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Sonny Milano verstärkt SCB noch nicht – doch er hat alle Anlagen dazu

Sonny Milano (SCB) konzentriert sich bei einem Bully, im Spiel der Eishockey National League zwischen SC Bern, SCB, und HC Ajoie, HCA, vom Freitag, 25. September 2026 in der Postfinance Arena in Bern. ...
Noch hatte er beim SCB nicht viel zu jubeln: Sonny Milano.Bild: keystone
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SC Bern – was, wenn Sonny Milano trifft?

Sonny Milano (30) hat auf und neben dem Eis das Potenzial zum «Hockey-Popstar». Aber zuerst muss er sich an unser Hockey gewöhnen und einen Platz im Team sichern. Vorläufig ist der Amerikaner erst Berns Antwort auf Inti Pestoni (35).
25.10.2026, 07:5225.10.2026, 07:52

Drei neue Ausländer hat der SCB verpflichtet, seit Marc Lüthis Nachfolger Jürg Fuhrer – anders als sein Vorgänger - der Aufsichtspflicht im Verwaltungsrat und nun als SCB-Manager nachkommt und die Sportabteilung an der kurzen Leine führt. Verteidiger Ian Mitchell sowie die Stürmer Rodrigo Abols und Sonny Milano. Zudem hat der SCB dem skandinavischen Irrglauben abgeschworen, die Verpflichtung eines nordamerikanischen Trainers durchgesetzt (Serge Aubin), das Torhüterproblem gelöst und das Team verjüngt.

Der Weg zurück nach oben ist für den SCB nach bald sieben Jahren sportlicher Misswirtschaft lang und beschwerlich. «Es gibt auf diesem Weg keine Abkürzungen», pflegt Jürg Fuhrer zu sagen. Wo er recht hat, da hat er recht. Eine kleine Abkürzung gibt es allerdings schon: Mit gutem ausländischem Personal kann die Wegstrecke ein wenig schneller zurückgelegt werden. Sechs Ausländer machen fast ein Drittel der Mannschaft aus.

Zwei der drei neuen Ausländer sorgen für sportlichen Mehrwert und genügen den Ansprüchen. Ian Mitchell ist mit 1,08 Punkten pro Spiel der produktivste Verteidiger der Liga und kompensiert die offensive Nullnummer Anton Lindholm: Der Schwede hatte bereits letzte Saison kein einziges Tor erzielt (aber immerhin 6 Assists angehäuft) und diese Saison ist er gar eine komplette Nullnummer ohne Skorerpunkte. Ian Mitchell hat in 13 Partien für den SCB schon mehr Punkte beigesteuert (13) als sein schwedischer Kollege saisonübergreifend in 71 Spielen (11 Punkte).

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Verteidiger Mitchell ist beim SCB Topsckorer.Bild: keystone

Rodrigo Abols hat sich inzwischen ans NL-Tempo angepasst und erweist sich mehr und mehr als die dringend erforderliche Verstärkung auf der Mittelachse. Auch er gehört zu den besten Ausländer-Transfers der letzten sieben Jahre.

Aber was ist mit Sonny Milano? Er nimmt im Programm «Make the SCB great again“»eine Schlüsselrolle ein. Er soll einerseits die Offensive befeuern und andererseits für die Unterhaltung sorgen, ohne die es nicht mehr gelingt, die grösste Arena im Land (17'031 Plätze) zu füllen. Selbst in den Derbys gegen Biel (4:2) und Langnau (1:3) blieben 1770 bzw. 1052 Plätze leer.

Tatsächlich bringt Sonny Milano alle Voraussetzungen zum Publikumsliebling mit. Auf und neben dem Eis. Der NHL-Erstrundendraft von 2014 hat zwar auch verletzungsbedingt keine grosse NHL-Karriere gemacht (352 Spiele/145 Punkte). Aber am 7. Dezember 2021 mit Anaheim gegen Buffalo für eines der spektakulärsten NHL-Tore der Neuzeit gesorgt. Teamkollege Trevor Zegras lupfte den Puck über das Tor hinweg und Sonny Milano versenkte im «Lacrosse-Stil» durch Direktabnahme. Optisch fällt seine Haarpracht auf und wirkt, als habe er sich mit einem Knallkörper gekämmt. Der Grund: Er habe sich seit der Pandemie die Haare wachsen lassen. Beste Voraussetzungen also, um auch neben dem Eis in der Stadt ein «Hockey-Popstar» zu werden.

