Das neue SCB-Stadion und der Respekt vor dem «Veloständer-Reflex»
Der neue SCB-Geschäftsführer Jürg Fuhrer sagt auf eine entsprechende Anfrage, wann denn nun das Stadion-Projekt endlich vorgestellt werde: «In ein paar Wochen.» Es ist dies die erste offizielle Ankündigung eines Termins. Alles ist aufgegleist, aber noch haben nicht alle Investoren unterschrieben. Ein «paar Wochen» ist immerhin optimistischer als «ein paar Monate» oder gar ein «paar Jahre». Wir können also davon ausgehen, dass der SCB das Stadionprojekt noch in diesem Jahr präsentieren wird.
Eine eigens dafür gegründete Aktiengesellschaft wird das neue Stadion bauen und als Besitzer vermieten. Hauptmieter wird der SCB plus mehrere Mitbenutzer. Weil das Geld von privaten Investoren kommt (keine Steuergelder) und es keine Zonenplanänderungen braucht, gibt es keine Volksabstimmung.
Die Zuversicht ist daher gross, dass der Zeitplan (Eröffnung auf den Saisonstart im Herbst 2031) eingehalten werden kann. Weil erstens das neue Stadion auf dem Areal des alten «Tempels» errichtet wird. Weil zweitens das Fassungsvermögen (rund 12'000, bisher 17'031) und das Volumen der neuen Arena entsprechend kleiner sind. Weil drittens die Lärm- und Umweltbelastung und das Verkehrsaufkommen geringer sein werden. Weil viertens der ÖV-Anschluss bereits besteht und nicht ausgebaut werden muss. Es gibt also zumindest theoretisch eigentlich keine wirksamen Einsprache-Möglichkeiten gegen das entsprechende Baugesuch.
Die Planer und Investoren haben allerdings Respekt vor dem «Veloständer-Reflex». Eine mit dem Projekt bestens vertraute Gewährsperson erklärt es so: «Es wird auf jeden Fall Einsprachen geben. Und sei es nur wegen einer ungenügenden Anzahl Velo-Ständer …» Also reflexartige Einsprachen um der Einsprachen willen, auch mit eher eigenwilligen Begründungen durch die Interessenvertreter der umliegenden Wohnquartiere: Der «Veloständer-Reflex».
Die Gefahr einer Verzögerung – wie etwa in Zürich gegen den Bau des Fussball-Stadions – wird allerdings als gering eingestuft. Kommt dazu: Es besteht die ganz legale Möglichkeit, bereits vor der erteilten Baubewilligung im alten Stadion umfangreiche Sanierungsarbeiten in Angriff zu nehmen.
Eine Eröffnung im Herbst 2031 wäre eine runde Sache: 60 Jahre nach der Vollendung des Baus des aktuellen Stadions. Das Allmendstadion (heute PostFinance Arena) ist 1967 eröffnet worden und war zunächst noch nicht überdacht. Im Hinblick auf die Eishockey-WM 1971 wurde eine Überdachung vorangetrieben. Eine zentrale Rolle spielte dabei der damalige Stadtpräsident Reynold Tschäppät, der für das Projekt mit dem legendären Slogan «Weit dir äs Dach über äm Chopf?» weibelte. Weil sich die Stadt am Projekt mit knapp 2 Millionen beteiligte, war damals eine Volksabstimmung notwendig, die auch dank dem Engagement des SP-Stadtpräsidenten gewonnen wurde.
Das erste Spiel unter dem Dach ging am 28. November 1970 gegen Küsnacht (5:4) vor nur 7100 Fans in der NLB über die Bühne bzw. das Eis. Die grosse Stehrampe war noch nicht fertig. Das Stadion, wie wir es heute kennen, gibt es erst seit der Eishockey-WM 1971.
Erst wenn das neue Stadion auf dem Boden der alten Arena steht, folgt der Ausbau der ganzen Infrastruktur. Unter anderem ist geplant, das Ausseneisfeld zu überdachen. Dagegen wird es griffigere Einsprache-Möglichkeiten geben als bloss die Anzahl Velo-Ständer. Aber der SCB-Spielbetrieb wird dadurch nicht mehr tangiert und Verzögerungen spielen keine Rolle mehr.
Das ganze Stadionprojekt führt zu einer ganz besonderen Mischung aus Optimismus und Pessimismus. Um konkurrenzfähig zu bleiben, ist der SCB auf ein neues Stadion angewiesen. Das ist allen klar. Der SCB-Stadionoptimist sagt: Zum Glück ist bei uns die Saison spätestens Mitte März zu Ende und die Bauarbeiten können früh beginnen. Der SCB-Sportpessimist hingegen gibt zu bedenken: Das ist schön und gut, aber es wäre besser, die Saison würde bei uns bis Ende April dauern. Man kann eben nicht den Batzen und das Weggli haben.
P.S. Der SCB ist in der Gastro-Abteilung eine Sorge los: Es ist endlich gelungen, für das «Beef» (the BEEF Steakhouse & Bar) in der Berner Altstadt einen neuen Pächter zu finden und auszusteigen.
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