DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland's goaltender Leonardo Genoni looks his teammates from the bench after his substitution, during the IIHF 2021 World Championship preliminary round game between Switzerland and Sweden, at the Olympic Sports Center, in Riga, Latvia, Tuesday, May 25, 2021. The game is played behind closed doors due to the coronavirus COVID-19 pandemic. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Wenn Meier nicht trifft und Genoni nicht hält, was er verspricht …

Die Schweden sind immer noch die besseren Schweizer. Eine 0:7-Niederlage gegen Schweden als Rückschlag oder nur ein Zwischenhalt auf dem Weg nach oben? Die Antwort auf diese Frage hängt in erster Linie von Leonardo Genoni ab.



Keine Chance gegen eines der nominell schwächsten schwedischen Teams, gegen das die Schweizer an einer WM je gespielt haben. War der Optimismus der letzten Tage bloss ein Irrtum? Wer will, kann das so sehen. Die 0:7-Niederlage ist tatsächlich ein schwerer statistischer Rückschlag. Und bestätigt alle Realisten, die sagen, wir seien eben noch lange, lange nicht titelreif.

abspielen

Die Highlights des Spiels. Video: YouTube/IIHF Worlds 2021

Aber wenn wir uns intensiver mit dem Spiel befassen, dann sehen wir: Die heftige Niederlage hat ein paar Gründe und einen Hauptgrund. Die paar Gründe stehen für die Summe von Details, die den Schweizern zu schaffen machten, die aber noch nicht zwingend in die Niederlage führen mussten.

Die Schweden sind klar besser als die Tschechen, die wir 5:2 und die Dänen, die wir 1:0 besiegt hatten. Weil sie ihrem Ruf als Taktiker von Weltformat gerecht werden. Sie entziehen unserem Spiel den Sauerstoff und verhindern ein Tempospektakel.

Mit ein paar taktischen Handgriffen: Sie verlegen das Forechecking tiefer in unsere Zone als die Tschechen und die Dänen. Sie stören also unsere Verteidiger viel früher – und unterbinden so die schnellen Auslösungen der Angriffe. Sie sind in der neutralen Zone aufmerksamer und reduzieren das Tempo der Schweizer beim Ansturm in die gegnerische Zone. So haben sie viel weniger Mühe, unsere Stürmer im Schach zu halten und sind in den Zweikämpfen bissiger.

Um es etwas blumig zu sagen: Die Schweizer fliegen nicht mehr nach vorne. Der «Flugraum» fehlt. Sie müssen zu Fuss gehen. Und so ist es kein Wunder, dass auch Timo Meier nicht trifft – und wenn er nicht trifft, wer dann?

Zum ersten Mal bei diesem Turnier hat die Mannschaft von Patrick Fischer einen durch und durch ebenbürtigen, robusten Gegner. Daraus entwickelt sich ein intensives «Schachspiel» auf Augenhöhe. Oder besser: Nur Anfang sind es zwei Teams auf Augenhöhe. Obwohl am Ende mit 28:27 Torschüssen sogar eine statistische Überlegenheit der Schweizer steht. Und so kehren wir zurück zu einem ewigen Gesetz des Eishockeys, das seine Gültigkeit seit mehr als 100 Jahren nicht verloren hat und in 100 Jahren noch gelten wird. Ein Gesetz, so banal, dass es schon fast ein Klischee geworden ist: Ohne grossen Torhüter ist auf diesem Niveau kein Spiel zu gewinnen. Das gilt für alle Teams.

Wir dürfen es so sagen, weil es so ist: Leonardo Genoni, WM-Silberheld von 2018, meisterlicher Held in Davos, Bern und zuletzt in Zug, ist für einmal ein Lottergoalie. Gemessen an seinem besten Hockey sind alle vier Treffer nicht unhaltbar. Sein 23. WM-Einsatz ist sein bisher schwächster. In dieser Verfassung hätte er mit Zug den Viertelfinal gegen den SC Bern nicht überstanden.

Switzerland's goaltender Leonardo Genoni, left, gives up his place to Switzerland's goaltender Melvin Nyffeler, right, during the IIHF 2021 World Championship preliminary round game between Switzerland and Sweden, at the Olympic Sports Center, in Riga, Latvia, Tuesday, May 25, 2021. The game is played behind closed doors due to the coronavirus COVID-19 pandemic. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Genoni muss Melvin Nyffeler Platz machen. Bild: keystone

Also ist es nur logisch, dass er nach dem 0:4 und einer Fangquote von 66,70 Prozent ausgewechselt wird. Melvin Nyffeler kommt früher als geplant zu seinem WM-Debüt. Es hilft kein wenn und aber: Jede Analyse dieses Spiels endet beim Torhüter. Nach dem 0:4 löst sich das Spiel der Schweizer auf und am Ende steht die erste «zu null» WM-Niederlage gegen Schweden seit dem 8. Mai 2011. Damals verloren wir mit… Leonardo Genoni im Tor. Damals machten die Schweden aus 34 Abschlussversuchen nur zwei Treffer und der zweite fiel erst 32 Sekunden vor Schluss, als die Schweizer Genoni durch einen 6. Feldspieler ersetzt hatten.

Nur wenn Zugs Meistergoalie wieder sein bestes Hockey spielt, ist diese Niederlage gegen Schweden bloss ein Zwischenhalt auf dem Weg nach oben. Die bange Frage ist also: Sehen wir in Riga bald wieder den wahren Leonardo Genoni? Nationaltrainer Patrick Fischer ist für sein psychologisches Geschick im Umgang mit seinen Spielern berühmt. Dieses Talent ist nun gefragt.

Mit einem gewöhnlichen Torhüter kommen wir nicht in die Nähe von Medaillen. Und so dürfen wir den missglückten Abend in einem etwas holprigen Reim zusammenfassen: Die Schweiz verloren ist, wenn Timo Meier nicht trifft und Leonardo Genoni nicht hält, was er verspricht.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Diese 19 Talente gilt es an der Eishockey-WM zu beachten

1 / 21
Diese 19 Talente gilt es an der Eishockey-WM zu beachten
quelle: keystone / marcel bieri
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Du bist ein echter Eishockey-Fan? So kriegst du das Stadion-Feeling zuhause hin.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

«Abstürzende Adler» – die besten Schweizer seit 1998 sind gescheitert

Ist es Leichtsinn? Ist es gar Hybris? Nein, es ist eine Laune der Hockeygötter. Die Schweizer verlieren einen WM-Viertelfinal gegen Deutschland nach Penaltys (2:3), den sie nie hätten verlieren dürfen. Weltmeister werden wir wieder nicht. Aber wir sind die Dramakönige der Hockeygeschichte.

Ach, es wäre so schön gewesen. Nur 43 Sekunden fehlten für den Halbfinal. Um zu zeigen, wie schmal der Grat zwischen Triumph und sportlicher Tragödie sein kann und wie gut die Schweizer bei dieser WM und in diesem Viertelfinal-Drama waren, machen wir hier kurz ein Gedankenspiel. Nach dem Motto: Was wäre wenn?

Also; hätten wir gewonnen, so wäre hier nun zu lesen:

«Unser Eishockey, unser Sieg, unser Halbfinal: Die Schweiz besiegt in einer der besten WM-Partien der Neuzeit Deutschland. Die Deutschen …

Artikel lesen
Link zum Artikel