Ist der Erfolg käuflich? Zugs riskante Strategie der Traumsaläre
Money talks. Wer Meister werden oder bleiben will, braucht viel Geld. So war es, so ist es und so wird es bleiben in alle Ewigkeit. Der FC Thun (2026) und der SC Langnau (1976) sind in den letzten 50 Jahren die Ausnahmen im helvetischen Teamsport, die diese Regel bestätigen.
Aber das Problem ist das gleiche wie beim Salzen der Speisen: Zu viel verdirbt alles, zu wenig bewirkt nichts. Wir pflegen zwar die Kultur der Lohngeheimhaltung. Anders als etwa in der NHL werden die Saläre nicht offengelegt. Aber nicht nur die Agenten kennen bei uns die Löhne. Auch in den Kabinen wissen vor allem die Leitwölfe, wer wie viel aufs Konto überwiesen bekommt. Deshalb kann ein Team auf Dauer nur mit einer gut ausbalancierten Lohnhierarchie erfolgreich sein. Wenn Spieler in der Lohnhierarchie höher stehen als in der Leistungshierarchie, dann stimmt die Lohngerechtigkeit und damit die Chemie im Team nicht mehr.
Diese bittere Erfahrung haben zuletzt unter anderem Lugano, Lausanne und Bern gemacht. Alle Versuche, nach dem letzten Titelgewinn von 2006 ein neues Meisterteam zu «kaufen» sind in Lugano gescheitert. Der SCB machte die gleiche Erfahrung nach dem letzten Titelgewinn von 2019 und Lausanne mit dem Versuch, während der verrückten Jahre unter General Manager Petr Svoboda (2019 bis 2023) erstmals Meister zu werden.
Nun setzt Zug bereits im zweiten Jahr auf die hochriskante Strategie des grossen Geldes. Bereits vor einem Jahr rockte der inzwischen gefeuerte Sportchef Reto Kläy den Ausländermarkt mit vielen Traumsalären für Tomas Tatar und Dominik Kubalik.
Unvergessen eine Donatoren-Veranstaltung im Sommer 2025 an einem lauen, wunderbaren Abend am Zugersee. Der Moderator bekam auf die Frage an einen neu verpflichteten Star, warum er nach Zug komme, nicht die erhofften Erklärungen («eine sportliche Herausforderung» etc.). Der betreffende Spieler, dessen Name dem Chronisten inzwischen entfallen ist, sagte mit trockenem Humor: «Natürlich des Geldes wegen.» Alle lachten herzlich.
Der Nächste, der wegen des Geldes nach Zug kommt, ist Vinzenz Rohrer. Verlässliche Gewährsleute, die nicht zur Übertreibung neigen, gehen von einem Jahressalär von gut 700'000 Franken aus. Somit hat sein Dreijahresvertrag einen Wert von über zwei Millionen.
Das ist viel zu viel für einen Stürmer, der im September erst 22 wird. Er bringt Zug zwar genau das, was diese Organisation jetzt braucht: Prestige neben dem Eis sowie Energie, Intensität und Konkurrenzkampf auf dem Eis. So gesehen der perfekte Transfer.
Aber eben viel zu teuer und mit langfristigen Folgen. Wer nach Zug wechseln will, weiss nun, wie viel er verlangen darf. Die Spieleragenten tanzen auf den Tischen. Zugs neuer Sportchef Ted Suihkonen ist das Opfer seiner Unerfahrenheit (die Boshaften sagen: Naivität), des Transfer-Erfolgsdrucks und der prallvollen Geldspeicher seines Klubs geworden.
Unter normalen Umständen hätte Zug Vinzenz Rohrer mit ziemlicher Sicherheit für 30 Prozent weniger Salär bekommen. Der Österreicher mit Schweizer Lizenz hat zwar in Zürich die Wertschätzung genossen, die seinem Talent entspricht und die sich letzte Saison in gut 15 Minuten Eiszeit pro Partie gezeigt hat. Aber er hat bisher, abgesehen von zwei Lehrjahren auf höchster nordamerikanischer Juniorenstufe, immer für die Organisation der ZSC Lions gespielt. Eine neue Herausforderung ist im Sinne einer Weiterentwicklung richtig.
Zug, wie es einmal war, mit einer exzellenten Talentförderung und einem sehr gut funktionierenden Farmteam und einem charismatischen Erfolgstrainer, wäre für Vinzenz Rohrer die perfekte neue Herausforderung gewesen und Zug hätte das Jahrzehnt-Talent für mindestens 30 Prozent weniger Salär bekommen.
Aber der meisterliche Ruhm ist den Zugern zu Kopfe gestiegen und der Versuch eines Erneuerungsprozesses verläuft chaotisch. Wer den Erneuerungsprozess mit viel Geld zu verkürzen versucht, geht ein enormes Risiko ein. Weil die Umstände eben nicht mehr normal und die Probleme nach wie vor nicht gelöst sind, müssen die Zuger auf dem Transfermarkt nun einen «Chaos-Zuschlag» bezahlen. Also viel mehr Geld als der tatsächliche Marktwert, damit einer halt doch nach Zug wechselt. Money talks.
Weil dem neuen Sportchef Ted Suihkonen jegliche Erfahrung fehlt, bezahlen die Zuger eine viel zu hohe «Chaos-Prämie». Ein smarter, erfahrener Sportchef, der das Pokerspiel mit den Offerten aus Davos, Bern und Zürich durchschaut hätte, wäre mit Vinzenz Rohrer trotzdem für mindestens 100'000 Franken weniger im Jahr einig geworden.
Lugano, Lausanne und der SCB sind inzwischen durch leidvolle Erfahrungen vom Wahn geheilt, den Erfolg zu kaufen. Es ist besser, ein Team langfristig unter Wahrung der Lohngerechtigkeit aufzubauen – wie dies etwa Davos, Gottéron und immer wieder die ZSC Lions beweisen.
Wird Zug mit seinen übervollen Geldspeichern das neue Lugano, Lausanne oder der neue SC Bern? Vieles spricht dafür. Es sei denn, der neue Geschäftsführer Paolo Duca weist dem überforderten Ted Suihkonen eine ähnliche Rolle als Untersportchef zu wie einst seinem treuen Diener Alessandro Benin in Ambri. Paolo Duca ahnt noch nicht einmal, auf welches Abenteuer er sich in Zug eingelassen hat.
P.S. Leonardo Genoni sollte seinen Vertrag in Zug nicht für weniger als 600'000 Franken oder mindestens eine Million für zwei Jahre verlängern. Es kann ja nicht sein, dass ein siebenfacher Meister, mehrfacher WM-Silberheld, der auch bei der letzten WM in Zürich im All-Star-Team stand, weniger verdient als ein 21-jähriges Talent. Oder?
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