Die 7 spannendsten Geschichten in dieser NHL-Saison
Wie gut sind die umgebauten Leafs?
General Manager John Chayka juckte es offenbar in den Fingern. Nach einem äusserst aktiven Sommer und dann eher ruhigeren Wochen zum Herbstbeginn zündete er in der Nacht auf Dienstag die nächste Trade-Bombe. Er schickte Matthew Knies (Stürmer, 23 Jahre, 7,75 Mio. Cap Hit), Emil Andrae (Verteidiger, 24, 1,55 Mio.), Steven Lorentz (Stürmer, 30, 1,35 Mio.) und einen Zweitrundenpick zu den Columbus Blue Jackets für Kirill Marchenko (Stürmer, 26, 3,85 Mio.), Miles Wood (Stürmer, 31, 2,5 Mio.) und Elvis Merzlikins (Goalie, 32, 4,428 Mio., weil Columbus 18 Prozent des Lohns weiterhin bezahlt).
TRADE: We’ve acquired forwards Kirill Marchenko, Miles Wood, and goaltender Elvis Merzļikins from the Columbus Blue Jackets
— Toronto Maple Leafs (@MapleLeafs) September 28, 2026
Die zentralen Bestandteile des Trades sind Knies und Marchenko. Knies ist ein Powerflügel erster Güte, der Härte ins Spiel bringt, aber auch skoren kann (66 Punkte letzte Saison). Marchenko ist weniger physisch, dafür ein Spieler, der immer den direkten Abschluss aufs Tor sucht. Die Leafs dürften sich Sorgen gemacht haben, dass Knies in den letzten Jahren nicht besonders gut mit Auston Matthews harmoniert hat und sich deshalb nach einer anderen Lösung umgeschaut haben. Marchenko ist dieses Jahr noch günstig, doch nach einer sofortigen Vertragsverlängerung in Toronto wird er ab Sommer 2027 während sechs Jahren 12,5 Mio. Dollar verdienen. Chayka geht also auch ein Risiko ein, indem er auf Knies mit seinen für die heutigen Verhältnisse günstigen 7,75 Millionen pro Jahr verzichtet.
Aber Chayka hat diesen Sommer gezeigt, dass er kein Risiko scheut. Der frühere GM der Arizona Coyotes hat in Toronto die Zügel von Brad Treliving übernommen und sowohl die Mannschaft als auch das Management komplett umgebaut. Im sogenannten Front Office mit den Assistenz-GMs, der Scouting-Abteilung sowie dem Team-Management kam es zu mehr als 30 Zu- und Abgängen. Darunter auch ein komplett neues Trainerteam mit Chef Jim Hiller und den Assistenten Daniel Alfredsson, John Gruden und Brad Werenka.
Und auch die Mannschaft hat der 37-jährige GM entscheidend umgebaut. Er tradete die Torhüter Joseph Woll und Dennis Hildeby weg und holte dafür Routinier Sergei Bobrovsky aus Florida. In der Free Agency schnappte er sich mit Darren Raddysh den begehrtesten Verteidiger und im Sturm sorgte er mit den Verpflichtungen von Nick Paul, Jack Roslovic und Colton Sissons für etwas mehr Breite im Kader. Dazu kam natürlich auch noch viel Glück: Die Leafs gewannen die Draft-Lotterie und wählten im Juni an erster Stelle mit Gavin McKenna den nächsten potenziellen Superstar.
Die Hochrisiko-Strategie von Chayka ist durchaus verständlich. Der Vertrag von Auston Matthews läuft nur noch zwei weitere Jahre. Wenn der Starcenter nicht das Gefühl hat, dass sich die Situation der Leafs zum Besseren entwickelt, droht er Toronto im Sommer 2028 zu verlassen. So oder so wird es spannend zu beobachten, wie die Saison der Toronto Maple Leafs verläuft.
Was machen die «Verräter»?
Manchmal wollen nicht nur Manager, sondern auch Spieler Veränderungen. Mit Connor Hellebuyck und Dylan Larkin haben zwei hochkarätige Namen in diesem Sommer einen Trade-Wunsch geäussert. Hellebuyck, Goalie bei den Winnipeg Jets, gewann in der Saison 2024/25 nicht nur die Auszeichnung zum besten Torhüter des Jahres, sondern wurde gar zum MVP der NHL gekürt. Larkin war Teil des US-Olympiateams, das im vergangenen Februar in Mailand Gold gewann, und Captain bei den Detroit Red Wings.
Die Verträge beider Spieler laufen noch mehrere Jahre und verfügen über eine No-Move-Klausel. Das bedeutet: Hellebuyck und Larkin können nicht ohne Zustimmung ihrerseits getradet werden. Sie können also vorgeben, wo sie hinwollen. Die Jets, respektive die Red Wings können die Angebote dieser Teams aber natürlich auch einfach ablehnen, wenn sie nicht den Erwartungen entsprechen.
