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Der Eismeister-Check

EHC Biel in der Saison 2024/25: Alles zu Spieler, Trainer und Klub

Bieler Fans feiern ihre Spieler, nach dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen EHC Biel und SC Bern, am Freitag, 23. Dezember 2022, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter K ...
Bei den Bielern sind die Playoffs wieder keine Selbstverständlichkeit mehr.Bild: KEYSTONE
Der Eismeister-Check

Eine Bieler Hockeykultur, die nicht von Siegen alleine lebt

Der EHC Biel blickt mit ein bisschen Wehmut auf die erfolgreichste Epoche seiner Playoff-Ära zurück. Doch auf Jahre des Ruhmes folgen unweigerlich Aufräumarbeiten und Melancholie. Wie schnell findet der Klub den Weg zurück zum Regenbogen des Ruhmes?
05.09.2024, 09:0305.09.2024, 16:36
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Kurz nachdem der EHC Biel im Sommer 2015 in die Tissot-Arena einzieht, unterbreitet der Klub ein erstes Angebot an Jonas Hiller, mit auslaufendem Vertrag in der NHL. Sein Agent hält die Offerte für einen Jux, doch Sportchef Martin Steinegger sagt: «Leite die Offerte doch bitte einfach mal weiter.» Wenige Monate später ist der spektakuläre Zuzug des NHL-Stars vollzogen.

Heute lacht längst kein Agent mehr über eine Anfrage aus Biel. Der EHC Biel ist seit dem Wiederaufstieg von 2008 nach und nach zu einer der besten Adressen in unserem Hockey geworden. Mit einer inspirierenden Kultur des kreativen Tempospiels und einem familiären Umfeld, in dem sich die Spieler wohl fühlen und besser werden. Auf dem bisherigen Höhepunkt der offensiven Flugjahre fehlte im Frühjahr 2023 gegen Servette ein einziger Sieg zum ersten Titel seit 1983.

Inzwischen ist klar: Die Jahre des Ruhmes sind vorbei. Vorläufig zumindest. Biel hat merklich an Substanz verloren, der Klub befindet sich in einer Konsolidierungs- und Neuaufbauphase und wird voraussichtlich ein paar Winter brauchen, bis die Mannschaft wieder ganz vorne mitspielen kann. Die Playoffs, die Biel seit der Saison 2016/17 nur einmal verpasst hat, sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Von zentraler Bedeutung ist die Antwort auf die Frage, ob Biel mit dem Schweden Martin Filander den Trainer gefunden hat, der die Klubkultur zu verstehen und weiterzuführen, die Talente zu fördern und das Publikum mit Spektakelhockey zu begeistern vermag – wie Antti Törmänen, der Architekt der Bieler Hockeykultur, die nicht von Siegen alleine lebt.

Kaderübersicht mit Einzelnoten

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
player_image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Trainer: Note 6

Benotung: 1 bis 10.

Oskharshamn war von 2019 bis zu diesem Frühjahr eine Story für die Romantiker des schwedischen Eishockeys. Ein Kleinstklub (Oskarshamn zählt nur 17'000 Einwohner), der mit überschaubaren Mitteln die zahlungskräftige Konkurrenz ärgert. Die Hausse war in erster Linie zwei Männern zu verdanken: Sportchef Thomas Fröberg und Martin Filander, Schwedens Trainer der Saison 2022/23.

Es ist den beiden nicht mehr gelungen, Oskarshamn im letzten Frühjahr in der höchsten Liga zu halten, aber das soll das Geleistete nicht schmälern. Fröberg fand anderswo in Vergessenheit geratene Desperados und vier Jahre lang entwickelte sie Filander und es gelang ihm immer wieder, das Team nach finanziell bedingten Abgängen neu auszurichten. Diese Geschichte erklärt uns, warum Martin Filander Biels Trainer geworden ist. Auch Biel ist nach den Jahren des Ruhmes darauf angewiesen, aus einem Minimum ein Maximum herauszuholen und anderswo übersehene oder falsch eingeschätzte Talente zu entwickeln.

240322 Oskarshamns tr�nare Martin Filander under ishockeymatchen i kvalet till SHL mellan Oskarshamn och HV71 den 22 mars 2024 i Oskarshamn. *** 240322 Oskarshamns coach Martin Filander during the ice ...
Martin Filander soll Biel wieder in die Spur bringen.Bild: www.imago-images.de

Martin Filander kommt mit seiner Spielphilosophie des rasanten Tempospiels und dem behutsamen Umgang mit den Spielern Antti Törmänen nahe und ist der Gegenentwurf des letztjährigen Trainers und Ex-Polizisten Petri Matikainen, der mit liederlicher Trainingsqualität und bizarren Führungsmethoden seine Autorität bald verspielt hatte. Martin Filander ist mit 43 ein junger Trainer, der zu einem Biel im Neuaufbau und Umbruch passen kann. Aber wenn die Resultate nicht stimmen, werden sie zu viele daran erinnern, dass er ein Abstiegstrainer der letzten Saison ist.

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Torhüter: Note 9,5

Olympiasieger und Weltmeister Harri Säteri ist nicht bloss ein guter, er ist ein grosser Torhüter, der während sechs Jahren in der KHL seine Vermögensbildung abgeschlossen hat (in Tampere hat er mehrere Wohnungen gekauft) und unbeschwert den Herbst seiner Karriere geniessen kann.

