U18-Hockey-Nati gelingt Achtungserfolg – ein Spieler sticht besonders heraus
In der Nacht auf Sonntag geht der diesjährige Hlinka-Gretzky-Cup zu Ende. Das Turnier, das dieses Jahr in Edmonton über die Bühne geht, ist gemeinsam mit der U18-Weltmeisterschaft das wichtigste internationale Turnier dieser Altersstufe. Die besten acht Nationen (derzeit ohne die suspendierten Nationen Russland und Belarus) duellieren sich über rund eine Woche.
Während die Weltmeisterschaft stets im Frühling, also kurz vor dem NHL-Draft, stattfindet, bietet der Hlinka-Gretzky-Cup den NHL-Scouts etwas weniger als ein Jahr vor dem Draft die Möglichkeit, sich einen Überblick über die besten U18-Talente der Welt zu verschaffen. Die Schweizer U18-Nati ist jedes Jahr dabei, schaffte es in den letzten zehn Jahren aber nur einmal, das Klassierungsspiel um den letzten Platz – also das Spiel um Rang 7 und 8 – zu vermeiden. 2023 schaute Rang 6 heraus.
Umso beachtenswerter waren die Leistungen des Teams von Trainer Fabio Schumacher in diesem Jahr. Die Schweiz schlug in der Gruppenphase nach dem 3:7-Spektakel zum Auftakt gegen Kanada Schweden ebenso spektakulär mit 7:6. Zwar folgte danach eine ärgerlich deutliche 2:6-Niederlage gegen die Slowakei. Aber dank Platz 3 in der Gruppe durfte die Nati zum zweiten Mal in den letzten zehn Jahren um Platz 5 spielen – und gewann diese Partie gegen Tschechien tatsächlich mit 5:1. Mit 17 Toren waren die Schweizer zudem offensiv so erfolgreich wie noch nie in der Geschichte des Turniers.
Auffallend ist, dass die diesjährige U18-Nati von grossen Namen des Schweizer Eishockeys geprägt ist. Mit dabei sind unter anderem:
- Noam Aebischer (Sohn von David Aebischer)
- Ayden Huet (Sohn von Cristobal Huet)
- Adrien Rosa (Sohn von Pavel Rosa)
- Alessandro Domenichelli (Sohn von Hnat Domenichelli)
- Nilo Gianola (Sohn von Marc Gianola)
- Timothy Cadieux (Sohn von Jan Cadieux)
- Kellan O'Leary (Sohn von Jason O'Leary, langjähriger Trainer beim SC Langenthal)
- Noël Rötheli (Neffe von Peter Rötheli, lange beim EHC Olten, jetzt Mitbesitzer beim EHC Chur)
- Leon Grieder (Sohn von Marc Grieder, langjähriger Olten-Sportchef)
Doch ein Name überstrahlt auch bei diesem Turnier die gesamte glanzvolle Schweizer Hockey-Vergangenheit: Jonah Neuenschwander. Der Stürmer des EHC Biel konnte die Scouts einmal mehr von sich überzeugen. Der 17-Jährige gilt als eines der Top-Talente für den NHL-Draft vom Sommer 2027. In den Talent-Rankings vor dem Hlinka-Gretzky-Cup schnupperte der Center schon an den Top 10. Nun hat er sich mit drei Toren und drei Assists in sechs Spielen offenbar noch weiter nach vorne gespielt.
Beim kanadischen TV-Sender TSN, der den Hlinka-Gretzky-Cup überträgt, sprach man phasenweise gar von einem möglichen Nummer-1-Pick. Dafür ist es vielleicht noch etwas zu früh. Favorit auf die Nummer 1 ist immer noch Landon Dupont, der Sohn des früheren Zug- und Kloten-Spielers Micki Dupont. Und trotzdem scheint Neuenschwander sein Spiel an diesem Turnier noch einmal auf ein neues Niveau angehoben zu haben.
Early Hlinka-Gretzky Cup takes:
— Hadi Kalakeche (@HadiK_Scouting) August 4, 2026
- Jonah Neuenschwander is a top-five pick. Ridiculous combination of size and fluidity. Highly competitive. Above-avg skill across the board.
- not sure what happened, but Alexis Joseph looks really slow and heavy now. Wasn’t the case a year ago.
Vorher lobten Scouts neben seiner Grösse (191 cm / 85 kg mit 18 Jahren) insbesondere seine schlittschuhläuferischen Fähigkeiten, seine technischen Qualitäten, sein defensives Gewissen sowie seine Einsatzbereitschaft. Es gab allerdings leise Zweifel, ob Neuenschwander auf NHL-Level auch die offensive Produktion eines Spitzenspielers liefern kann. Der Bieler hatte die Tendenz, eher einen Pass zu spielen, anstatt selbst den Abschluss zu suchen, und galt nicht als kaltblütiger Vollstrecker.
In der letzten Saison scheint der Stürmer aber auch diesbezüglich einen Schritt nach vorn gemacht zu haben. Vor zwei Jahren debütierte er als 15-Jähriger und zweitjüngster Spieler der Geschichte in der National League. Letzte Saison sammelte er als 16-Jähriger in 32 Spielen für den EHCB bereits 5 Tore und 7 Assists. Und nun am Hlinka-Gretzky-Cup hat er bewiesen, dass sein Schuss durchaus eine Waffe sein kann.
Jonah Neuenschwander my goodness pic.twitter.com/Zc3dvCIc5y
— Spoked Z (@SpokedZ) August 3, 2026
Was Neuenschwander für NHL-Teams noch interessanter machen dürfte, ist die Tatsache, dass er bald seine dritte Saison bei den Profis des EHC Biel in Angriff nehmen wird. «Ich habe früh Profi-Erfahrung sammeln können. Das hat mir geholfen, mein Spiel noch mehr abzurunden», erklärt der 17-Jährige gegenüber Eliteprospects. Er habe insbesondere auch physisch profitiert. «Ich habe schnell gelernt, wie hart und aggressiv das Spiel bei den Profis ist, und mich auch in dieser Hinsicht verbessert», sagt Neuenschwander. Auch die Scouts attestieren dem Bieler, dass er am Hlinka-Gretzky-Cup seine Grösse auch tatsächlich für ein physisches Spiel nutze.
This is only the match to determine 5th place in the tournament, but Jonah Neuenschwander is going beast mode against Czechia
— Derek Neumeier (@Derek_N_NHL) August 8, 2026
He has a missile of a goal in the second period to make it 3-1, and he just had another great shift that resulted in a primary assist to make it 4-1
Wenn das U18-Turnier in der Nacht auf Sonntag endet, dürften bald die nächsten Draft-Rankings folgen. Es scheint durchaus realistisch, dass Jonah Neuenschwander dann in den Top 5 seines Jahrgangs zu finden ist.
