Wasserkraftwerk in Dietikon ertrank im September ein Polizeitaucher.
Im Oberwasserkanal vor dem EKZ-Wasserkraftwerk in Dietikon ertrank im September ein Polizeitaucher.Bild: Severin Bigler/Archiv

Selber schuld: So lautete schnörkellos zusammengefasst das Fazit, als die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat letztes Jahr ihre Untersuchung abschloss. Die Rede ist vom tödlichen Unfall, der sich am 28. September 2025 in Dietikon ereignete. Ein 44-jähriger Taucher der Kantonspolizei Zürich kam damals bei einem Einsatz in der Limmat ums Leben.

Er wollte eine 67-jährige Frau retten, die im Wasser verschwunden war. Es war ein Kampf um Leben oder Tod, ein Grosseinsatz von höchster Priorität mit allem Drum und Dran: Regahelikopter, Polizeihelikopter, Feuerwehr auf mehreren Brücken und in Booten, dazu noch Boote der Seepolizei.

Wie haben sich Polizei und EKZ abgesprochen?

«In Absprache mit den EKZ als Betreiber des Kraftwerks wurde entschieden, im Kanal vor dem Wehr nach der untergegangenen Person zu tauchen», schrieb die Kantonspolizei später in einem Communiqué. Bis zu dieser «Absprache» war alles Routine.

Und dann stirbt der Polizist beim Tauchen im Kanal.

Das wirft viele Fragen auf – oder erweckt den Eindruck, dass es zu einem tödlichen Fehler in der Befehlskette kam. Dass ein Polizist fahrlässig in den Tod geschickt wurde. War die «Absprache» zwischen Polizei und EKZ überhaupt eine «Absprache» im eigentlichen Sinn? Oder sagte die Polizei der EKZ nur, dass sie das Kraftwerk abstellen soll, ohne nach weiteren Risiken zu fragen?

Regierungsrat hat Sonderermittler ausgewählt

Trägt jemand eine Schuld? Das überprüft jetzt ein ausserordentlicher Sonderermittler, ausgewählt vom Zürcher Regierungsrat, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Sein Name: Patrick Fluri. Er ist die Nummer 1 der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus. Er soll genauer hinschauen als die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat.

Diese hatte ihre Untersuchung schon am 14. November 2025 eingestellt, wie der «Tages-Anzeiger» im April berichtete. Fünf Tage später habe der Leitende Staatsanwalt eine «auffällig knapp gehaltene Einstellungsverfügung» genehmigt, heisst es mit Verweis auf mehrere nicht näher genannte Quellen. Die Verfügung sei zehn Tage später rechtskräftig geworden.

In der Untersuchung sei «auf externe Gutachten zum Unglückshergang ohne Angaben von Gründen verzichtet» worden, schreibt der «Tages-Anzeiger» weiter. Mindestens ein Kantonspolizist habe «die mangelhafte Aufarbeitung der Todesumstände intern kritisiert».

Der Fischpass des Kraftwerk Flumenthal der Alpiq Hydo AG, fotografiert am Donnerstag, 5. Juni 2025 in Flumenthal. Die Alpiq Hydro Aare AG hat den Fischpass des Kraftwerks Flumenthal im Kanton Solothur ...
Der Taucher kam in den Sog eines Fischabstiegs. (Symbolbild)Bild: Keystone

Im April sagte die Oberstaatsanwaltschaft zudem gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass neue Umstände bekannt geworden seien, «welche die Prüfung einer Wiederaufnahme des Verfahrens angezeigt erscheinen lassen». Das Verfahren wieder aufnehmen und neu aufrollen: Das macht jetzt der Glarner Sonderermittler.

Wieso die Wahl auf die Staatsanwaltschaft des 42'000-Seelen-Kantons Glarus fiel, ist nicht bekannt. Manche hätten es lieber gesehen, dass jemand aus einem wesentlich grösseren Kanton wie zum Beispiel dem Aargau, der sich grössere Fälle gewohnt ist, zum Zug kommt – zumal die Glarner Staatsanwaltschaft erst 2024 wegen Führungsmängeln, interner Konflikte und einer Kündigungswelle in die Schlagzeilen der «Südostschweiz» geriet.

Der Fischdurchlass besteht seit 2019

Wie der «Tages-Anzeiger» im Dezember mit Verweis auf den Untersuchungsbericht schrieb, wurde dem Taucher der Sog eines kleinen Wasserabflusses zum Verhängnis. Er sei eingeklemmt worden und habe nicht mehr befreit werden können. Dann sei er durch Ertrinken erstickt. Beim Durchlass handelt es sich um einen gesetzlich vorgeschriebenen Fischabstieg.

Dieser ist seit 2019 in Betrieb. Die Limmattaler Zeitung hat schon mehrmals über die Fischtreppe beim Kraftwerk Dietikon berichtet. Unter anderem im März 2022: Damals wurde Wasser mit Uranin giftgrün eingefärbt, um die Strömungsverhältnisse bei den Fischtreppen zu messen.

Im August 2022 berichtete die Limmattaler Zeitung über das Resultat. «Wir konnten feststellen, dass die Lockströmung genügend stark ist», hiess es damals von EKZ. Die Lockströmung hilft den Fischen, den Eingang zur Fischtreppe zu finden.

Es war dieser Sog, der dem Polizeitaucher zum Verhängnis wurde.

Die 67-jährige Frau, nach der der Polizeitaucher gesucht hatte, wurde später, am 5. Oktober, beim Wasserkraftwerk Wettingen tot im Wasser entdeckt. (aargauerzeitung.ch)

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