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Manzambi lässt Shaqiri vergessen und Vargas betet an der WM mit Nmecha

KEYPIX - Switzerland's Ruben Vargas, right, celebrates with Switzerland's Johan Manzambi, left, after scoring the first goal during the World Cup Group B soccer match between Switzerland and ...
Johan Manzambi und Ruben Vargas feiern einen Treffer mit der Kreuz-Geste.Bild: keystone

Das unsichtbare Band zwischen Shootingstar Manzambi und Dauerbrenner Vargas

Der eine wird schon bald Granit Xhaka ablösen. Der andere rechtfertigt die Rolle als Lieblingsschüler von Murat Yakin. Johan Manzambi und Ruben Vargas sind auf einer Mission – mit Jesus im Rücken.
27.06.2026, 20:1227.06.2026, 20:12
Sebastian Wendel, San Diego / ch media

«Was fehlt der Schweiz am ersten Turnier seit 18 Jahren ohne Xherdan Shaqiri?» Die Frage wurde in den Tagen vor dem WM-Auftakt mehreren Nati-Akteuren gestellt. Zwei Wochen später ist Shaqiri in den Diskussionen kein Thema mehr.

Der Grund hat einen Namen: Johan Manzambi. Den ersten Sieg gegen Bosnien-Herzegowina (4:1) führt er mit zwei Toren als Joker herbei. Den zweiten gegen Kanada (2:1) als Torschütze und Assistgeber. Drei Tore an der gleichen WM hat in der Fussball-Neuzeit (seit 1994) vor ihm nur Xherdan Shaqiri erzielt.

Switzerland's Johan Manzambi (9) celebrates after scoring during the World Cup Group B soccer match between Switzerland and Canada in Vancouver, British Columbia, Wednesday, June 24, 2026. (AP Ph ...
Manzambi feiert seinen Treffer gegen Kanada.Bild: keystone

Und noch etwas lässt die Erinnerung an Shaqiri verblassen, beziehungsweise verhindert, dass die Fans sich nach dessen genialen linken Fuss zurücksehnen: Manzambi kann mit einer Aktion ein Spiel entscheiden. Eine Fähigkeit, mit der gemäss dem ehemaligen Nati-Verteidiger Stéphane Henchoz nur ein Prozent aller Fussballer gesegnet ist. Und mit der Shaqiri an jeder seiner sieben Welt- und Europameisterschaften für magische Momente gesorgt hat. Sein Nachfolger ist schneller da, als es die Statistik vorausgesagt hat.

«Ich würde Shaqiri gerne überholen»

«Ich habe Shaqiri eingeholt? Das wusste ich nicht, aber jetzt, wo sie es sagen: Das macht mich schon stolz», sagt Manzambi nach dem Kanada-Spiel. Und weiter: «Ja klar würde ich ihn gerne überholen und weitere Tore erzielen.» Worte, mit denen Manzambi klarmacht: Für ihn und die Schweizer Nati geht die WM nach der Gruppenphase so richtig los.

Apropos losgehen: Manzambi ist zwar seit einem Jahr Stammspieler beim SC Freiburg und stand mit seinem Klub im Mai im Europa-League-Final (0:3 gegen Aston Villa). Er hat mit 20 Jahren schon mehr erreicht als die meisten Schweizer Fussballer in ihrer ganzen Karriere. Doch hier an der WM wird endgültig klar: Was war, war Vorgeplänkel – jetzt geht es für Manzambi erst richtig los.

FILE -- Switzerland's midfielder Xherdan Shaqiri, celebrates his score to 1-0 during the UEFA Euro 2024 qualifying group I soccer match between Switzerland and Belarus, on Sunday, October 15, 202 ...
Shaqiri schoss in 125 Länderspielen 32 Tore.Bild: keystone

Wie weit, das wird sich zeigen. Doch Manzambi eine Weltkarriere zuzutrauen, braucht nicht sonderlich viel Fantasie. Als der Fussballgott das Talent verteilte, stand Manzambi in der ersten Reihe, vielleicht fiel er sogar wie Obelix in den Zaubertrank. Technik, Dynamik, Vielseitigkeit – Manzambi vereinigt alle im modernen Fussball gefragten Fähigkeiten.