Das sorgte in beiden Fällen bislang für eine Pattsituation. Hellebuyck hat sich geweigert, im Trainingscamp von Winnipeg aufzutauchen, und wurde dafür (ohne Lohn) suspendiert. Wenn heute Nacht die Saison beginnt, verliert er deshalb dann täglich 39'000 US‑Dollar. Larkin rückte in die Vorbereitung der Red Wings ein, verletzte sich aber sogleich und musste auch das Captain-Amt abgeben. Eine Versöhnung scheint in beiden Fällen unwahrscheinlich. Management, die (ehemaligen?) Mitspieler und insbesondere die Fans dürften schlecht auf Hellebuyck und Larkin zu sprechen sein.
Deshalb ist zu erwarten, dass es in dieser Saison eher früher als später zu spektakulären Trades kommt. Sobald ein Cup-Anwärter erste Goalieprobleme hat, dürfte deren GM sich bei den Jets nach Hellebuyck erkundigen. Und wenn ein Team auf der Centerposition Verstärkung braucht, kommt Larkin ins Spiel.
Führt Babcock die Oilers zum Cup?
Es war die am meisten beachtete Trainer-Entscheidung in der NHL in diesem Sommer. Die Edmonton Oilers engagierten den umstrittenen Mike Babcock. Umstritten deshalb, weil er in seiner Trainerkarriere immer wieder mit Psychoterror auffiel und bei den Columbus Blue Jackets 2023 deshalb noch vor dem ersten Saisonspiel wieder entlassen wurde. Seine Qualitäten als Trainer sind unbestritten, seine persönlichen Mängel aber auch. Johan Franzén, der 2008 mit Detroit und Babcock den Stanley Cup gewonnen hat, bezeichnete den Coach nach seiner Karriere als «schlechtesten Menschen, den ich je kennengelernt habe».
Doch die Stars der Oilers waren Feuer und Flamme für den 64-Jährigen. Allen voran Zach Hyman, der schon in Toronto unter Babcock spielte und dessen Familie mit jener Babcocks gut befreundet ist. Aber auch Connor McDavid und Leon Draisaitl sollen sich für die Einstellung des Kanadiers eingesetzt haben. Das wiederum sorgte ebenfalls für Kritik. Oilers-Legende Mark Messier bemängelte in ziemlich scharfen Worten, dass der Einfluss von McDavid und Draisaitl in Edmonton mittlerweile grösser sei als jener von General Manager Stan Bowman.
Whoa. My colleague Mark Messier on the Oilers hiring Mike Babcock as head coach, during the ESPN NHL Opening Night media call today.
— Greg Wyshynski (@wyshynski) September 23, 2026
"I am just horrified about the whole thing, to be honest with you." pic.twitter.com/Wcd7qOsm29
So darf man gespannt sein, wie sich die Dynamiken im Verlauf dieser Saison entwickeln. Trauen sich weniger prominente Spieler noch, sich McDavid gegenüber zu öffnen, falls sie von Babcock schlecht behandelt werden sollen? Kann Babcock mit seinem Wissen die Oilers endlich zum langersehnten Cup führen? Und was macht McDavid, wenn es auch mit seinem nächsten Wunschtrainer nicht klappt und sein Vertrag im Sommer 2028 ausläuft? Die Oilers-Saison wird alles ausser langweilig.
Was passiert mit Quinn Hughes?
Quinn Hughes wechselte letzte Saison in einem Monstertrade von den Vancouver Canucks zu den Minnesota Wild. Doch liegt seine Zukunft auch in den Twin Cities? Diese Frage muss General Manager Bill Guerin in den nächsten Monaten beantworten. Der Vertrag des Starverteidigers läuft im Sommer 2027 aus. Hughes fühlt sich gemäss eigenen Aussagen wohl in Minnesota, doch es ist auch ein offenes Geheimnis, dass er gerne mit seinen Brüdern Jack und Luke zusammenspielen möchte, die beide bei New Jersey unter Vertrag stehen.
Chris Johnston on The Chris Johnston Show on the question; This time next year, which team will Quinn Hughes play for?: ''New Jersey Devils. I think the brother talk it's certaintly real and then there's a lot of family pressure there or family expectation. I mean, it's just such… pic.twitter.com/CLtgEdsKhy
— R i N K Y (@RinkyReport) September 28, 2026
Guerin hat darum die Aufgabe, Hughes von einem Verbleib bei den Wild zu überzeugen – oder entsprechend zu reagieren. Der Wild-GM hat junge Talente und Draft-Picks aufgegeben, um Hughes aus Vancouver zu holen. Dass dieser im Sommer 2027 als Free Agent den Klub verlässt, kann sich Guerin nicht leisten. Wenn sich also abzeichnet, dass eine Vertragsverlängerung in Minnesota nicht möglich ist, muss er wohl den nächsten Hughes-Trade aufgleisen.
