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Zugs Weg ins Mittelmass ist programmiert nach dem Rauswurf von Reto Kläy

Die Spieler von Zug mit Andreas Wingerli, mitte, reagieren nach der Niederlage beim Eishockey Qualifikationsspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Lugano am Mttwoch, 14. Januar 2026  ...
Wie weiter mit dem EV Zug?Bild: keystone
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Zugs Weg ins Mittelmass ist programmiert

Geschäftsführer Patrick Lengwiler und Sportchef Reto Kläy waren Zugs Erfolgsduo. Nun ist Kläy gefeuert worden. Dauerhaftes Mittelmass ist programmiert.
20.06.2026, 06:1820.06.2026, 06:18

Ein neuer Sportchef – na und? So können es die Optimisten in Zug interpretieren. Der Sportchef macht in der Regel die Mannschaftsaufstellung nicht, an der Bande ist er auch nicht präsent. Das Team für die nächste Saison steht sowieso.

Der direkte Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit dürfte kurzfristig durch den Wechsel von Reto Kläy zu Ted Suihkonen ein geringer sein. Zumal sich ja der neue Sportchef im EVZ-Fuchsbau bestens auskennt: Er arbeitet bereits seit 2022 in Zug. Dass er nun vom Ausbildner auf dem Eis direkt ins Sportchefbüro wechselt, muss nicht zwingend ein Nachteil sein – Paolo Duca ist als Spieler zum Sportchef befördert worden und gilt als Ambris bester Sportchef der Geschichte.

Die beste Idee sollte sich durchsetzen, nicht das Geld

Aber der Realist sieht in Zug programmiertes Mittelmass. Wenn Wechsel auf der Position des Sportchefs nicht in erster Linie zwingende sportliche Gründe haben (Misserfolg), dann wird es heikel. Denn dann geht es um Machtkämpfe. Und die lenken von der täglichen Arbeit ab.

Eine interne Diskussion über den richtigen Weg zum sportlichen Erfolg kann fruchtbar sein und den Klub weiterbringen. Aber nur dann, wenn es ein Wettstreit der Ideen ist und sich die besseren Argumente durchsetzen. Das ist beim EVZ-Machtkampf höchst fraglich. Wer gewinnt, wenn ein Milliardär und sein Angestellter nicht der gleichen Meinung sind? Richtig: Der Milliardär. In diesem Fall EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel.

Die strengen Prinzipien sorgen schon für Witze in der Liga

Die Art und Weise der Entlassung von Reto Kläy hat etwas von einer griechischen Tragödie. Der Verwaltungsrat – bestehend aus den «Zeugen Strebels» – beschliesst die Amtsenthebung des Sportchefs über den Kopf von Patrick Lengwiler. Aber der Geschäftsführer muss den Bescheid seinem Freund Reto Kläy überbringen. Die Frage ist berechtigt: Wie wird Patrick Lengwiler diese Demütigung verarbeiten? Wird der tüchtige Macher einfach alles cool wegstecken und weitermachen, als wäre alles in bester Ordnung? Oder wird er sich behutsam nach einem neuen Job umsehen? Er dürfte bei seiner Arbeit vorerst einmal nicht motivierter, fröhlicher und inspirierender sein.

patrick lengwiler, CEO des EV Zug
EVZ-CEO Patrick Lengwiler.Bild: ch media

Einen Aufstand gegen den Präsidenten wird Patrick Lengwiler nicht inszenieren. Hans-Peter Strebel duldet keinen Widerspruch, wenn es um sein Projekt, sein «Lebenswerk» OYM geht. Der Milliardär hat ja für das Sportleistungszentrum sogar die Namensrechte am Zuger Eistempel gekauft. Die OYM-Philosophie ist Gospel (Evangelium). Punkt.

Was in Zug dem Präsidenten vor Reto Kläay nie jemand zu sagen gewagt hat – und wer kritische Anmerkungen machen will, wird intern in den Senkel gestellt – ist eigentlich ganz einfach: Die Spieler mucken gegen zu viel OYM auf. Die strenge, ja «calvinistische» OYM-Philosophie, die einige als eine Art «sportlichen Sozialismus» empfinden, ist in der Hockeywelt, die halt eine kleine ist, längst auch Gegenstand von Witzen. So ungefähr nach dem Motto: «Dürft ihr in Zug nach OYM-Richtlinien noch ein Bier trinken …» Was nicht ohne Auswirkungen auf die Dynamik des Teams bleibt und die Ursache für zu viele uninspirierte, emotionslose Auftritte der letzten Saison sein kann.