Manzambi wird der teuerste Schweizer Fussballer

Im Optimalfall wird sein Name auf der Welt irgendwann bekannter sein als jener von Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Manuel Akanji, die drei hochdekorierten Schweizer Vorzeige-Fussballer der Gegenwart. Die bis dato einzigen, die Fussballfans rund um den Globus geläufig sind.

Das liegt vor allem an Manzambis Position. Akanji ist Verteidiger, Xhaka Mittelfeldspieler. Sie stehen für Fussball-Arbeit. Die Emotionen beim Publikum indes wecken die Offensivkünstler. Und obwohl auch Shaqiri so einer war und bei Weltklubs wie Bayern München, Inter Mailand und Liverpool unter Vertrag stand – er schaffte es dort nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus.

Johan Manzambi Bilanz Vorrunde WM 2026
grafik: sofascore

Wer gewinnt das Wettbieten?

Shaqiri auch in diesem Punkt zu übertrumpfen, sprich bei einem der zehn absoluten Top-Klubs eine tragende Rolle zu spielen, trauen Manzambi neben den nationalen auch die internationalen Experten zu. Bayern-Legende und Weltmeister Thomas Müller hat ihn an der WM spielen sehen und seinem Ex-Klub geraten, den Schweizer einmal genauer anzuschauen: «Mir gefällt seine Entwicklung, das könnte einer für Bayern sein.» Müller hat es nicht nötig, sich bei den Schweizern einzuschleimen – er meint es wirklich so.

Ziemlich sicher sind sie in München schon lange vor Müllers Tipp auf Manzambi gekommen. Wie auch bei Chelsea, Arsenal, Liverpool, den beiden Manchester-Klubs, Real Madrid, FC Barcelona und Paris St-Germain: Allen wird Interesse nachgesagt. Es zeichnet sich ein Wettbieten der Superreichen ab. Manzambis 50 Millionen Franken Marktwert zu Beginn der WM dürften längst überholt sein. Trifft er auch in den K.o.-Spielen, könnte die 100-Millionen-Marke geknackt werden. Spektakel und Effizienz, diese Kombination erhöht die Zahlungsbereitschaft: Die zehn höchsten Transfersummen der Geschichte wurden für Offensivspieler bezahlt.

Manzambi, immer vorausgesetzt, dass er gesund bleibt, wird Granit Xhaka als teuersten Schweizer Fussballer (2016 für 45 Millionen von Gladbach zu Arsenal) ablösen. Wohl schon diesen Sommer. In den passenden Händen dafür ist er schon mal: Kurz vor der WM hat Manzambi seinen langjährigen Walliser Berater Michel Urscheler verlassen und sich der weltweit agierenden Agentur «The Team» angeschlossen. Dort ist er hinter Real-Madrid-Captain Federico Valverde der zweitwertvollste Klient.

Seinen neuen Arbeitgeber wird sich Manzambi aus der Crème de la Crème auswählen können. Der Wunsch von Gregor Kobel, ihn zu Borussia Dortmund zu lotsen, dürfte ein solcher bleiben: «Er ist jetzt sicher teurer geworden, schauen wir mal», sagt Manzambis Nati-Kollege. Der Gefeierte selber will vom anstehenden Transferwirbel (noch) nichts wissen, Manzambi sagt: «Meine Berater sprechen nur mit meinem Bruder. Ich will mich hier an der WM nur auf die Nati konzentrieren.»

Vargas genauso wichtig wie Manzambi

Manzambi über allen. Doch ein anderer Schweizer hatte ebenfalls grossen Anteil am Gruppensieg. Ruben Vargas, mit 27 Jahren nicht mehr so jung und im Spielstil nicht so spektakulär wie Manzambi, aber genauso wichtig: Er gab die Flanke vor dem 1:0 gegen Bosnien-Herzegowina, bereitete ein weiteres Tor vor und erzielte das 2:0. Im letzten Gruppenspiel gegen Kanada legte er mit dem 1:0 den Grundstein zum Sieg.

