«Brasilien ist auch unser Land»: Iman Beneys WM-Traum in der zweiten Heimat
Nur wenige Stunden nach dem verrückten 7:3 gegen Israel in Ungarn kreist am Samstag das Flugzeug mit dem Schweizer Nationalteam über Sion. Als Iman Beney am Sonntag davon erzählt, lächelt sie. «Es ist toll, so nahe an meinem Zuhause zu sein.» Schon aus der Luft habe sie Häuser, Felder und einzelne Orte erkannt.
Am Dienstag steht in Sion das Rückspiel der ersten WM-Playoff-Runde an. Für die Unterwalliserin aus Savièse wird es zu einem echten Heimspiel. «Ich bekam Ticketanfragen für das ganze Stadion», sagt sie lachend. Familie und Freunde werden auf den Rängen sitzen, wenn die Schweizerinnen im Tourbillon gegen Israel auflaufen. Seit ihrem Wechsel zu Manchester City nach der Heim-EM 2025 weiss Beney solche Momente noch mehr zu schätzen.
Die Weltmeisterschaft in der Heimat ihrer Mutter
Doch nicht nur deshalb sind diese Playoffs für das 20-jährige Toptalent etwas Besonderes. Die Weltmeisterschaft 2027 findet in Brasilien statt, der Heimat ihrer Mutter. Ihre brasilianischen Verwandten leben in Belo Horizonte, im vergangenen Sommer war sie zuletzt dort. «Brasilien ist auch unser Land», sagt sie, die ein enges Verhältnis zu ihrer Familie pflegt. «Es ist mein Ziel, mich mit der Schweiz für diese WM zu qualifizieren.»
Die Walliserin träumt von ihrer ersten Weltmeisterschaft. 2023 war sie diesem Traum bereits einmal sehr nahe: Mit 16 schaffte sie als mit Abstand jüngste Schweizerin überraschend den Sprung ins definitive Kader. Doch im letzten Training vor dem Abflug riss sie sich das vordere Kreuzband im rechten Knie. Der WM-Traum war geplatzt. «Nach 2023 war es schwierig für mich», erinnert sich Beney. «Aber jetzt habe ich das hinter mir. Ich bin noch motivierter und will nun mit der Nati dorthin.»
Das Hinspiel am Freitag in Ungarn verlief nicht so, wie es sich die Schweizerinnen vorgestellt hatten. «Es war kompliziert», fasst es Beney zusammen. «Aber wir haben eine gute Reaktion gezeigt und den Charakter und die Qualität unseres Teams bewiesen.» In der zweiten Hälfte sorgte die Nati dank den Doppelpacks von Riola Xhemaili und Lia Kamber doch noch für klare Verhältnisse.
Wie wechselhaft die Partie verlief, zeigt auch Beneys Auftritt. Vor dem 1:2 verursacht sie den Freistoss, aus dem Israel in Führung geht und sieht dafür die gelbe Karte. Kurz vor der Pause erzielt sie mit einem wuchtigen Schuss das 2:2. «Einige Leute haben mir gesagt, dass ich öfter den Abschluss suchen muss. Also dachte ich: Jetzt muss ich es probieren», erzählt Beney. «Ich hatte vorher auch etwas Frust wegen des Freistosses – und habe diesen Frust in Energie umgewandelt.»
Auch die Diskussion um ihre Position spiegelt den wechselhaften Abend. Beney sieht sich in der Offensive. Dort brillierte sie insbesondere während ihrer Zeit bei den YB-Frauen. Bei Manchester City kommt sie inzwischen immer häufiger als Aussenverteidigerin zum Einsatz – auf jener Position, die sie bereits an der Heim-EM unter Pia Sundhage oft bekleidete.
Beney nimmt die Rolle an, ohne ihre Präferenz zu verbergen. «Ich habe immer gesagt: Ich gebe 100 Prozent, egal wo auf dem Platz. Als Aussenverteidigerin hat man sehr viel Einfluss auf das Spiel. Man muss viel laufen, hat aber auch oft den Ball – offensiv wie defensiv. Ich mag die Position und verteidige gerne, aber am liebsten spiele ich schon weiter vorne.»
Besonders sichtbar wurde das gegen Israel, weil Beney defensiv besonders gefordert wurde. «In der ersten Halbzeit musste ich viel verteidigen. Das war nicht das, was wir vorher erwartet haben», sagt Beney. Zur zweiten Halbzeit kommt mit Nadine Riesen eine gelernte Aussenverteidigerin ins Spiel, Beney rückt auf den Flügel. «So konnte ich etwas höher spielen. Das hat uns geholfen.»
«Es ist noch nicht geschafft, noch nicht erledigt»
Mit dem zwar verrückten, aber am Ende doch deutlichen Sieg hat die Schweiz einen grossen Schritt in Richtung zweite Playoff-Runde gemacht. Dort wartet voraussichtlich Österreich, das sein Hinspiel im Kosovo mit 2:1 gewonnen hat.
Doch Beney warnt davor, das Rückspiel vom Dienstag bereits als Formalität zu betrachten. «Wir wissen, dass wir vier Tore Vorsprung haben. Aber es ist noch nicht geschafft. Es ist noch nicht erledigt.» Der Weg in ihre zweite Heimat führt für Iman Beney damit zunächst über das Heimspiel in Sion. (schweizheute.ch)
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