In 7 Jahren von der Serie D in die Champions League: Aber bei Como ist es kein Märchen
Für Schweizer ist Como eher als italienische Feriendestination in Grenznähe bekannt und wenige denken dabei an den einheimischen Fussballklub Como 1907. Aber in diesem Jahr wird tatsächlich nur wenige Kilometer von der Schweiz entfernt Champions-League-Fussball gespielt. Erstmals am Donnerstag (21 Uhr), wenn RB Leipzig im Stadio Giuseppe Sinigaglia zu Gast ist. Die Gemeinsamkeit zwischen den beiden Klubs: Beide feierten gleich mehrere Aufstiege innert kürzester Zeit.
Die Geschichte der Deutschen ist bekannt. Rasenballsport Leipzig wurde 2009 gegründet und konnte das Startrecht des SSV Markranstädt übernehmen. Von der fünftklassigen Oberliga Nordost aus lancierte der Verein, welcher vom Brausekonzern Red Bull finanziert wird, den grossen Angriff in Richtung Bundesliga und schaffte es bloss sieben Jahre später in die höchste deutsche Liga. Seither gehört Leipzig Jahr für Jahr zu deren besten Teams.
Etwas anders sieht die Geschichte bei Como aus. Der Verein, welcher seine Heimspiele gleich neben dem Comersee austrägt, konnte schon mehrmals in die Serie A aufsteigen und wurde vor fast 120 Jahren gegründet.
Mehrmaliger Neustart
Nach dem Abstieg 2003 in die zweitklassige Serie B hatte Como aber mehrmals finanzielle Probleme, ging zweimal insolvent und musste in der viertklassigen Serie D neu starten. 2019 übernahmen die Brüder Robert Budi Hartono und Michael Bambang Hartono aus Indonesien, denen der Tabak-Konzern Djarum gehört, den Verein und investierten viel Geld.
Michael Bambang Hartono verstarb vor einem halben Jahr, aber das Vermögen seines Bruders liegt bei schätzungsweise über 40 Milliarden Dollar. Kein anderer italienischer Fussballklub hat so reiche Investoren.
Durch die neuen Geldgeber stieg Como zwischen 2019 und 2024 gleich dreimal auf und ist seit zwei Jahren Teil der Serie A. Seither wird auch nochmals viel mehr Geld in Transfers investiert. In den letzten zwei Jahren flossen gemäss «Transfermarkt» 351,96 Millionen Euro für Neuverpflichtungen und es wurden bloss knapp mehr als vierzig Millionen Euro über Transfers eingenommen. In der letzten Saison stellte Como mit 110 Millionen Euro das grösste Transferminus der Serie A.
Doch die neuen Investoren holten sich auch noch das nötige Wissen an Bord. So kam der frühere englische Nationalspieler Dennis Wise als technischer Direktor zu Como und stieg später zum Sportvorstand auf. Bis zum Aufstieg im Jahr 2024 blieb Wise bei Como. Während seiner Zeit schwärmte dieser von den Besitzern wie folgt: «Sie investierten eigentlich nur in ein Logo, weil der Verein nichts mehr hatte. Von Anfang an ging es darum, etwas zu schaffen. Niemand hat seine Nase dazwischengesteckt und ich konnte das Ganze leiten, überblicken und entwickeln.»
Der berühmteste Name steht an der Seitenlinie
Der wertvollste Spieler im Kader der Norditaliener ist mit einem Marktwert von 80 Millionen Euro der Argentinier Nico Paz. Aber der bekannteste Name steht nicht auf dem Platz, sondern sitzt auf der Trainerbank: Cesc Fabregas. Er spielte in seiner letzten Profisaison für Como und übernahm kurz nach seinem Karriereende das Traineramt. Der Spanier zeigt, dass er nicht nur auf dem Platz Talent hat, sondern auch an der Linie. Im Vorstand ist auch der ehemalige französische Superstar Thierry Henry vertreten.
Sportlich läuft es für Como hervorragend, aber auch finanziell möchte der Verein weiter vorwärtskommen und den Wert des Klubs auf eine Milliarde Dollar anheben. Mirwan Suwarso, als Vereinspräsident der Statthalter der Hartano-Brüder, sagte in einem Interview: «Es gibt Parallelen zwischen Como und Disney. Für Disney ist Disneyland der Themenpark und für uns sind der Fussballverein und das Erlebnis am Spieltag unser Themenpark.»
Der Vergleich mit Disney
Das Stadion wird bereits etappenweise renoviert. So auch in diesem Sommer, damit es die UEFA-Bedingungen erfüllt und Como seine Heimspiele im eigenen «Wohnzimmer» austragen darf. Der Comersee sei eine globale Marke für den Verein, stellt Suwarso klar. «Es wäre töricht von uns, dies nicht zu nutzen – wir binden den Fussball ins Ökosystem ein, nicht als Mittelpunkt, sondern als integralen Bestandteil.» Das Ziel ist es, den Verein, die Stadt und den Tourismus noch näher zusammenzubringen.
Die Stadt und der Klub sollen in den nächsten Jahren noch weiter zusammenwachsen und eine Einheit werden, damit auch dann, wenn kein Spiel ist, rund um das Stadion verschiedene Attraktionen angeboten werden können. Es soll in Como um weit mehr gehen als nur den Fussball. Dies zeigt sich auch an einzelnen Spieltagen: Immer wieder sind Prominente aus Hollywood auf den Tribünen zu sehen.
Auch wenn der Vergleich mit Disney durchaus vorhanden ist: Mit einem Fussballmärchen hat der sportliche Erfolg bei Como wenig bis gar nichts zu tun.
