Ein Monstertrade überrascht die NHL und offenbart ein neues Problem für Kanada
Die Nachricht ging in der Nacht auf Montag wie eine Schockwelle durch die NHL-Welt: Brady Tkachuk, Captain der Ottawa Senators, wird per Trade nach Florida zu seinem Bruder geschickt. Im Gegenzug erhält Ottawa drei Erstrunden-Picks (9. und 25. Position in diesem Jahr sowie einen im Jahr 2030) sowie einen Zweitrunden-Pick im Jahr 2027.
We have acquired forward Brady Tkachuk from the Ottawa Senators in exchange for three first-round draft selections and one second-round selection.
— Florida Panthers (@FlaPanthers) June 21, 2026
Details » https://t.co/UJBd7GWW4M pic.twitter.com/Lus56ibowp
Der tiefere der beiden Erstrunden-Picks in diesem Jahr gehörte ursprünglich den Tampa Bay Lightning. Florida hat diesen erst einen Tag zuvor erhalten, als es Stürmer Mackie Samoskevich zu den Seattle Kraken schickte. Der Monster-Trade der letzten Nacht wirft nun aber einige Fragen auf.
Konnte dieser Trade erwartet werden?
Ja und nein. Es gab schon länger Gerüchte, dass Brady Tkachuk in Ottawa nicht mehr glücklich war, aber auch solche, dass der Flügelstürmer bei seinen Teamkollegen in der kanadischen Hauptstadt nicht mehr das beste Ansehen genoss. Es durfte zumindest erwartet werden, dass der 26-Jährige die Senators irgendwann in den kommenden Jahren verlässt.
Als Tkachuk vor einem Jahr gefragt wurde, was er von den Trade-Gerüchten halte, antwortete er: «Das sind offensichtlich alles Lügen. All diese Artikel stimmen einfach nicht. Ich will hier spielen und hier gewinnen.»
“Obviously it's a lie.”
— Icing 🧊 (@icingtv) June 22, 2026
Brady Tkachuk https://t.co/GfXAN5M19C pic.twitter.com/xZ2nEKW9VF
Warum war Tkachuk im Team unbeliebt?
Vermutlich dürften die Teamkollegen gespürt haben, dass Brady Tkachuk lieber woanders spielen würde. Wie die kanadische Zeitung «Ottawa Citizen» berichtet, soll der Spieler die Klubführung darauf hingewiesen haben, dass er in zwei Jahren, wenn sein Vertrag ausläuft, nicht noch einmal in Ottawa verlängern werde. General Manager Steve Staios habe sich dann zum sofortigen Trade des US-Olympiasiegers entschieden, da auch der Rest des Teams sich nicht wirklich dafür einsetzte, dass Brady bleiben soll.
Dann gab es noch den Vorfall mit Goalie Linus Ullmark. Brady und Matthew Tkachuk produzieren gemeinsam einen Podcast, in dem sie über ihr Leben in der NHL sprechen. Und als dort einmal ihr Vater Keith – selbst ebenfalls langjähriger NHL-Spieler – zu Gast war, kritisierte er Ullmark durch die Blume, weil dieser für eine Partie aussetzte, um sich von vorherigen Strapazen zu erholen. Keith Tkachuk nervte sich, dass die Spieler, insbesondere die Goalies, früher nicht so «weich» gewesen seien, und nannte Grant Fuhr als Beispiel, der jeweils 70 Spiele pro Saison machte. Brady Tkachuk quittierte im Podcast-Clip diese Kritik nur mit einem Lachen und verteidigte seinen Teamkollegen nicht.
Here is the full exchange for greater context. Keith Tkachuk comments on players becoming "soft" in dealing with injuries, then brings up Grant Fuhr (goaltender) playing 70 games a season. Brady laughs awkwardly and Matthew quickly tries to change topics. pic.twitter.com/vTTiJ2MsNE
— kaz (@kazGoSensGo) April 1, 2026
Zu guter Letzt gibt es auch Berichte, wonach Brady Tkachuk seit der Olympiapause in Ottawa quasi «ausgecheckt» habe. Der 26-Jährige soll demnach plötzlich ein ganz anderer Teamkollege gewesen sein, der sich ausserhalb von Trainings und Spielen vom Rest der Mannschaft zurückgezogen habe. Besonders schlecht sehen in der Nachbetrachtung auch Tkachuks Playoffs aus: Beim 0:4-Sweep in der ersten Runde gegen die Carolina Hurricanes sammelte er in allen vier Spielen keinen einzigen Skorerpunkt.