Wie gut ist das Florida-Superteam?
Aleksander Barkov, Sam Bennett, Anton Lundell, Brad Marchand, Matthew Tkachuk, Aaron Ekblad, Seth Jones – die Liste der Stars bei den Florida Panthers war schon lange. Und sie ist in diesem Sommer noch um einen weiteren Namen erweitert worden: Brady Tkachuk. Der Bruder von Matthew stiess in diesem Sommer per Trade von den Ottawa Senators zu den Panthers.
Damit ist klar: Es gibt in der NHL wohl keinen besseren Sturm als jenen der Florida Panthers – auch wenn Marchand nach einer Operation im Sommer zu Beginn der Saison noch ausfällt. Die Verteidigung ist immer noch gut, wenn auch langsam etwas überaltert. Fragezeichen gibt es bei den Torhütern, weil sich Sergei Bobrovsky Richtung Toronto verabschiedet hat. Seine Nachfolger sind Jacob Markström und der Schweizer Akira Schmid. Markström hat nun schon vier Jahre nicht mehr wirklich überzeugt. Und Schmid hat sich auch mit mittlerweile 26 Jahren noch nicht nach Wunsch durchsetzen können. Die Frage für diese Saison lautet: Laufen die Panthers allfälligen Goalieproblemen einfach davon oder werden sie davon zurückgebunden?
Schaffen die Sharks den nächsten Schritt?
Getragen vom jungen Superstar Macklin Celebrini (82 Spiele, 115 Punkte) waren die San Jose Sharks eines der am meisten verbesserten Teams der letzten Saison. Mit 86 Punkten verpassten sie die Playoff-Qualifikation am Ende nur knapp.
Dieses Jahr soll nun der nächste Schritt folgen. Jacob Trouba und Darnell Nurse ergänzen die Verteidigung mit viel Erfahrung. Im Sturm sorgt Mason Marchment für mehr Torgefahr und Wasserverdrängung. Und die jungen Sharks-Talente sollten eigentlich nur noch besser werden: Allen voran natürlich Macklin Celebrini, aber man darf auch gespannt sein, wie sich Michael Misa, Will Smith und der erst gerade gedraftete Ivar Stenberg diese Saison schlagen. Und wenn auch der 24-Jährige Goalie Yaroslav Askarov sein Talent-Versprechen endlich einlöst, dann ist eine Playoff-Qualifikation durchaus realistisch.
Wer zerbricht am Millionendruck?
Der Salary Cap explodiert. Während die Salärobergrenze in den Corona-Jahren und danach länger quasi flach blieb, steigt sie seit rund drei Jahren massiv an. Diese Saison liegt der Cap bei 104 Millionen Dollar. In der Saison 2028/29 soll er bereits auf 127,5 Millionen angestiegen sein. Dementsprechend wurden diesen Sommer auch Verträge ausgeteilt, wie sie die NHL noch nie gesehen hat.
Leo Carlsson unterschrieb ein 18-Millionen-Offer-Sheet bei den Philadelphia Flyers, die am Ende aber von seinem Stammklub, den Anaheim Ducks, übernommen wurde. Connor Bedard verlängerte bei den Chicago Blackhawks um fünf Jahre bei einem Cap Hit von 15 Millionen Dollar. Macklin Celebrini verlängerte vorzeitig und wird ab 2027/28 18,8 Millionen pro Jahr verdienen. Und Cale Makar – ebenfalls mit einer vorzeitigen Verlängerung – knackte als erster Spieler der Salary-Cap-Ära die Marke von 20 Millionen (20,4 Mio.). Selbst der bislang kaum wie ein Star spielende Verteidiger Bowen Byram (Chicago Blackhawks) kassiert ab 2027 12,5 Millionen im Jahr.
Mit dem steigenden Lohn steigen auch die Erwartungen – zumal sich vermutlich noch längst nicht alle Fans an die neue Cap-Realität gewöhnt haben. Wenn Byram in Chicago weiterhin im Bereich von rund 40 Skorerpunkten pro Saison sitzen bleibt, dürfte bald Kritik laut werden, sowohl gegen ihn, als auch das Management. Auch Leo Carlsson muss sich gegenüber seiner letzten Saison (67 Punkte in 70 Spielen) eher noch steigern, um den Status als bestbezahlter Spieler dieser NHL-Saison zu rechtfertigen.
