Todd Eliks Video und eine besondere Fähigkeit des Trainers
Ein bewegender, aufwühlender Moment vor der Partie gegen Zug in Langnau. Auf dem Videowürfel wird eine Botschaft von Todd Elik (60) aus Kanada übermittelt. Er ist an Krebs erkrankt und bedankt sich bei den Fans für das Transparent vor dem letzten Spiel gegen Lausanne, versichert, dass er gegen die heimtückische Krankheit kämpfe und hoffe, wieder mal in Langnau bei einem Spiel dabei zu sein. Nach der Partie meldet er aus Kanada:
So ist es. Nach einem miserablen dienstäglichen 3:5 gegen Lausanne folgt nun am Freitag ein grandioses 5:3 gegen ein starkes Zug. Luca Boltshauser ist besser als Leonardo Genoni.
Todd Elik stand – mit Unterbrüchen – zwischen 1998 und 2009 in Langnau unter Vertrag und hat in 146 Partien 212 Skorerpunkte zelebriert und sagenhafte 617 Strafminuten abgesessen. Unvergessen bleibt, wie er im Frühjahr 1999 die Langnauer im Abstiegskampf (inkl. einer Liga-Qualifikation gegen Chur) mit 27 Punkten in 8 Spielen zusammen mit Torhüter Martin Gerber nahezu im Alleingang rettete.
Darüber, ob er der beste Ausländer in der Geschichte des emmentalischen Hockeys ist (seit 1946) lässt sich vortrefflich streiten. Der Populärste ist er auf jeden Fall und geniesst noch heute die Verehrung eines Rockstars. Sein Kampf gegen die heimtückische Krankheit bewegt die Menschen.
Die Liga ist so ausgeglichen, dass eine sofortige Reaktion auf eine schwache Leistung unabdingbar ist, um eine Krise und den Absturz in die Playout-Ränge zu vermeiden. Erst recht, da sich nun die Männer aus dem Elsgau (Ajoie) mehr und mehr von den Miserablen zu den Respektablen entwickeln. Drei, vier Niederlagen hintereinander sind für zwei Drittel der Teams kaum mehr aufzuholen.
Seit Thierry Paterlini im Sommer 2022 die SCL Tigers übernommen hat, gelingt es ihm immer wieder, bei seinen Männern eine sofortige Reaktion zu provozieren. Ein paar Beispiele.
Am 3. Januar 2023 werden die Langnauer in Rapperswil-Jona 0:9 gedemütigt. Am nächsten Tag wird Lugano an der Ilfis 3:2 gebodigt.
Am 2. Februar 2024 überrollt Ambri die Langnauer 5:1. Am nächsten Tag arbeiten die Emmentaler den SCB nach einem frühen 0:1-Rückstand in Langnau mit 2:1 vom Eis.
Am 9. September 2025 misslingt der Saisonstart in Rapperswil-Jona komplett (1:5). Am 12. September wird der Fehlstart sogleich auf eigenem Eis mit einem 3:2 gegen Ambri korrigiert.
Wenn eine sofortige Reaktion gelingt, dann erreicht der Trainer mit seiner Botschaft die Spieler. Dann ist seine Autorität intakt. Dann hat er die Kabine nicht verloren. Diese Fähigkeit zur sofortigen Reaktion ist eine besondere Qualität eines Trainers. Die Frage geht an Thierry Paterlini: Wie hat er die Wende nach dem 3:5 gegen Lausanne herbeigeführt? Immerhin hatte er für die Leistung seines Teams erstmals das Wort «erbärmlich» verwendet.
Erst einmal hat er eine Frage an den Chronisten:
Nein, natürlich weder das eine noch das andere. Wie kommt er denn nur auf solche Gedanken, auf eine solche Frage?
Er sagt es mit einem Lächeln und pflegt eine bei Trainern sehr, sehr seltene Gabe, jene der Selbstironie. Und der Chronist erklärt ihm, dass ein Chronist natürlich nie verärgert ist und sich auch nie freut. Sondern immer objektiv, nüchtern und emotionslos seiner Chronistenpflicht nachgeht. Aber nun seriös: Wie ist es gelungen, die positive Reaktion herbeizuführen?
Wichtig sei, auf die eigenen Stärken zu setzen und die Ruhe zu bewahren. Das sei auch während des Spiels gegen Zug so gewesen. Die Langnauer lagen nach einem Drittel 0:2 zurück.
Fünf verschiedene Schweizer Torschützen sorgten für das 5:3 gegen Zug. Die sechs Ausländer mussten sich mit drei Assists begnügen und zwei mussten gar mit einer Minus-Bilanz vom Eis (Jonathan Dahlen -1, Santtu Kinnunen -2). Langnaus ausländische Stürmer stehen in der Liga-Skorerliste auf den Positionen 32 (Emil Pettersson), 44 (Jonathan Dahlen), 56 (Saku Mänealanen), 67 (Hannes Björninen) und gar erst auf Position 233 finden wir André Petersson (war krank und fehlte deshalb gegen Zug), letzte Saison der zweitbeste Torschütze der Liga.
Das sind hoffnungsvolle Statistiken: Im Team der SCL Tigers schlummern nach wie vor viele offensive Reserven.
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