Was ist das Problem an den Olympischen Spielen und mit Kanada?
Das alles hat zur Folge, dass nun in der NHL über die Olympiapause und ihre Folgen für kanadische Teams diskutiert wird. Denn mittlerweile lässt sich ein leichtes Muster erkennen. Brady Takchuk war Teil des US-Olympiateams und schien nach der Rückkehr aus Mailand kein Interesse mehr daran zu haben, in Kanadas Hauptstadt Ottawa zu spielen. Connor Hellebuyck war Teil des Olympiateams und soll Berichten zufolge einen Trade aus Winnipeg verlangt haben.
Dann gibt es noch den Fall von Quinn Hughes, der noch vor der Olympiapause von Vancouver getradet wurde, aber aufgrund familiärer Verbindungen mit USA- und Minnesota-Manager Bill Guerin bereits Kontakt hatte. Und da ist Dylan Larkin, der bei den Detroit Red Wings zwar bereits in den USA tätig war, aber zuletzt ebenfalls einen Trade verlangte. Seine Wunschdestinationen: Florida, Vegas oder Minnesota. Eine fast gleiche Liste, einfach noch mit Stanley-Cup-Sieger Carolina drauf, gab auch Brady Tkachuk dem Senators-Management.
Die Angst der kanadischen Teams ist es, dass die US-Starspieler der attraktiven Klubs nun ihren Kollegen bei den Länderspielturnieren das NHL-Leben bei ihren Klubs schmackhaft machen und sie aus Kanada weglocken wollen. Denn das Leben in Kanada ist teurer als in den USA – höhere Steuern und ganz grundsätzlich höhere Lebenskosten. Der Lohn in der NHL wird aber weiterhin in US-Dollar ausbezahlt, der weniger wert ist als der kanadische Dollar. Und natürlich ist das Wetter während der Saison von Ende September bis Juni in Florida oder Nevada angenehmer als in Kanada oder Michigan. Podcaster Drew Livingstone, der für seine Provokationen auf Twitter bekannt ist, fragte auf Twitter bereits, wann US-Olympiasieger Auston Matthews die Toronto Maple Leafs verlasse.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Ottawa Senators sind kein Team, das sich in einem Rebuild befindet. Sie haben die letzten zwei Jahre die Playoffs erreicht und wollen auch in den kommenden Saisons um den Stanley Cup kämpfen. Da die Kanadier im Tkachuk-Trade nur Draft-Picks und keine Sofortverstärkungen erhalten haben, gehen Experten davon aus, dass dort bald der nächste Trade folgt. Gerüchten zufolge sollen die Senators an Jason Robertson von den Dallas Stars (er wurde fürs US-Olympiateam überraschend nicht aufgeboten) interessiert sein. Aber auch Matthew Knies von Toronto oder Jordan Kyrou von den St.Louis Blues sind Namen, die für ein Tauschgeschäft mit Ottawa im Raum stehen.
Und auch bei den Florida Panthers ist das wohl längst nicht der letzte Deal. Der Stanley-Cup-Champion von 2024 und 2025 hat derzeit noch sieben Millionen an Cap-Space zur Verfügung, für die nächste Saison aber erst 13 Stürmer, sechs Verteidiger und keinen einzigen Goalie unter Vertrag. Erwartet wird, dass sich Torhüter Sergei Bobrovsky ein neues Zuhause suchen muss. Und auch der Name von Stürmer Carter Verhaeghe wird in Trade-Spekulationen erwähnt – allerdings hat der eine No-Move-Klausel im Vertrag und kann nicht ohne seine Zustimmung getradet werden.
Was led to believe the #Sens were trying to get Carter Verhaghe back in the deal with Florida #Sens
— Bruce Garrioch (@SunGarrioch) June 21, 2026
Am kommenden Wochenende (Freitag und Samstag) geht der NHL-Draft über die Bühne. Ab dem 1. Juli öffnet der Free-Agent-Markt. Bis zu diesen Daten dürften die Teams erste Klarheit schaffen wollen, wie ihre Kader für die nächste Saison tatsächlich aussehen. In der NHL dürfte es in den kommenden Tagen also spektakulär weitergehen.