Das Wahnsinns-Tor von Sonny Milano.Video: YouTube/SPORTSNET

Aber der Amerikaner hat erst 6 von 13 Partien bestritten. Exakt gleich viele wie Ambris Inti Pestoni. Und dabei gleich viele Punkte (4) gebucht.

Die Parallele zu Ambris Kultstürmer ist nicht nur wegen der lateinisch klingenden Namen und der Statistik bemerkenswert. Der Status ist zwar ein unterschiedlicher: Pestoni ist Schweizer, Milano beansprucht eine Ausländerlizenz. Aber beide müssen sich gegen Konkurrenz im eigenen Team durchsetzen.

Inti Pestoni hat sich inzwischen unter dem gestrengen Zuchtmeister Jussi Tapola einen Stammplatz erkämpft. Sonny Milano muss sich erst noch gegen Miro Aaltonen, Captain Waltteri Merelä, Rodrigo Abols und Emil Bemström durchsetzen: In der Regel setzt Serge Aubin vier ausländische Stürmer ein und einer muss jeweils zuschauen.

Untersportchef Martin Plüss sagt, alles sei bestens. «Wir haben sehr gute Ausländer und alle geniessen unser Vertrauen.» In letzten drei Partien sei Milano verletzungsbedingt nicht eingesetzt worden. Die Blessur sei nicht weiter schlimm. «Von Tag zu Tag» werde die Einsatzbereitschaft beurteilt.

Das ist allerdings nur der kleinere Teil der Wahrheit. Sonny Milano musste vor seiner «Verletzungspause» bereits gegen Davos, Kloten, Servette und Ambri auf die Tribüne. Obwohl er einsatzbereit gewesen wäre. Bei nur 6 Einsätzen erzielte er gleich viele Tore (1) und fast gleich viele Punkte (4) wie der finnische offensive Nonvaleur Miro Aaltonen (1 Tor/4 Assists), der bisher bei allen 13 Partien mitspielen durfte.

Womit wir wieder bei Inti Pestoni wären. Mit der Situation bestens vertraute Gewährsleute, deren Namen dem Chronisten immer wieder entfallen, lüften das Geheimnis für Sonny Milanos Startschwierigkeiten und Tribünenaufenthalte. Einer sagt es so: «Er hat ganz einfach unser Hockey unterschätzt und war bei seiner Ankunft in Bern noch nicht fit.» Ein Problem mit Übergewicht habe er zwar nicht. «Aber er muss sich an das Tempo und die langen Laufwege auf den breiteren Eisfeldern gewöhnen und sein Training entsprechend optimieren.» Was bei der hochprofessionellen athletischen Betreuung in Bern eigentlich kein Problem sein sollte.

Der SC Bern ist Sonny Milanos erster Arbeitsplatz fern seiner nordamerikanischen Heimat. Er ist bei weitem nicht der erste Ausländer, der eine gewisse Angewöhnungszeit braucht. Das war einst sogar beim hochverehrten meisterlichen Leitwolf Alan Haworth so. Der Kanadier kam 1988 erst ab Weihnachten in Fahrt und führte dann den SCB zu drei Titeln.

Auch das eine Parallele zu Inti Pestoni: Auch er benötigte im Herbst 2016 bei seinem ersten Arbeitsplatz fern seiner Heimat in Zürich eine längere Anlaufzeit und musste bei den ZSC Lions wegen Konditionsmängeln vorübergehend auf der Tribüne Platz nehmen.

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Der Tessiner Pestoni benötigte in Zürich etwas Eingewöhnungszeit.Bild: keystone

Sonny Milano ist flinker, grösser und kräftiger als Inti Pestoni. Aber beide sind teuflisch gute und schlaue Stocktechniker, die auf den linken Aussenbahnen am meisten Wirkung entfalten und das Spiel mit Unberechenbarkeit und Kreativität würzen.

Was, wenn Sonny Milano in Hochform das SCB-Spiel bereichert und trifft? Diese hoffnungsvolle Frage ist mehr als berechtigt und die Antwort darauf kann die Meisterschaft entscheiden.

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quelle: keystone / ennio leanza
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