Endlich – der Tausch Connor Hughes gegen Romain Loeffel ist vollzogen
Die Lösung des Torhüterproblems durch ein Tauschgeschäft hat sich seit unserer ersten Story zum Thema am 10. Januar (Grosses Kino beim SCB – «Nullnummern» und Dealen mit Lausanne) über gut fünf Monate hingezogen.
Noch nie ist so lange über einen Deal verhandelt, gefeilscht, beraten und diskutiert worden. Die offizielle Bestätigung der Übernahme von Connor Hughes samt Vertrag bis 2031 folgt nun am Montag um 14 Uhr. Der noch vom damaligen Untersportchef Diego Piceci eingefädelte Transfer mahnte wegen der ständigen Vertröstungen und Verzögerungen mehr an die legendären Zahlungsversprechen des Kultjuristen Franz A. Zölch als an einen Hockey-Transfer.
Zentral bei diesem Tauschgeschäft: Um aus dem Tabellenkeller herauszukommen, muss der SCB in einem ersten Schritt das Torhüterproblem lösen. Ein guter Goalie ist zwar nicht alles. Aber ohne guten Goalie ist alles nichts.
Der SCB benötigt nun nächste Saison auf der Goalie-Position keine Ausländerlizenz mehr. Das erhöht die Stabilität und die Systemsicherheit und erlaubt permanent den Einsatz von sechs ausländischen Feldspielern. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zurück ins Tabellen-Mittelfeld.
Für die Lösung seines zentralen Problems muss der SCB einen Preis zahlen und Romain Loeffel nach Lausanne ziehen lassen. Er war in der vergangenen Saison Berns produktivster Schweizer Verteidiger und auf den ersten Blick scheint es eine Torheit zu sein, ihn für Connor Hughes einzutauschen.
Auf den zweiten Blick macht das Tauschgeschäft doch Sinn: Romain Loeffels Vertrag in Bern wäre noch eine weitere Saison (bis 2027) gelaufen. Aber er ist bereits 35 und muss so oder so zeitnah ersetzt werden. Ihn als «Tauschobjekt» für die Lösung der zentralen Goalie-Frage einzusetzen ist also richtig. Mit ein wenig Glück – was Martin Plüss wahrlich zu gönnen wäre – steht der SCB zum ersten Mal seit dem Wechsel von Leonardo Genoni im Sommer 2019 nach Zug vor einer Saison ohne Torhüterprobleme.
Es gibt allerdings eine bange Frage: Wie gut ist eigentlich Connor Hughes tatsächlich? Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger (er hat also eine Schweizer Lizenz) kommt 2017 als Torhüter zu den Ticino Rockets in die zweithöchste Liga. Nach einer Zwischenstation in Langenthal wird er 2020 die Nummer zwei bei Gottéron und 2023 bei Lausanne. Er hext Lausanne im Frühjahr 2024 in den Playoff-Final und kehrt nach einer soliden Saison im Farmteam der Montréal Canadiens im Sommer 2025 mit Vertrag bis 2031 nach Lausanne zurück. Dort ist während seiner Abwesenheit Kevin Pasche zur Nummer 1 und zum Publikumsliebling gereift. Auch er hat Lausanne in den Final getragen (2025).
Connor Hughes hat bis heute erst ein Frühjahr lang in den Playoffs 2024 getanzt. In dieser Form ist er einer der besten Torhüter der Liga. Aber vorher und nachher war er bloss ein guter, aber kein grosser Torhüter.
Was ist also, wenn Connor Hughes die Erwartungen nicht erfüllen sollte? Die neue Nummer 2 soll Christof von Burg (25) werden. Er hat während der ganzen letzten Saison für den SCB nicht einen einzigen Ernstkampf bestritten. Dass Martin Plüss das Arbeitsverhältnis mit Sandro Zurkirchen (36) verlängert hat, kann nur einen Grund haben: Er traut Christof von Burg nicht zu, eine gute Nummer 2 zu sein.
Der SCB hat den besten Offensiv-Verteidiger mit Schweizer Pass in diesem Tauschhandel verloren und mit Ramon Untersander auch gleich noch den zweitbesten aus einem laufenden Vertrag ohne Gegengeschäft nach Genf ziehen lassen. Das ist eben der Preis, den eine Organisation bei einem Neuaufbau zahlen muss. Die Rechnungen für die sportliche Misswirtschaft der letzten Jahre müssen jetzt bezahlt werden. Und endlich werden sie bezahlt.
Die offensive Feuerkraft ist durch die jahrelange konzeptlose Transferpolitik geschwächt worden: Der SCB hat gerade noch zwei Stürmer mit Schweizer Lizenz, die letzte Saison mehr als sieben Treffer erzielt haben. Benjamin Baumgartner und Dario Rohrbach. Inzwischen hat der SCB noch einen einzigen guten Verteidiger für Offensivaufgaben (der neue Ausländer Ian Mitchell). In einer Zeit des «positionslosen» Hockeys mit stürmenden Verteidigern ist das fatal. Was mit der Verpflichtung eines ausländischen Offensiv-Verteidigers ein wenig kompensiert werden könnte.
Aber der SCB braucht vorne dringend vier ausländische Stürmer und kann es sich eigentlich nicht leisten, drei Ausländerlizenzen für Verteidiger zu verschwenden. Aber neben Hardy Häman Aktell steht mit Anton Lindholm halt immer noch der offensiv schwächste ausländische Verteidiger der gesamten neueren Liga-Geschichte unter Vertrag. Der Schwede, ein «offensiver Nullleiter», hat letzte Saison kein einziges Tor erzielt.
Dass der SCB nach dem Wegzug von Romain Loeffel nur noch einen einzigen Rechtsschützen in der Verteidigung hat, ist ein weiteres Zeichen für die konzeptlose Transferpolitik der Vergangenheit, passt aber immerhin zur Stadt Bern: Hier verteidigt eine Linksregierung die Interessen der Stadt.
Fassen wir zusammen: Der Tausch von Romain Loeffel gegen Connor Hughes ist für den Neuanfang beim SCB alternativlos und richtig.
P.S. Die SCB-Sportabteilung arbeitet inzwischen an einem weiteren Tauschgeschäft: Biels Sportchef Martin Steinegger bestätigt auf Anfrage, dass er bereit ist, den hoch talentierten, aber schwierig zu führenden Offensiv-Verteidiger Rodwin Dionicio (22) in einem Tauschgeschäft abzugeben. Dieser Schillerfalter hat das Potenzial zum Publikumsliebling. Aber der «Pflegebedarf» ist offenbar gross. Kritiker sagen, man müsse ihm am Vormittag, am Mittag, am Nachmittag, am Abend und noch einmal kurz vor der Schlafenszeit versichern, er sei der wichtigste, beste Spieler im Team. Der SCB beschäftigt so viel Personal, dass dieser Betreuungsaufwand kein Problem sein wird. Martin Plüss stellt nun für Martin Steinegger eine Kollektion von Spielern zusammen, die für einen Tauschhandel infrage kommen könnten. Immerhin hat ja der SCB aktuell 21 Stürmer unter Vertrag. Affaire à suivre.
