Zugs Weg ins Mittelmass ist programmiert
Ein neuer Sportchef – na und? So können es die Optimisten in Zug interpretieren. Der Sportchef macht in der Regel die Mannschaftsaufstellung nicht, an der Bande ist er auch nicht präsent. Das Team für die nächste Saison steht sowieso.
Der direkte Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit dürfte kurzfristig durch den Wechsel von Reto Kläy zu Ted Suihkonen ein geringer sein. Zumal sich ja der neue Sportchef im EVZ-Fuchsbau bestens auskennt: Er arbeitet bereits seit 2022 in Zug. Dass er nun vom Ausbildner auf dem Eis direkt ins Sportchefbüro wechselt, muss nicht zwingend ein Nachteil sein – Paolo Duca ist als Spieler zum Sportchef befördert worden und gilt als Ambris bester Sportchef der Geschichte.
Die beste Idee sollte sich durchsetzen, nicht das Geld
Aber der Realist sieht in Zug programmiertes Mittelmass. Wenn Wechsel auf der Position des Sportchefs nicht in erster Linie zwingende sportliche Gründe haben (Misserfolg), dann wird es heikel. Denn dann geht es um Machtkämpfe. Und die lenken von der täglichen Arbeit ab.
Eine interne Diskussion über den richtigen Weg zum sportlichen Erfolg kann fruchtbar sein und den Klub weiterbringen. Aber nur dann, wenn es ein Wettstreit der Ideen ist und sich die besseren Argumente durchsetzen. Das ist beim EVZ-Machtkampf höchst fraglich. Wer gewinnt, wenn ein Milliardär und sein Angestellter nicht der gleichen Meinung sind? Richtig: Der Milliardär. In diesem Fall EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel.
Die strengen Prinzipien sorgen schon für Witze in der Liga
Die Art und Weise der Entlassung von Reto Kläy hat etwas von einer griechischen Tragödie. Der Verwaltungsrat – bestehend aus den «Zeugen Strebels» – beschliesst die Amtsenthebung des Sportchefs über den Kopf von Patrick Lengwiler. Aber der Geschäftsführer muss den Bescheid seinem Freund Reto Kläy überbringen. Die Frage ist berechtigt: Wie wird Patrick Lengwiler diese Demütigung verarbeiten? Wird der tüchtige Macher einfach alles cool wegstecken und weitermachen, als wäre alles in bester Ordnung? Oder wird er sich behutsam nach einem neuen Job umsehen? Er dürfte bei seiner Arbeit vorerst einmal nicht motivierter, fröhlicher und inspirierender sein.
Einen Aufstand gegen den Präsidenten wird Patrick Lengwiler nicht inszenieren. Hans-Peter Strebel duldet keinen Widerspruch, wenn es um sein Projekt, sein «Lebenswerk» OYM geht. Der Milliardär hat ja für das Sportleistungszentrum sogar die Namensrechte am Zuger Eistempel gekauft. Die OYM-Philosophie ist Gospel (Evangelium). Punkt.
Was in Zug dem Präsidenten vor Reto Kläay nie jemand zu sagen gewagt hat – und wer kritische Anmerkungen machen will, wird intern in den Senkel gestellt – ist eigentlich ganz einfach: Die Spieler mucken gegen zu viel OYM auf. Die strenge, ja «calvinistische» OYM-Philosophie, die einige als eine Art «sportlichen Sozialismus» empfinden, ist in der Hockeywelt, die halt eine kleine ist, längst auch Gegenstand von Witzen. So ungefähr nach dem Motto: «Dürft ihr in Zug nach OYM-Richtlinien noch ein Bier trinken …» Was nicht ohne Auswirkungen auf die Dynamik des Teams bleibt und die Ursache für zu viele uninspirierte, emotionslose Auftritte der letzten Saison sein kann.
Kommt dazu, dass der EV Zug trotz den auf höchstem sportmedizinischem Niveau entwickelten OYM-Trainingsmethoden in der vergangenen Saison sehr, sehr viel Verletzungspech hatte. Jede Blessur hat eine eigene Geschichte und kann seriös nicht mit dem OYM in Zusammenhang gebracht werden. Aber die Botschaft ist halt die: Wir haben trotz OYM so viele Verletzungen. Und die Zuger waren letzte Saison athletisch-konditionell nie ein Spitzenteam und die letzte Viertelstunde eines Spiels gehörte zu oft dem Gegner.
Kläy fiel dem Einsatz für die Spieler zum Opfer
Reto Kläy, immerhin der Architekt von zwei EVZ-Meisterteams, hat in den letzten zwei Jahren mehr und mehr gespürt, dass der OYM-Faktor auf dem Transfermarkt zum Problem geworden ist und dass es eine Korrektur braucht. Im Interesse der Spieler hat er deshalb versucht, Gegensteuer zu geben. Keine Revolution. Aber einfach eine Anpassung. Nun hat er den Einsatz fürs Team mit dem Jobverlust bezahlt. Das ehrt ihn.
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Seinem Nachfolger Ted Suihkonen wird das nicht passieren: Er ist ein treuer «Zeuge Strebels». Bedingungslose Loyalität zählt mehr als seine fehlende Erfahrung für den Job. Die Frage ist durchaus berechtigt: Wie ernst wird er von den Spielern genommen und hat er Überzeugungskraft im Transferbusiness? Oder muss er auf die Sprache des Geldes setzen? Wollen die Zuger zurück in die Spitzengruppe der Tabelle, dann müssen sie auf dem Transfermarkt erfolgreich sein.
Die Entlassung von Reto Kläy ist fatal, weil sie nach innen Signalwirkung hat und dazu führt, dass nun mehr noch als bisher alle nach dem Munde des Präsidenten reden. Die Konzentration auf eine zu mächtige Persönlichkeit ist in der Schlussphase der so erfolgreichen Ära von Marc Lüthi bereits dem SCB zum Verhängnis geworden.
Der Präsident ist zu mächtig
Der EV Zug hätte eigentlich alles, um wieder Spitzenteam zu sein: Die Strukturen, die Nachwuchsorganisation und das Stadion. Darüber hinaus genügend hockeybegeisterte Geldgeber in einem der reichsten «Stadtstaaten» der Welt, um nicht von einem einzigen Milliardär abhängig zu sein.
Aber «gefangen» in der OYM-Philosophie des grossen Vorsitzenden ist der Weg ins dauerhafte Mittelmass programmiert. Der Präsident ist zu mächtig. Das ist Zugs Problem.