Switzerland's Ruben Vargas (17) celebrates after scoring during the World Cup Group B soccer match between Switzerland and Canada in Vancouver, British Columbia, Wednesday, June 24, 2026. (AP Pho ...
Vargas bejubelt sein Führungstor gegen Kanada.Bild: keystone

Dabei war für die Rolle eines weiteren Überfliegers neben Manzambi eher Dan Ndoye vorgesehen. Dieser aber leidet an der WM an einem akuten Rückfall seiner Torimpotenz, zum Glück für Murat Yakin kann er sich auf Vargas verlassen. Wieder einmal. Der Flügelspieler gehört seit jeher zu den Lieblingsschülern des Trainers, der sagt: «Ruben verkörpert ein Profil, das sonst keiner bei uns hat. Seine Schnelligkeit gepaart mit seiner Ballfertigkeit ist überragend. Und er hat einen ganz feinen Charakter.» Nur Xhaka, Remo Freuler, Ricardo Rodriguez und Akanji kamen zu mehr Einsätzen seit Yakins Amtsantritt 2021.

Neben dem Platz definiert sich Vargas über seinen Glauben. Nach dem Treffer zum 2:0 im EM-Achtelfinal 2024 gegen Italien sagte er: «Ich bin gerade sprachlos. Ich möchte einfach Danke sagen für meinen Vater im Himmel und für Jesus Christus.» In einem Interview mit CH Media erzählte Vargas einst, dass er schon als Kind einiges vom christlichen Glauben gehört, aber noch kein tieferes Verständnis gehabt habe. Ein früherer Teamkollege habe ihm dann beim Aufbau einer Beziehung zu Jesus geholfen.

Gemeinsames Beten mit anderen WM-Stars

Während der WM, so Vargas, treffe er sich mit anderen Fussballern regelmässig in einem Videocall zum gemeinsam Beten. Unter anderem dabei sei der Deutsche Felix Nmecha. Jener ebenfalls sehr gläubige Fussballer also, der mit konservativen Äusserungen zu den Rechten von LGBTQ-Menschen Aufmerksamkeit erregte. Auch Frauenfeindlichkeit wird dem Dortund-Profi vorgeworfen.

Nach seinen Toren gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada bildete Vargas mit den Zeigefingern ein Kreuz, ein Symbol für Jesus. Ein anderer stand daneben und tat es ihm gleich: Johan Manzambi.

Auch er betonte schon mehrmals, welch grossen Platz der Glaube in seinem Leben einnehme. Statt Rap oder House-Beats wie die meisten Fussballer hört Manzambi am liebsten Gospelmusik – und: «Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne in die Kirche.»

Nach den Spielen sinken Manzambi und Vargas jeweils nebeneinander auf die Knie, Kopf und Finger gen Himmel gestreckt, zum gemeinsamen Gebet. Damit und mit ihrer Jesus-Jubelpose werden die Fussballer von religiösen Bewegungen auf deren Social-Media-Profilen instrumentalisiert – als Lockvögel für junge Menschen. Manzambi und Vargas, die Schweizer Kreuzkicker.

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Die Spanier mussten einiges einstecken für den Sieg im mexikanischen Zapopan. Uruguay ging mit dem blamablen Ausscheiden vor Augen wiederholt unzimperlich in die Zweikämpfe. Einen Platzverweis gegen den zweifachen Weltmeister hätte es schon früher geben können als in der 95. Minute, als der mehrfach negativ aufgefallene Agustin Canobbio vorzeitig in die Kabine musste. Spielerisch brachte Uruguay wenig zustande, egal wie hart die Spieler in die Duelle gingen und wie radikal Nationalcoach Marcelo Bielsa wechselte. Der Treffer von Alex Baena in der 42. Minute blieb der einzige der Partie. Ihm ging ein grosser Patzer von Uruguays Goalie Fernando Muslera voraus.
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