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EV Zug: Eismeister Zaugg über die Entlassung von Patrick Lengwiler

ARCHIV - ZUM PREMIUM-INTERVIEW MIT HANS-PETER STREBEL VOM EV ZUG --- Der Apotheker und Wissenschaftler Hans-Peter Strebel (genannt HP Strebel) waehrend eines Rundganges durch das Spitzensport-Zentrum  ...
EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel und der Verwaltungsrat haben sich dazu entschieden, Patrick Lengwiler zu entlassen.Bild: keystone
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EV Zug – die Eishockey-Antwort auf den FC Zürich

Zug verliert nach Sportchef Reto Kläy auch Geschäftsführer Patrick Lengwiler. Ohne jede Not steuert Präsident Hans-Peter Strebel «seinen» Klub ins Chaos. Der EV Zug ist auf dem besten Wege, die Eishockey-Antwort auf den FC Zürich zu werden.
23.06.2026, 18:5423.06.2026, 19:55

Beginnen wir mit der wohl verrücktesten offiziellen Medienmitteilung, die ein Klub in der Neuzeit der Liga im Sommer komponiert hat: «Im Juni wurde Patrick Lengwiler vom Verwaltungsrat aktiv informiert, dass sein Vertrag mit dem EVZ aufgrund unterschiedlicher strategischer Auffassungen im Herbst 2027 aufgelöst wird. In den jüngsten Gesprächen mit dem Verwaltungsrat machte Lengwiler klar, dass er unter dieser Ausgangslage die Gesamtverantwortung als CEO des EVZ und als Bauherren-Vertreter beim Erweiterungsbau der OYM Hall (das Stadion – die Red.) nicht mehr aufrechterhalten könne. Auf seinen Wunsch ist er per sofort nicht mehr im Amt. Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Strebel: ‹Patrick Lengwiler hat während 29 Jahren wertvolle Arbeit für den EVZ geleistet. Das ist ein enormer Verdienst, den es zu würdigen gilt. Wir wünschen Patrick für die Zukunft nur das Beste.›»

Absolut verrückt. Nach der Entlassung von Sportchef Reto Kläy wirft nun Geschäftsführer Patrick Lengwiler das Handtuch. Ohne jede Not und gegen jede Logik hat der Verwaltungsrat den Abgang seines wichtigsten Angestellten provoziert.

Wie kopf- und konzeptlos der Verwaltungsrat (eigentlich nur das Erfüllungsorgan von Präsident Hans-Peter Strebel) vorgeht, mag eine Episode illustrieren: Eugen Thalmann, der freundliche, legendäre Klubchronist, muss den Redaktionsschluss des gut gemachten Klubmagazins «Eiszeit» unverhofft um gut eine Woche verschieben und ein paar Storys auswechseln oder umschreiben. Boshaft können wir sagen: Die moderne EVZ-Geschichte muss in wesentlichen Teilen neu geschrieben werden. Der Stress für den tüchtigen Redaktor ist allerdings im Vergleich zum Stresstest, dem nun der EVZ ausgesetzt ist, ein Kindergeburtstag.

Die Auswechslung des Sportchefs hat auf das Funktionieren des Sportunternehmens EV Zug noch keine unmittelbaren Auswirkungen und kann notfalls mit der enttäuschenden letzten Saison begründet werden. Beim Abgang von Patrick Lengwiler, mit dem in Ungnade gefallenen Reto Kläy eng befreundet, ist es ganz anders. So wie Marc Lüthi ab 1998 der Architekt des modernen SC Bern war, so gilt Patrick Lengwiler im operativen Bereich als zentrale Figur bei der Entwicklung der Zuger zum Vorzeigeunternehmen und beim Ausbau der Infrastruktur zu einer der besten im Land.

Er hat 1997 in Zug als Juniorentrainer begonnen, wurde 2004 Sportchef und führte den Klub seit 2012 als Geschäftsführer (modern: CEO). Er ist ein durchsetzungs- und überzeugungsstarker Macher. Ein Marc Lüthi mit gesundem Ego (ohne das es in dieser Branche nicht geht), aber weniger Charisma und eigentlich nur einer verzeihlichen Schwäche: Er delegiert nicht gerne. Patrick Lengwiler gilt zurecht als einer der besten Sportmanager im Land.