Biels Torhueter Harri Saeteri reagiert im dritten Playoff Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel, am Mittwoch, 20. Maerz 2024, in der Swiss Life Arena in Zuerich. ( ...
Biel ist stark auf Harri Säteri angewiesen.Bild: keystone

Aber er wird im Dezember 35 und hat seinen Vertrag bis 2026 verlängert. Er kann sein Pensum nicht reduzieren, Biel hat keine Nummer 2, die in seinen Schuhen stehen kann, er muss damit rechnen, auch in der neuen Saison erneut gut 40 Partien spielen und noch mehr Pucks abwehren zu müssen. Kann er diese Belastung erneut stemmen?

Abwehr: Note 6

Die Anzahl Gegentreffer ist in den drei letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: von 128 auf 132 und schliesslich 140 in der letzten Saison. Nun hat Beat Forster hinter die Bande (Trainerassistent) gewechselt, Yannick Rathgeb ist nach Fribourg weitergezogen, Robin Grossmann ist inzwischen 37, Yannick Burren hat eher zu wenig, Miro Zryd hingegen zu viel offensives Talent und Luca Christen steht vor der schwierigen zweiten Saison der Bewährung seines Stammplatzes.

Biels Alexander Yakovenko, links, im Duell mit Ambri-Piottas Andre Heim im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri Piotta, am Sonntag, 9. Januar 2022,  ...
Alexander Yakovenko muss viel Verantwortung übernehmen.Bild: keystone

Neben den ausländischen Verteidigungsministern Alexandr Yakovenko und Victor Lööv fehlen Tiefe und Qualität in der Abwehr wie nie mehr seit der ersten Saison in der neuen Arena (2015/16, 175 Gegentore). Martin Filander steht vor einer grossen defensiven Herausforderung.

Sturm: Note 6,5

Mit den Abgängen von Mike Künzle, Tino Kessler und Luca Hischier sind zwar «nur» 22 Tore verloren gegangen. Aber eben auch ein ganzer Block an gestandenen Spielern im besten Alter. Noch sind genug Stürmer da, die an einem guten Abend jeden Gegner zersausen können: Lias Andersson, Damien Brunner, Luca Cunti, Gaëtan Haas, Aleksi Heponiemi, Fabio Hofer, Johnny Kneubuehler, Nicolas Müller, Toni Rajala und Jere Sallinen.

Biel's forward Luca Cunti #10, Biel's forward Tino Kessler #89 and Biel's forward Damien Brunner #96 celebrate their victory after defeating the team Geneve-Servette, during a National  ...
Bleiben Damien Brunner und Co. endlich einmal gesund?Bild: keystone

Aber einige sind zerbrechliche Schillerfalter geworden und Verletzungspech kann das Offensivspiel aus der Balance bringen und die Torproduktion ist bereits letzte Saison von 174 auf 139 Treffer, auf den tiefsten Stand seit der Saison 2016/17, gefallen.

Management: Note 10

Die Bieler leben nicht von den Resultaten allein. Letzte Saison brachte für den Playoff-Finalisten von 2023 einen Rückschlag vom 2. auf den 9. Platz und trotzdem betrug die Stadionauslastung mehr als 97 Prozent und die Donatorenvereinigung meldete einen Mitgliederrekord und überwies satte 4,74 Millionen Franken in die Klubkasse.

Der NHL-Rueckkehrer Jonas Hiller, Mitte, spricht neben Daniel Villard, Geschaeftsfuehrer des EHC Biel, links und Martin Steinegger, Sportchef des EHC Biel, rechts, an einer Medienkonferenz am Dienstag ...
Daniel Villard (links) und Martin Steinegger (rechts) bei der Vorstellung von Jonas Hiller. Sie haben den EHC Biel in eine neue erfolgreiche Ära geführt.Bild: KEYSTONE

Die Kontinuität in den Schlüsselpositionen ist vorbildlich, Manager Daniel Villard hat den Klub in 20 Jahren aus den Niederungen der zweithöchsten Liga zurück in die höchste Spielklasse und in eine neue Arena geführt und Sportchef Martin Steinegger hat seit der Amtsübernahme (2012) noch nicht oft geirrt. Die einzige Frage ist, ob es weiterhin gelingt, im Umfeld genügend «Erwartungsmanagement» zu betreiben, damit in der aktuellen Übergangsphase keine Hektik aufkommt.

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Eine Saisonvorschau von Eismeister Zaugg mit Rang-Prognosen zu allen Teams folgt kurz vor dem Saisonstart.

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Idee, Konzept und Inhalt: Klaus Zaugg. | Redaktionelle Betreuung: Adrian Bürgler, Olivier Meier. | Technische Umsetzung: Nicole Christen, Carlo Natter, Philipp Reich, Jelle Schutter. | Spielerportraits: nationalleague.ch.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dotziger
05.09.2024 09:42registriert Oktober 2015
"...aus einem Maximum ein Minimum herauszuholen..." das ist doch eher die Strategie eines anderen Berner Klubs und nicht die von Biel?
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Maximus_Decimus
05.09.2024 09:16registriert Mai 2023
Gaëtan Haas wurde bereits 2018 Silberheld, er schoss sogar einen Penalty bei der Niederlage gegen Schweden!
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JtotheP
05.09.2024 10:12registriert Februar 2018
Ich swipe bei jeder Mannschaft durch die Einzelbewertungen und danach habe ich ein Gefühl für die Mannschaft. Bei Biel war es so: "ok, die haben echt nicht mehr viele -Top- Spieler. Was haben die zuletzt transferiert?"

Ich denke für Biel wird es diese Saison sehr schwierig den Anschluss nach vorne nicht zu verlieren.
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