Mokoena war der südafrikanische Sündenbock: Nun leben die Hoffnungen ausgerechnet dank ihm
Lange Zeit sah es am Donnerstag danach aus, als ob Südafrika nach der Niederlage im Eröffnungsspiel gegen Mexiko auch das zweite Gruppenspiel gegen Tschechien verlieren würde. Bereits nach sechs Minuten gingen die Tschechen in Führung und hatten das Spiel mehrheitlich im Griff.
Im zweiten Abschnitt fand «Bafana Bafana» besser in die Partie, aber es fehlte die nötige Entschlossenheit. Doch ein wenig aus heiterem Himmel erhielten die Südafrikaner nach einem Handspiel des eingewechselten Pavel Sulc einen Elfmeter. Teboho Mokoena schnappte sich den Ball, verwandelte souverän und sorgte für den ersten südafrikanischen Treffer an einer Weltmeisterschaft seit 16 Jahren. Bei diesem 1:1 bleibt es bis zum Schluss.
Man möchte schon fast sagen: Ausgerechnet Mokoena. Noch in der ersten Halbzeit holte sich der Mittelfeldspieler die zweite Gelbe Karte des Turniers und verlor ein wenig die Fassung. Als der 29-Jährige den Elfmeter verwandelte, waren seine Gedanken bei seinem verstorbenen Grossvater: «In diesem Moment habe ich einfach seine Präsenz gespürt. Ich dachte, wenn er hier wäre, wäre er stolz auf mich, denn ich weiss, dass er an mich geglaubt hat, als niemand sonst an mich geglaubt hat.»
Fast hätte ein grosser Patzer rund um Mokoena den Südafrikanern die WM-Qualifikation gekostet. Eigentlich wäre Mokoena für die Quali-Partie gegen Lesotho gelbgesperrt gewesen, aber weder der Spieler selbst noch der Trainerstab hatte das im Kopf. Die Gegner legten Protest ein und am grünen Tisch wurde auf einen 3:0-Sieg für Lesotho entschieden.
Daraufhin war Mokoena vielen Beschimpfungen ausgesetzt, welche auch seine Familie betrafen. Rückblickend dazu sagt der Spieler der Mamelodi Sundowns: «Ich wusste, dass so etwas in den sozialen Medien passieren würde, aber als es zweimal im Einkaufszentrum passierte, traf es mich besonders hart.» Trotzdem qualifizierte sich Südafrika mit einem Punkt Vorsprung auf Nigeria für die Weltmeisterschaft, aber Mokoena wird das Geschehene noch lange begleiten. «Als es mir direkt ins Gesicht geschleudert wurde, wusste ich, dass ich das für den Rest meines Lebens bereuen würde. Ich habe harte Monate erlebt.»
Im abschliessenden Gruppenspiel gegen Südkorea muss Mokoena zuschauen und darauf hoffen, dass seiner Mannschaft eine Überraschung gelingt. Mit einem Sieg hätte das südafrikanische Team gute Karten, um sich für die K.-o.-Phase zu qualifizieren. (riz)