CEO Patrick Lengwiler
CEO Patrick Lengwiler muss beim EVZ gehen.Bild: evz.ch

Die Zuger haben zwar die Meistertitel von 2021 und 2022 bisher nicht bestätigen können. Aber das Abrutschen ins Mittelmass nach ruhmreichen Zeiten gehört zum Teamsport wie Ebbe und Flut zum Meer. Erst recht bei einem Klub, dessen «Problem» nicht der Mangel, sondern der Überfluss an Geld ist. Der EVZ mag seinen hohen Ambitionen sportlich nicht mehr gerecht geworden sein. Aber das Unternehmen ist kerngesund. Was die «Affäre Lengwiler» noch verrückter macht: Der Verwaltungsrat verliert seinen wichtigsten Mann während der Ausbauphase des Stadions.

Um es polemisch auf den Punkt zu bringen: Ein Präsident dreht durch. Die sachlich vorgebrachte interne Kritik an seinem «Lebenswerk» OYM – die Spieler möchten weniger OYM und ein bisschen mehr Freiheit – hat offensichtlich seinen «heiligen Zorn» entfacht. Inzwischen erzählen Gewährsleute, dass unter anderem die Transfers von Sandro Schmid (bleibt bei Gottéron), Dario Rohrbach (zum SCB) und Dominik Egli (zu Davos) trotz lukrativer und besserer Offerten gescheitert sind. Weil sie sich das gestrenge OYM-Regime – mit dem Leistungssportzentrum ist eine von Kritikern sogar als «sektiererisch» bezeichnete calvinistische Sportkultur verbunden – nicht zumuten wollten. Ob wahr oder unwahr, lässt sich nicht erhärten, zeigt aber eines: Die OYM-Philosophie ist längst ligaweit Gesprächsthema und zu einem Problem für Zug geworden.

Wer zahlt, befiehlt. Präsident Hans-Peter Strebel ist Milliardär und Hauptaktionär. Die Gefahr ist immens, dass das von ihm inszenierte «House Cleaning» im Chaos endet. Es ist keine zwingend notwendige Revolution, um den EV Zug besser zu machen.

Enttaeuschte Gesichter bei den Zugern nach der 4:1 Niederlage und damit das Ausscheiden im Viertelfinale, beim fuenften Eishockey Playoff Viertelfinalspiel im Eishockey Spiel der National League zwisc ...
Die letzten zwei Saisons verliefen für den EVZ enttäuschend.Bild: keystone

Wie sehr es bei diesem Sommertheater drunter und drüber geht, mag das neuste Gerücht zeigen: In der Garderobe wird inzwischen sogar darüber spekuliert, dass der von Kloten aus einem laufenden Vertrag übernommene neue Trainer Lauri Marjamäki auch noch des Amtes enthoben werden könnte. Wahrlich, es rockt in Zug.

Ein Präsident, der alle Macht in Händen hält und sich in die Personalpolitik und ins Tagesgeschäft einmischt: Das erinnert fatal an die Zustände beim FC Zürich unter der Führung des grossen Vorsitzenden Ancillo Canepa.

Ancillo Canepa, FCZ Praesident, sitzt auf der Spielerbank im Vorfeld der Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Zuerich am Samstag, 4. Oktober 2025, im S ...
Ancillo Canepa ist seit zwanzig Jahren FCZ-Präsident.Bild: keystone

Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied: In Zürich lassen sich kaum mehr Investoren finden, die den FCZ übernehmen wollen. In Zug hingegen gibt es genügend Männer und Frauen mit abgeschlossener Vermögensbildung, die den EVZ problemlos finanzieren könnten. Zumal dieses Sportunternehmen so gut strukturiert und – bisher – so gut gemanagt worden ist, dass in einem guten Jahr und mit etwas sportlichem Glück schwarze Zahlen möglich sind.

Ein Aufstand gegen Hans-Peter Strebel? Davon träumen nur Romantiker. Unter den Kapitalisten im Zugerland ist noch kein Wilhelm Tell auszumachen, der sich diesen «Freiheitskampf» zumuten will. Immerhin bieten die Zuger nun im Sommer weit bessere Unterhaltung als die Tell-Freilichtspiele in Interlaken.

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