Nach Morddrohungen: Südkoreas Nationaltrainer verlässt die Heimat
Das überraschende Vorrunden-Aus an der WM hat in Südkorea eine Welle der Wut ausgelöst – und für den bisherigen Nationaltrainer Hong Myung-bo drastische Folgen. Der 57-Jährige trat nicht nur zurück, sondern verliess wenige Tage später sogar das Land. Der Grund: Neben massiver Kritik erreichten ihn konkrete Morddrohungen.
🚨 | 𝐁𝐑𝐄𝐀𝐊𝐈𝐍𝐆: 𝐇𝐎𝐍𝐆 𝐀𝐑𝐑𝐈𝐕𝐄𝐒 𝐀𝐓 𝐈𝐍𝐂𝐇𝐄𝐎𝐍
— Joel Kim (@KNTFootball) June 29, 2026
Hong and several players arrived at 4AM hoping to avoid protesters, but a large crowd was waiting. 🤯
Fans banged drums, chanted "Hong Myung-bo out!" & hurled curses/insults at the coach. 🫡🇰🇷 pic.twitter.com/X2XWlEjLGW
Der TV-Sender MBC filmte Hong am Flughafen, wo er sich mit Kappe und Maske unauffällig in Richtung USA absetzte. Zuvor war er bei der Rückkehr nach Südkorea von wütenden Fans empfangen worden: Hunderte versammelten sich am Flughafen, forderten den Rücktritt und hielten Plakate hoch, auf denen etwa «Der koreanische Fussball ist tot» stand. Die Polizei musste dem Team einen Weg durch die Menge bahnen. Die Wut entlud sich auch abseits des Flughafens. In Restaurants und Bars tauchten symbolische Hausverbote auf – Schilder mit der Aufschrift, Hong sei der Zutritt untersagt.
Former Korean coach Hong Myung-Bo was caught at the airport fleeing South Korea for Los Angeles.
— Joon Lee (@joonlee) July 3, 2026
This man genuinely might not be able to return home after the president of his country called for an investigation into why the team did so poorly. pic.twitter.com/MFkfFkHPXT
Hong sollte Südkorea ursprünglich gar nicht führen. Nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann galten mehrere Namen als Kandidaten. Hong erhielt den Posten trotzdem, angeblich weil ihn ranghohe KFA-Funktionäre um Verbandschef Chung Mong-gyu persönlich favorisierten. Ein Regierungsaudit Ende 2024 kam zum Schluss, dass sowohl Klinsmanns Absetzung als auch Hongs Berufung intransparent abliefen.
Der Druck reichte bis in die höchste politische Ebene. Präsident Lee Jae-myung zeigte sich öffentlich zutiefst enttäuscht und kritisierte heftig, wie der Trainerposten vergeben worden war. Sinngemäss sagte er, wenn bei der Wahl eines Leiters Beziehungen wichtiger seien als Können, sei das Ergebnis absehbar. Zudem ordnete er eine Untersuchung an, welche die Ursachen der Krise im koreanischen Fussball klären soll.
Sportlich war Südkorea als Gruppendritter gescheitert – nach dem Auftaktsieg gegen Tschechien folgten zwei 0:1-Niederlagen gegen Mexiko und Südafrika. (car)
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