Sport
Eismeister Zaugg

Lugano verspielt 3:0 gegen SCL Tigers – kein Grund zur Polemik?

Noah Meier (SCL), rechts, kaempft um den Puck mit Lorenzo Canonica (HCL) im Spiel der Eishockey National League zwischen SCL Tigers, SCL, und HC Lugano, HCL, vom Dienstag, 29. September 2026 in Emment ...
Der HC Lugano verlor gegne Langnau nach einer 3:0-Führung noch blamabel.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Nach einer 3:0-Führung verloren – na und?

Schon dreimal ist in diesem September ein Drei-Tore-Rückstand aufgeholt worden. Die National League ist auf dem besten Wege zu einem neuen Spektakel-Rekord und die Preisgabe einer 3:0-Führung ist nicht einmal mehr im Tessin ein Grund zur Polemik
30.09.2026, 18:5630.09.2026, 18:56

Wie holt man drei Tore Rückstand auf? Von mehreren Möglichkeiten ist der Einfluss der Bandengeneräle der interessanteste.

Die Bezeichnung General ist im Ursprung nicht militärisch. Vom lateinischen «generalis» (das Ganze betreffend) abgeleitet, sind in alten Zeiten in den Klöstern die Chefs Generaloberer, Generalabt oder Generalvikar genannt worden. Da dürfen wir im Hockey von Bandengenerälen reden, ohne gleich als Militaristen dazustehen.

Die Highlights des Spiels.Video: YouTube/National League

Im Hockey ist der Einfluss des Coaches – also des Bandengenerals – hoch. Er kann im Minutentakt die Formationen wechseln oder neu zusammenstellen, pro Spiel eine Denkpause verlangen (Timeout), seinen Männern zweimal in der Kabine während 18 Minuten ins Gewissen reden und den Torhüter so oft wechseln, wie er will.

Wenn es gelingt, einen Dreitore-Rückstand wettzumachen, dann gibt es mehrere Ursachen.

  • Einem Aussenseiter gelingt es mit dem Beistand der Hockeygötter gegen einen Titanen drei Tore vorzulegen, wird dann aber doch noch überrollt.
  • Ein Titan wird nach einer Führung überheblich, verliert die Kontrolle und kann sich nicht mehr zurückgewinnen.
  • Ein Bandengeneral sorgt mit einer gelungenen Umstellung oder einem Kabinen-Donnerwetter für eine neue Dynamik in seinem Team.

Wir sind auf dem Weg zu einem neuen Spektakel-Rekord. Bereits dreimal haben Teams einen Dreitore-Rückstand aufgeholt und mindestens einen Punkt gerettet.

  • Servette machte gegen Ajoie ein 0:3 wett, verlor aber in der Penalty-Entscheidung.
  • Servette holte ein 0:3 gegen Gottéron auf und gewann die Penalty-Entscheidung.
  • Die SCL Tigers machen gegen Lugano aus einem 0:3 im letzten Drittel ein 4:3.

Bei Servette gilt: Diese Mannschaft ist so hochkarätig besetzt, dass eine Aufholjagd gegen Ajoie logisch und gegen jedes andere Team der Liga möglich ist. Es genügt, wenn der Coach seinen Stars Beine macht.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Interessanter ist die Wende vom 0:3 zum 4:3 der SCL Tigers gegen Lugano. Langnaus Bandengeneral Thierry Paterlini beorderte seine beiden finnischen Verteidiger Juuso Riikola und Santtu Kinnunen im Schlussdrittel gemeinsam aufs Eis. Die beiden Finnen orchestrierten drei der vier Tore. Das Spiel ist auch an der Bande gewonnen worden.