Der Apotheker und Wissenschaftler Hans-Peter Strebel (genannt HP Strebel) waehrend eines Rundganges durch das Spitzensport-Zentrum "OYM" ("On Your Marks"), am Mittwoch, 26. August  ...
Präsident Strebel im OYM in Cham.Bild: keystone

Kommt dazu, dass der EV Zug trotz den auf höchstem sportmedizinischem Niveau entwickelten OYM-Trainingsmethoden in der vergangenen Saison sehr, sehr viel Verletzungspech hatte. Jede Blessur hat eine eigene Geschichte und kann seriös nicht mit dem OYM in Zusammenhang gebracht werden. Aber die Botschaft ist halt die: Wir haben trotz OYM so viele Verletzungen. Und die Zuger waren letzte Saison athletisch-konditionell nie ein Spitzenteam und die letzte Viertelstunde eines Spiels gehörte zu oft dem Gegner.

Kläy fiel dem Einsatz für die Spieler zum Opfer

Reto Kläy, immerhin der Architekt von zwei EVZ-Meisterteams, hat in den letzten zwei Jahren mehr und mehr gespürt, dass der OYM-Faktor auf dem Transfermarkt zum Problem geworden ist und dass es eine Korrektur braucht. Im Interesse der Spieler hat er deshalb versucht, Gegensteuer zu geben. Keine Revolution. Aber einfach eine Anpassung. Nun hat er den Einsatz fürs Team mit dem Jobverlust bezahlt. Das ehrt ihn.

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Seinem Nachfolger Ted Suihkonen wird das nicht passieren: Er ist ein treuer «Zeuge Strebels». Bedingungslose Loyalität zählt mehr als seine fehlende Erfahrung für den Job. Die Frage ist durchaus berechtigt: Wie ernst wird er von den Spielern genommen und hat er Überzeugungskraft im Transferbusiness? Oder muss er auf die Sprache des Geldes setzen? Wollen die Zuger zurück in die Spitzengruppe der Tabelle, dann müssen sie auf dem Transfermarkt erfolgreich sein.

Die Entlassung von Reto Kläy ist fatal, weil sie nach innen Signalwirkung hat und dazu führt, dass nun mehr noch als bisher alle nach dem Munde des Präsidenten reden. Die Konzentration auf eine zu mächtige Persönlichkeit ist in der Schlussphase der so erfolgreichen Ära von Marc Lüthi bereits dem SCB zum Verhängnis geworden.

Der Sportchef des EV Zug, Reto Klaey waehrend eines Medientermins des EV Zug im Trainingszentrum OYM in Cham am Donnerstag, 22. Januar 2026. (KEYSTONE/Urs Flueeler).
Muss gehen: Reto Kläy.Bild: keystone

Der Präsident ist zu mächtig

Der EV Zug hätte eigentlich alles, um wieder Spitzenteam zu sein: Die Strukturen, die Nachwuchsorganisation und das Stadion. Darüber hinaus genügend hockeybegeisterte Geldgeber in einem der reichsten «Stadtstaaten» der Welt, um nicht von einem einzigen Milliardär abhängig zu sein.

Aber «gefangen» in der OYM-Philosophie des grossen Vorsitzenden ist der Weg ins dauerhafte Mittelmass programmiert. Der Präsident ist zu mächtig. Das ist Zugs Problem.

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17 Kommentare
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Dani123456789
20.06.2026 08:06registriert März 2019
Mit seinen Referenzen wird Kläy immerhin schnell wieder einen Job finden, zum Beispiel in Bern brauchen sie immer noch einen brauchbaren Sportchef.
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123und456
20.06.2026 07:30registriert Juli 2015
Naja ob jetzt wirklich das OYM DER Grund für den serbelnden EVZ ist? I doubt it... Und Kläy hat meiner Meinung nach in den letzten 2,3 Saisons auch keine Stricke mehr zerrissen. Und viele der Leistungsträger des "alten" EVZ sind über den Zenit hinaus oder werden sich wohl nicht mehr allzu lange im Zenit halten können (Kovar,Martschini,Hoffmann,Genoni,Diaz?)... Da ist ein ordentlicher Rebuild nötig und da werden sie das Fehlen der Academy wohl schmerzlichst zu spüren bekommen...
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Jacques #23
20.06.2026 07:30registriert Oktober 2018
Dann ist es erstrebelswert, den Club breiter abzustützen.

Ich bin den Erkenntnissen sehr dankbar, die in den nächsten Zeit deutlich werden. Das ist ein Danke an die Kohle von Strebel, der wissenschaftlich perfekte Athleten gestalten wollte.

Das Ergebnis ist, dass es ohne Freude nicht geht. Selbst er hat wohl schon lange keine Freude mehr an seinem Lebenswerk. Alleine er selbst ist der Grund dafür. Punkt.

Sie wurden Meister durch die Herzen, die Freude, den Geist des Teams. Durch die Investition in Leo. Nicht wegen dem OYM.

Wann begreift es Strebel?

Da kommt auch kein Holden zurück.
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