Head Coach Thierry Paterlini (SCL) gibt Anweisungen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den SCL Tigers, am Samstag, 19. September 2026, in der Tissot Arena i ...
Thierry Paterlini hat mit seinen Entscheidungen das Spiel gedreht. Bild: keystone

Lugano verbleibt am Tabellenende und schöpft Trost aus der Vergangenheit: Im letzten Herbst starteten die Tessiner mit vier Niederlagen (gegen Gottéron, Biel, Zug und die ZSC Lions) und nach sechs Partien hatten sie erst einmal (gegen Ajoie) gewonnen. Da ist nun der Saisonstart ein grosser Schritt nach vorne: Schon zwei Siege (gegen Servette und Zug) nach fünf Partien.

Also nicht einmal bei den Tessinern ein Grund zu toben oder zu polemisieren oder eine Krise auszurufen. Das zeigt sich nach der Niederlage im Kabinengang.

Die Kabinentüre ist noch zu. Drei Chronisten (Chronistin war keine da) warten, so wie es der Brauch ist, auf die Protagonisten, um sie zur schmählichen Niederlage zu befragen. Weil sich auch Sportchef Janick Steinmann in die Kabine begeben hat, keimt Hoffnung auf etwas Polemik. Also raten die drei Chronisten, wie lange es dauert, bis die Kabinentüre wieder geöffnet wird.

Die zwei aus dem Tessin schätzen auf ein Kabinengewitter von mindestens einer Viertelstunde Dauer. Der Chronist aus der Deutschschweiz, dem die lateinische Lust an der Polemik eher fremd ist, vermutet höchstens sieben Minuten und sagt, es könnten aber auch nicht viel mehr als sieben Sekunden dauern. Kaum gesagt, wird die Türe zum Allerheiligsten geöffnet. Niemand flucht, niemand tobt, alle und selbst Janick Steinmann, der Architekt einer neuen Leistungskultur, sind recht entspannt. Er räumt ein, dass so etwas natürlich nicht passieren sollte, hat dafür keine Erklärung und verweist darauf, dass der Start letzte Saison ja schwieriger war.

Und dabei wird – bevor auch nur eine polemische Frage überhaupt aufkommt – auch Torhüter Joren van Pottelberghe (Fangquote 86,21 Prozent) von aller Schuld freigesprochen. Mit einer Vertragsverlängerung sollte Luganos Nummer 2 trotzdem nicht rechnen.

Es gibt für Lugano noch einen Trost: Die Liga ist so ausgeglichen, dass es wohl nicht das letzte Mal war, dass ein Team eine Dreitore-Führung preisgegeben hat.

  • Während der ganzen Qualifikation 2023/24 – eine Regular Season umfasst jeweils 364 Spiele – gaben nur Langnau (gegen den SCB) und Davos (gegen Lausanne) ein 3:0 preis.
  • Während der Qualifikation 2024/25 passierte das Malheur sechs Mal.
  • Während der letzten Saison drei Mal.

Und nun hat es noch Blätter in den Bäumen, es ist noch September und schon ist in nur 45 Partien dreimal eine Drei-Tore-Führung verspielt worden. Die Ausgeglichenheit der Liga wird uns einen neuen Spektakel-Rekord bescheren wird. Nach dem Motto: Eine 3:0-Führung verspielt – na und? Die Chancen sind intakt, dass sich auch mal Lugano über eine Aufholjagd nach drei Toren Rückstand freuen darf.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 14
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Streichung der Erfolgsprämien und fünf Millionen einsparen: Der Sparplan von Swiss Olympic
Swiss Olympic will im Budget für das Jahr 2027 fünf Millionen Franken einsparen. Nicht direkt damit zu tun hat die Streichung der Erfolgsprämien für die Wintersportverbände. Aber diese tun besonders weh.
Die Meldung im «SonntagsBlick» schreckt auf. Von einem «Sparhammer» und fünf Millionen Franken, die im Budget des Dachverbands Swiss Olympic eingespart werden müssten, ist die Rede. Entsprechend nervös reagiert die Schweizer Sportwelt. Wie dramatisch ist die Situation?
Zur Story